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November 2020

Schreibtraining für Pflegekräfte

Der Biographiebericht

Nachdem wir uns in unserem ersten Novemberartikel mit der Schreibaufgabe Aufnahmebericht in der telc Prüfung B1-B2 Pflege beschäftigt haben, werfen wir heute einen genaueren Blick auf den Biographiebericht, der alternativ dazu bearbeitet werden kann. Auch hier wird ein Formblatt mit Informationen zum Patienten/zur Patientin bereitgestellt, auf dessen Grundlage der Text geschrieben werden soll - der Biographiefragebogen. Als Schreibleistung soll nun ein Text von 120 – 170 Wörtern formuliert werden, indem die vorgegebenen stichwortartigen Informationen in einen Fließtext übertragen und um weitere, zum Thema passende, Details ergänzt werden. Strukturell stehen vor allem satzverbindende Elemente und grammatikalische Korrektheit im Fokus der Bewertung. Besonders wichtig ist auch hier, zu allen Angaben aus dem Fragebogen etwas zu schreiben; werden Stichpunkte ausgelassen, kommt es zu Punktabzug.

Schaut man sich Modelltests zum Biographiebericht an, stellt man fest, dass der Fragebogen oft unterschiedlich aussieht. Ebenso wie beim Anamnesefragebogen, der Grundlage für den Aufnahmebericht ist, werden hier ausgewählte Punkte aus einem festgelegten Punktekanon angeboten. Man weiß also vorher nicht, welche Informationen genau gegeben werden.

Hier ein Überblick über den „Punktekatalog“, der sich in drei Bereiche unterteilen lässt – persönliche Daten, die Vergangenheit und die Gegenwart:

  • Persönliche Daten: Name, Geburtsdatu
  • Familienstand: verheiratet oder in Partnerschaft lebend bzw. „hat überwiegend allein gelebt“ sowie Geschwister und Kinder, jeweils mit Namensangabe.
  • Erstinformation von…: Patient*in/Bewohner*in selbst, Angehörigen oder Freunden
  • Herkunft: Migrationshintergrund, auf dem Land – in der Stadt aufgewachsen
  • Kindheitserinnerungen: Was wurde gern gespielt, gelesen, angeschaut? Was passierte in den Ferien?
  • Erinnerungen an die Jugendzeit (15-20 J.): familiäre und historische Ereignisse, erste Liebe, Alltag und Freizeit etc.
  • Ausbildung und Beruf: Schule, beruflicher Werdegang, besondere Kenntnisse, Worauf war/ist er/sie besonders stolz?
  • Stationen des Lebens: Wohnorte, Ereignisse, Herausforderungen
  • Lebensbewältigung: Was steht im Vordergrund? In welcher Lebensphase steht sie/er jetzt gedanklich? Jetzige Möglichkeiten, Wünsche, Bedürfnisse?
  • Was hat er/sie als Erwachsene*r gern gemacht, Hobbys?
  • Bezugsperson: Wer steht ihr/ihm jetzt nahe?
  • Orientierungspunkte: Haustier, Interessen, Lieblings-Fernsehsendungen?
  • Wie gestaltet sich Alltag und Sonntag bisher?
  • Außerfamiliäre Kontakte: Nachbarn, Vereine
  • Wovon wird gern erzählt?
  • Worüber wird ungern gesprochen? Ängste, unerfüllte Träume, besondere Erlebnisse
  • Reagiert er/sie auf Schlüsselworte/Themen?


Als Vorarbeit zur Erstellung eines Biographieberichts kann es hilfreich sein, die vorgegebenen Informationen in einen Zeitstrahl einzutragen, um sich ein besseres Bild über die zeitliche Abfolge der Situationen machen zu können. Auch für die Auswahl der passenden Tempusformen, um die jeweiligen Geschehnisse in eine sinnvolle chronologische Abfolge zu bringen, ist diese Technik effektiv. Welche Informationen bekomme ich zu Status Quo? Was ist vorher, früher passiert? Welchen Ausblick gibt es für Zukünftiges?

Chunks, Redemittel und Wortschatz wie:

Frau/Herr…..befindet sich seit….in unserer Einrichtung/ Frau/Herr…..wurde am…..bei uns aufgenommen

Die Erstinformationen kamen von…, Herr/Frau…war selbst in der Lage, mir die wichtigsten Details zu schildern

Frau/Herr…..ist in----aufgewachsen, stammt aus…, hat…….Wurzeln, hat seine/ihre Kindheit in….verbracht, ist von ….nach…umgezogen

Frau/Herr…..war früher als…tätig. Frau/Herr…..war bis zur Rente im Jahr ….berufstätig.

…..hat früher gerne…., erinnert sich gerne, bevorzugt, lehnt ab, wünscht sich…

sind zentrale Formulierungshilfen für den Biographiebericht und sollten abrufbar sein, damit während der Prüfung der Fokus auf die jeweiligen Inhalte gerichtet werden kann.

Hier nun eine Beispiellösung für einen Biographiebericht mit B2-Bewertung:
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Unsere neue Bewohnerin heißt Eva Schlüter, am 24.04. in Bernau geboren. Ihr Mann Werner ist vor drei Jahren gestorben und sie hatten keine Kinder. Vor ihrer Ehe hat Frau Schlüter als Zahnarzthelferin gearbeitet und sie denkt immer noch gern an diese Berufstätigkeit zurück.

Die Erstinformationen kamen von Frau Schlüters Schwester Karin, die auch unsere Ansprechpartnerin sein wird, da Frau Schlüter selbst bei ihrer Ankunft noch sehr durch ihren Klinikaufenthalt (Hüft-OP) beeinträchtigt war.

Frau Schlüter hat früher gerne viel mit ihrem Mann unternommen, Ausflüge ins Grüne und Städtetrips sind ihr besonders liebe Erinnerungen. Seit dem Tod ihres Mannes fehlen ihr aber Lust und Energie für solche Unternehmungen. Dafür liebt sie es heute sehr, sich Fotos von diesen zurückliegenden Aktivitäten anzuschauen – die Schwester hat einige ausgewählte Fotoalben mitgebracht.

Außer dem recht nahen Kontakt zu einer ehemaligen Nachbarin, die regelmäßig zum Kaffee kam, besteht nur eine enge Bindung zur Schwester. Ein sporadischer Briefkontakt zu einer Schulfreundin, die in Kanada lebt, ist Frau Schlüter sehr wichtig.

Sie spricht gerne über ihre Ehe, wird dann allerdings oft traurig. Manchmal macht sie ihrem verstorbenen Mann Vorwürfe, dass er sie allein gelassen habe.

Ihrer Schwester nach ist Frau Schlüter eine sehr wache Person, die sich auch ihrer neuen Situation bewusst ist. Die Schwester will gern dabei unterstützen, sie wieder zu kleineren Ausflügen zu motivieren.

Pflegefachfrau Jana
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Blogautoren: Jana Kirchberger und Markus Ammon

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