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November 2020

Schreibtraining für Pflegekräfte

Der Aufnahmebericht

In der telc-Prüfung B1/B2 Pflege werden zwei Schreibleistungen gefordert – ein Aufnahmebericht und ein Biographiebericht. Für beide Aufgabenstellungen wird jeweils ein Formblatt mit Informationen zum Patienten/zur Patientin bereitgestellt, auf dessen Grundlage der Text geschrieben werden soll – ein Anamnesebogen bzw. ein Biographiefragebogen. Als Schreibleistung soll ein Text von 120 – 170 Wörtern formuliert werden, indem die vorgegebenen stichwortartigen Informationen in einen Fließtext übertragen werden. Um auf die geforderte Wortzahl zu kommen und den Text realistisch zu gestalten, ist es in beiden Aufgabenstellungen erforderlich, in einzelnen Passagen selbständig Informationen zu ergänzen. Strukturell stehen vor allem satzverbindende Elemente und grammatikalische Korrektheit im Fokus der Bewertung. Die in unserer Musterlösung beispielhaft genutzten Verbindungselemente sind zur besseren Sichtbarmachung kursiv gesetzt.

Heute beschäftigen wir uns mit dem Aufnahmebericht. Im zugrunde liegenden Anamnesebogen, der während der Prüfung vorliegt, werden immer Angaben zu Pflegeressourcen und -problemen in Bezug auf ausgewählte Aktivitäten und existentielle Erfahrungen des täglichen Lebens nach dem Pflegemodell von Monika Krohwinkel (AEDL-Modell) zur Verfügung gestellt. Im Folgenden eine Auflistung der AEDL mit Beispielen – in den Anamnesebögen zur Prüfung tauchen lediglich jeweils zwei dieser Bereiche in tabellarischer Form auf, wobei das Vorhandensein einer Ressource bzw. eines Hilfebedarfs angekreuzt ist. Hier Vorschläge zur Ausformulierung:

  • Kommunizieren: Um angemessen kommunizieren zu können, benötigt er sowohl eine Brille als auch Hörgeräte.
    Frau…kann sich präzise/genau/gut mitteilen und ist in der Lage ihre Wünsche zu äußern. Sie ist sowohl zeitlich wie auch örtlich orientiert. Auf Nachfrage konnte sie mir Datum und ihren momentanen Aufenthaltsort nennen.
  • Sich bewegen: Herr…ist (nicht) in der Lage/fähig/kann selbstständig…
    Der Patient benötigt Hilfe/Unterstützung/Assistenz beim Anziehen.
    Zum Gehen benötigt er einen Stock/Rollator/Unterarmstützen.
  • Vitale Funktionen aufrechterhalten: Beim Patienten wird regelmäßig der Blutdruck gemessen.
    Die Patientin trägt Kompressionsstrümpfe/nimmt regelmäßig Medikamente ein.
    Sie braucht Unterstützung bei der Medikamentenversorgung.
  • Sich pflegen: Er bevorzugt ein Vollbad gegenüber einer Dusche auf dem Schemel.
    Das präferierte Duschgel/Haarwasser wird von der Tochter besorgt.
    Er benötigt Hilfe bei der Fußpflege.
  • Essen und Trinken: Herr…lehnt warme Süßspeisen ab. Frau…trinkt gewöhnlich drei Tassen Kaffee täglich und nimmt ihre Mahlzeiten gerne in Gesellschaft ein.
    Der Patient benötigt wegen eines Reizdarms Schonkost/aufgrund allgemeiner Schwäche Sondenernährung.
  • Ausscheiden: Die Patientin sucht gewohnheitsmäßig morgens nach dem Aufstehen die Toilette auf und kann das selbständig tun/benötigt dabei Hilfestellung.
    Herr…ist harninkontinent, kann aber den Darm kontrollieren/benötigt nachts eine Vorlage.
  • Sich kleiden: Der Patient legt nicht nur in Gesellschaft, sondern auch allein für sich großen Wert auf gepflegtes Auftreten/trägt gern seine persönliche Freizeitkleidung und Hausschuhe/wechselt gewöhnlich zweimal wöchentlich die Wäsche nach dem Baden/zieht sich wegen Desorientiertheit öfter aus.
  • Ruhen und Schlafen: Üblicherweise schläft die Patientin von 2 bis 7 Uhr morgens.
    Herr…bekommt wegen seiner Einschlafstörungen vor dem Schlafengehen ein Johanniskrautpräparat.
  • Sich beschäftigen: Herr…hat als Maurer gearbeitet und in seiner Freizeit gern Fußball gespielt, heute schaut er sich gern Spiele im Fernsehen an.
    Zur Gestaltung ihres Tagesablaufes wünscht sich die Patientin Unterstützung.
  • Sich als Mann/Frau fühlen: Wegen ihres Schamgefühls wünscht sich die Patientin eine weibliche Pflegeperson bei der Intimpflege.
    Herr…besteht auf eine tägliche Nassrasur, da der elektrische Rasierapparat bei ihm Hautreizungen verursacht.
  • Für eine sichere Umgebung sorgen: Vor dem Schlafengehen möchte Frau…das Zimmer verschlossen bekommen.
    Um nächtliche Stürze zu vermeiden, benötigt der Patient ein Bettgitter.
  • Soziale Bereiche des Lebens sichern: Wegen einer Erbstreitigkeit lehnt Frau…jeden Kontakt zu ihren Schwestern ab.
    Durch seine langjährige ehrenamtliche Tätigkeit in der Kirchengemeinde besteht für den Patienten ein sehr enger Kontakt zu Pfarrer Huber.
  • Mit existentiellen Erfahrungen des Lebens umgehen: Aufgrund seiner regelmäßig auftretenden Gelenkschmerzen hat Frau…bis zu ihrer Aufnahme im Seniorenheim bis zu dreimal täglich je 15 Tropfen Tramal zu sich genommen.
    Die Mobilität von Herrn…ist durch seine Hüftbeschwerden vor allem morgens stark eingeschränkt.
    Frau…leidet sehr unter dem Tod ihrer Ehemann, mit dem sie über 50 Jahre verheiratet war.
    Die Betreuung in der Sterbephase betreffend, wünscht sich der Patient einen Verzicht auf Sondenernährung.


