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Januar 2021

Verdacht auf Nierenbeckenentzündung bestätigt

Sechs Monate alte Anika Bauer wird auf der Kinderstation behandelt

Seit ein paar Tagen wird die erst 6 Monate alte Anika Bauer auf der Kinderstation eines regionalen Bezirkskrankenhaus behandelt. Anika war in der Notaufnahme mit hohem Fieber und reduziertem AZ (Allgemeinzustand) von ihren besorgten Eltern vorgestellt worden. Die diensthabende Kinderfachärztin, Neda Jahani, schloss zuerst eine Gehirnhautentzündung anhand einer Lumbalpunktion aus. Der Urintest wies Blut im Harn auf und auch der Ultraschallbefund zeigte sich mit einer leicht verdickten rechten Niere auffällig, was auf eine Harnwegsinfektion (HWI), höchstwahrscheinlich eine Nierenbeckenentzündung, schließen ließ. Um die Diagnose weiter zu differenzieren wird heute eine MCU, also eine Miktionszystourethrografie durchgeführt. Die Mutter, Frau Bauer, ist während der Untersuchung anwesend.

Dr. Jahani: Hallo Frau Bauer, ich hatte Ihnen ja gestern bereits angekündigt, dass wir heute noch eine Kontrastmitteldarstellung von Blase und Harnröhre, also eine Miktions-zystourethrografie, durchführen möchten.

Frau Bauer: Können Sie mir bitte nochmal erklären, was das ist, ich war am Sonntag so aufgeregt, da habe ich nicht alles mitbekommen.

Dr. Jahani: Sicher. Die Untersuchung heißt Miktionszystourethrografie, kurz MCU. „Miktion" heißt Wasserlassen, „Cystis" ist die Harnblase, „Urethra" die Harnröhre. Das MCU ist eine Röntgendarstellung der Blase vor und während des Wasserlassens.

Frau Bauer: Und warum wird die Untersuchung nochmal gemacht?

Dr. Jahani: Bei Annika ist ein fieberhafter Harnwegsinfekt aufgetreten und Anomalien, also die leicht verdickte rechte Niere. Ich möchte sehen, ob ein sogenannter „Reflux", also ein Rückfluss von Urin aus der Blase in die Harnleiter oder das Nierenbecken auftritt. Außerdem haben wird dann ein Röntgenbild der Harnröhre und damit können wir feststellen, ob Veränderungen an der Harnröhre für den Harnwegsinfekt verantwortlich sind.

Frau Bauer: Ok. Verstehe. Wird diese Untersuchung für Annika schmerzhaft sein?

Dr. Jahani: Nein. Ich denke, sie wird kaum etwas merken. Ich werde sehr behutsam vorgehen, machen Sie sich keine Sorgen, Frau Bauer. Annika bekommt eine örtliche Betäubung.

Frau Bauer: Und wie wird die Aufnahme gemacht?

Dr. Jahani: Ich führe einen ganz dünnen Katheter, also einen Kunststoffschlauch, durch die Harnröhre ein. Wir gewinnen nochmal Urin für die Laboruntersuchung und befüllen dann ganz langsam die Blase mit einem strahlendichten Kontrastmittel, das ist eine wässrige, jodhaltige Lösung. Während ich die Blase fülle und bei der danach eintretenden Entleerung der Blase, kann ich auf dem Monitor beobachten, ob es einen Rückfluss gibt. Wenn die Blase entleert ist, machen wir das Röntgenbild.

Frau Bauer: Und wie lange wird das dauern?

Dr. Jahani: So 15 Minuten, würde ich sagen.

Ein paar Stunden nach der Untersuchung bittet die Ärztin die Eltern zu einem Gespräch.

Dr. Jahani: Gut, dass Sie beide Zeit haben, ich möchte mit Ihnen gerne den Befund besprechen.

Frau Bauer: Annika geht es schon ein bisschen besser, sie hat vorhin ausgiebig getrunken und scheint nicht mehr so apathisch.

