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Januar 2018

So kurz wie möglich, so lang wie nötig

Herausforderungen des Medizinerjargons

Im von Zeitmangel geprägten Medizineralltag ist der kurze und knappe Medizinerjargon mit vielen Abkürzungen und Akronymen in aller ärztlicher Munde. Für nicht muttersprachliche Ärztinnen und Ärzte stellt dies in der Kommunikation mit Kolleginnen und Kollegen nicht selten eine Herausforderung dar. Denn diese Sprache findet man weder in Lehrbüchern noch wird sie in Prüfungsvorbereitungskursen unterrichtet. Diese „neue“ Sprache müssen sich auch muttersprachliche Medizinstudenten während ihrer Ausbildung aneignen, sie gehört quasi zum Medizinstudium. Auch im fachlichen Gespräch unter Medizinern kann es zu Verständigungsproblemen kommen, nicht zuletzt aufgrund oft mehrdeutiger Abkürzungen. Wir haben einige Stolpersteine zusammengetragen, mit denen Sie vielleicht in Zukunft bei Ihren Kollegen punkten können. 

Spricht man etwa von „Morbus Freitag“, also der Freitagserkrankung, meint man die freitägliche Patientenflut aus Pflegeheimen aufgrund von Exsikkosen in Folge von Dehydrationen. GOMER-Patienten möchte man eher ungern auf Station, denn das Akronym Gomer (Get out of my Emergency Room) bezeichnet – oftmals demente – Patienten, die Schwierigkeiten haben, eine herkömmliche zwischenmenschliche Kommunikation aufrecht zu erhalten, zumeist bedingt durch ihr Alter und chronische Erkrankungen.

Ein Logorrhoe-Patient spricht dagegen ohne Punkt und Komma, sein Redefluss ist zwanghafter Natur. Morbus mediterraneum ist keine Mittelmeerkrankheit, sondern ist ein Hinweis darauf, dass der männliche Patient große Angst vor Arztbesuchen, Blutabnahme, etc. hat und eine Behandlung von einem Arzt bevorzugt.

Sollten Sie einen Patienten „abturfen“, wird er schnurstracks auf eine andere Station verlegt. Vielleicht weil Foetor ex ore vorliegt? Der Patient selbst wird nicht merken, dass er unter starkem Mundgeruch leidet. Aber auch C2-Abusus Patienten werden gerne geturft. Mit Alkoholikern ist Ärger vorprogrammiert. Rät der Kollege zu einer „Balneotherapie“, meint er:  Der Patient sollte sich dringend mal wieder waschen. Patienten mit dem Kürzel „C. p.“ hält man für „Caput piger“, einen faulen Kopf oder Drückeberger. 

Wissen Sie was ein Zebra ist? Aber was hat das schöne Tier im Krankenhaus zu suchen? Nichts – es sei denn, man bezeichnet damit eine sehr seltene und daher eher unwahrscheinliche Diagnose. Fragen Sie bei Abkürzungen lieber kurz nach, sonst interpretieren Sie ADH als antidiuretisches Hormon, obwohl damit eine Alkoholdehydrogenase gemeint war. Meist handelt es sich bei DM wirklich um Diabetes mellitus, aber stellen Sie sicher, dass es keine Dermatomyositis oder Dexamethason ist.  ET ist kein außerirdischer Patient aus den 80er Jahren, sondern eines der folgenden Phänomene: Epikutantest; Ergotherapie; Endotheline; Endotrachealtubus; Elektrotherapie; Embryonentransfer oder Essentielle Thrombozytopenie. 

Eine Liste der wichtigsten Abkürzungen finden Sie im Rahmencurriculum telc Deutsch B2·C1 Medizin. Fragen Sie bei Ungewissheit bei ihren Kollegen nach – bald werden Sie auch b. B. abgek. u. komp. Komm.* halten können.

Viel Erfolg!

* bei Bedarf abgekürzt und kompakt Kommunikation

Unser Blogautor: Markus Ammon

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