Für unsere Beispiellösung haben wir den Anamnesebogen zur Schreibaufgabe 1 aus der telc-Publikation „Schreiben für Pflegekräfte – Prüfungsvorbereitung“ verwendet.

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Herr Weber, geboren am 01.03.1944, wurde heute Nachmittag in unserem Pflegeheim Akazienhof aufgenommen. Die Aufnahme erfolgte durch Pflegefachmann Markus, der das Aufnahmegespräch durchführte.

Herr Weber ist zeitlich und örtlich nur sehr eingeschränkt orientiert, was zur Folge hat, dass er in der Regel nicht weiß, welcher Tag aktuell ist und an welchem Ort er sich derzeit befindet. Andererseits ist er situativ und zur Person meist orientiert, das heißt, dass er das Pflegepersonal nach einer gewissen Gewöhnungszeit erkennt und sich seiner neuen Situation im Heim bewusst ist. Aus diesem Grund haben wir die Erstinformationen von seinem Sohn Jakob Weber erhalten, der auch unser zukünftiger Ansprechpartner sein wird. Da Herr Weber schwerhörig ist, benötigt er für beide Ohren ein Hörgerät. Eine Brille ist allerdings nicht erforderlich, da bei ihm keine Fehlsichtigkeit vorliegt. Von seinem Sohn wurde uns mitgeteilt, dass er seine Wünsche äußern kann. In dieser Hinsicht sind somit keine größeren kommunikativen Probleme zu erwarten.

Herr Weber ist noch sehr mobil und selbstständig, so hat er zum Beispiel keinerlei Probleme beim Gehen, Stehen, Sitzen, Laufen, sich Hinsetzen oder beim Verändern der Lage im Bett. Entsprechend benötigt er keinerlei Hilfsmittel. Allerdings geht er weder spazieren noch hat er Freude an anderen körperlichen Aktivitäten. Abschließend ist noch zu beachten, dass Herr Weber an Kontrakturen der Hände leidet (gefaustet), wodurch er entsprechende Unterstützung benötigt. Ein erster Termin mit der Physiotherapeutin ist bereits für Montag terminiert.

Pflegefachmann Markus
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In einem unserer folgenden Blogartikel werden wir uns dann dem Biographiebericht widmen.

 

Blogautoren: Jana Kirchberger und Markus Ammon

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