Dr. Jahani: Das ist gut, Frau Bauer, die Antibiotikatherapie scheint zu wirken. Ich möchte nochmal alle Untersuchungen, die wir durchgeführt haben, um uns ein Bild über Annikas Zustand zu machen, zusammenfassen: Wir haben eine Harn- und Blutuntersuchung durchgeführt. In Annikas Harn ließen sich Bakterien und weiße Blutkörperchen nachweisen, im Blut waren die Entzündungswerte erhöht. Zur Identifizierung der Bakterien und zur Bestimmung des richtigen Antibiotikums wurde eine Harnkultur angelegt. In der Ultraschalluntersuchung zeigte sich eine leicht verdickte rechte Niere, deshalb führten wir heute eine Miktionszystourethrografie durch, um einen möglichen Reflux diagnostizieren zu können.

Herr Bauer: Und. Was haben Sie rausgefunden?

Dr. Jahani: Wie vermutet, leidet Ihre Tochter an einer Harnwegsinfektion, und zwar an einer Nierenbeckenentzündung ausgelöst durch einen Rückfluss von Harn aus der Blase in die Niere.  

Frau Bauer: Ist das schlimm?

Dr. Jahani: Erst einmal möchte ich Ihnen sagen, dass Sie sehr gut reagiert haben, indem Sie mit Annika gleich zu uns in die Klinik gekommen sind. Harnweginfekte sind bei Säuglingen nicht selten und oft ist ein Reflux dafür verantwortlich.

Herr Bauer: Wie kommt es denn zu diesem Rückfluss?

Dr. Jahani: Wie gesagt, bei einem Reflux kommt es zum Rückfluss von Urin aus der Blase in einen oder in beide Harnleiter. Normalerweise wird dies durch einen Verschluss-mechanismus am Übergang vom Harnleiter zur Harnblase verhindert. Funktioniert dieses Ventil aber nicht perfekt, kann es zum Rückfluss von Blasenurin bis hinauf zur Niere kommen. Dadurch wird es Bakterien leicht gemacht, aus der Blase in die Niere zu gelangen und dort eine Nierenbeckenentzündung auszulösen.

Frau Bauer: Und jetzt?

Dr. Jahani: Da sie frühzeitig gekommen sind, konnten wir mit der Antibiotikatherapie gleich beginnen. Wenn die Therapie gut anschlägt, wird der Reflux sich wieder normalisieren.

Herr Bauer: Und wenn nicht?

Dr. Jahani: Dann stehen uns noch weitere Optionen offen, aber ich denke wir warten jetzt erst einmal ab, wie es Annika in ein paar Tagen geht.

Herr Bauer: Ich würde aber doch gerne wissen, was passieren kann, wenn das Medikament nicht anschlägt.

Dr. Jahani: Wenn der Reflux nicht behandelt werden kann, führt dies auf die Dauer zu einer Schädigung des Nierengewebes. Wir wollen vermeiden, dass sich neue Narben am Nierengewebe bilden, die durch Infekte hervorgerufen werden. Bei Annika liegt ein Reflux zweiten Grades vor, das heißt, Sie sind mit der konservativen Therapie erst einmal richtig beraten. Falls sich der Reflux nicht beseitigen lässt oder chronisch wird, kann mittels endoskopischen Unterspritzung mit Dextranomere/Hyaluronsäure oder offener chirurgischer Therapie weiterbehandelt werden.

Frau Bauer: Können wir Annika mit nach Hause nehmen? Es ist bald Weihnachten und …

Dr. Jahani: Ich verstehe Ihren Wunsch, Frau Bauer, aber ich würde die Therapie gerne weiter hier in der Klinik fortsetzen, um möglich Komplikationen ausschließen zu können.

Herr Bauer: Komplikationen? Was könnte das sein?

Dr. Jahani: Eine Urosepsis, als Blutvergiftung oder eine Abszessbildung in der Niere und deren Umgebung.

Frau Bauer: Bitte, Mirko, frag jetzt nicht weiter. Es wird schon alles gut gehen!

Dr. Jahani: Ich und mein Team tun alles für die Genesung Ihrer Tochter. Lassen Sie uns in ein paar Tagen nochmal sprechen.

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Blogautoren: Jana Kirchberger und Markus Ammon

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