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Februar 2018

Wandel im deutschen Gesundheitswesen und internationaler Vergleich

Ärzteschwemme in den Städten, Ärztemangel auf dem Land

In kaum einem Land gibt es so viele Ärzte wie in Deutschland. Doch während viele Städte überversorgt sind, sinkt die Zahl der niedergelassenen Ärzte in einigen ländlichen Regionen rasant. Für junge Mediziner gibt es zu wenige Anreize auf dem Land nach Anstellung zu suchen. Mit dem „Masterplan Medizinstudium 2020“ will die Bundesregierung das ändern und die Verteilung verbessern. Nun sollen im PJ auch ambulante Praxen einbezogen und das Fach Allgemeinmedizin im Abschlussexamen mündlich geprüft werden. Auch eine „Landarztquote“ wird möglich. Danach könnten die Länder die Vergabe der knappen Medizinstudienplätze an die Verpflichtung knüpfen, später auf dem Land zu arbeiten. 

Doch wie kann der Ärzteschwund auf dem Land aufgehalten werden? Bis zum Jahr 2020 werden nach Berechnungen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) 50.000 niedergelassene Ärzte in den Ruhestand gehen. Mit Prämien wollen Kommunen und Kassenärztliche Vereinigungen vor allem Hausärzte aufs Land locken. Die KV Niedersachsen und das Land Niedersachsen loben 50.000 Euro für niederlassungswillige Ärzte aus, ebenso die KV Brandenburg (KVBB) oder KV Nordrhein (KVNO). Viele, vor allem ländliche Kommunen bemühen sich, etwa einen Augenarzt oder einen Hausarzt in ihren Gemeinden zu etablieren. Die KV Brandenburg listet auf ihrer Homepage 32 Städte und Gemeinden mit drohender Unterversorgung an Haus- oder Fachärzten auf. In der Region Prignitz oder Pritzwalk-Wittstock ist die Unterversorgung an Haut- beziehungsweise Kinderärzten bereits Fakt. 

Wie sieht die medizinische Versorgung in Deutschland nun im internationalen Vergleich aus? Deutschland liegt mit 4,1 Ärzten je 1.000 Einwohner über dem OECD Durchschnitt von 3,3. In den OECD Ländern variiert die Zahl der Ärzte je 1.000 Einwohner zwischen 1,8 in der Türkei und 6,3 in Griechenland.  Bei den Krankenpflegerinnen und -pflegern je 1.000 Einwohner liegt der Durchschnitt der OECD Länder bei 8,9. Die Türkei hat mit 1,9 Krankenpflegern je 1.000 Einwohner die niedrigste Dichte an Krankenpflegern, während die Schweiz mit 17,6 Krankenpflegern die höchste Dichte aufweist. Deutschland liegt auch hier mit 13,1 deutlich über dem OECD Durchschnitt, und wie bei der Arztdichte auf einem Niveau mit den ebenfalls als Vorreiter geltenden Gesundheitssystemen in Dänemark, Schweden oder Norwegen.

Die höchste Krankenhausbettendichte (Krankenhausbetten je 1.000 Einwohner) weist Japan mit 13,2 Betten je 1.000 Einwohner und die niedrigste Chile mit 2,1 Betten je 1.000 Einwohner auf. Auch hier liegt Deutschland mit 8,2 Betten deutlich über dem OECD Durchschnitt von 4,7 Betten.  

Ähnlich verhält es sich mit der Liegedauer im Krankenhaus und den Arztbesuchen je Einwohner. Deutschland liegt bei der Liegedauer mit 9 Tagen über dem OECD Durchschnitt (7,5 Tage). Auch hier sind die skandinavischen Länder Dänemark (5,5 Tage), Norwegen (5,6 Tage) und Schweden (5,8) deutlich unter der Liegedauer von Deutschland. Die niedrigste Liegedauer weist mit 3,6 Tagen Mexiko und die längste Liegedauer Japan mit 16,9 Tagen auf.

Bei den Arztbesuchen liegt Deutschland ebenfalls deutlich über dem OECD Durchschnitt (6,8) mit fast 10 Arztbesuchen je Einwohner im Jahr. Zum Vergleich kontaktieren die Einwohner in Skandinavien deutlich seltener den Arzt – in Dänemark wird der Arzt im Durchschnitt lediglich 4,5 Mal, in Norwegen 4,3 Mal und in Schweden nur 2,9 Mal pro Jahr und Einwohner aufgesucht. Diese hohe Anzahl an Arztbesuchen dürfte in Deutschland vor allem auf den unbeschränkten Zugang, auch von Spezialisten, zurückzuführen sein. So üben Allgemein- oder Hausärzte nicht die Funktion des Gatekeepers aus, der die Versorgung koordiniert.

Sind Deutsche also kränker als Ihre Nachbarn? Oder haben wir einfach einen anderen Umgang mit Krankheit und Vorsorge?

Unser Blogautor: Markus Ammon

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