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Dezember 2019

Schlaganfall – was nun?

Beratungsgespräch zu Rehabilitationsmaßnahmen.

Als Angela Baier über den Schlaganfall ihrer Mutter informiert wurde, unterlag sie einem Schock. Ihre Mutter war erst 68 Jahre alt, seit kurzem Rentnerin und in einem sehr guten gesundheitlichen Zustand. Tägliche Spaziergänge, regelmäßiger Sport und das Toben mit den jungen Enkelkindern hatten sie bisher fit und auf Trab gehalten.

Ihre Mutter hatte den Schlaganfall überlebt, aber lag nun seit einer Woche auf der neurologischen Akutstation einer städtischen Klinik. Ein erstes Diagnosegespräch mit dem leitenden Arzt hatte ergeben, dass ihre Mutter einen ischämischen Schlaganfall erlitten hatte, dadurch Lähmungserscheinungen habe und unter Sensibilitätsstörungen, Sprach- und Sprechstörungen, Sehstörungen und Schluckbeschwerden (Dysphagien) leide. Außerdem ginge es ihrer Mutter seelisch sehr schlecht und sie habe Suizidwünsche geäußert. Als Auslöser für den Schlaganfall waren ihr eine unbehandelte Hypertonie sowie Durchblutungsstörungen genannt worden.

Zur Besprechung der weiteren Behandlung und Rehabilitationsmaßnahmen wurde Angela Baier heute in die Klinik gebeten. Die zuständige Ärztin, Dr. Cheng, hat sich gut auf das Gespräch vorbereitet.

Dr. Cheng: Guten Tag Frau Baier, danke, dass Sie sich Zeit nehmen konnten.

Fr. Baier: Ist ja klar. Es geht hier schließlich um meine Mutter. Ich war gerade bei ihr und ich finde, dass sie heute etwas besser aussieht.

Dr. Cheng: Ja, das stimmt. Ihrer Mutter geht es tatsächlich besser. Sie hat gut auf die intensivmedizinische neurologische Behandlung angesprochen.

Fr. Baier: Was haben Sie denn bisher für meine Mutter getan?

Dr. Cheng: Frau Baier, bei ihrer Mutter hat ein Blutgerinnsel den Schlaganfall ausgelöst und wir konnten glücklicherweise innerhalb kürzester Zeit nach dem Anfall eine Behandlung durchführen, da aufmerksame Spaziergänger sofort den Notarzt verständigt hatten, als sie ihre Mutter im Park entdeckt hatten. Wir konnten also sofort mit der „Lyse-Therapie“ beginnen. Ihrer Mutter wurden Medikamente verabreicht, die das Blutgerinnsel aufgelöst haben. Und ihr Zustand hat sich soweit stabilisiert, sodass wir jetzt einen Behandlungsplan für die Rehabilitation aufstellen können.

Fr. Baier: Reha? Ist das nicht zu früh?

Dr. Cheng: Nein. Wir sollten früh genug anfangen, um Ihrer Mutter eine Rückkehr in ihr bisheriges soziales Umfeld zu ermöglichen.

Fr. Baier: Wie soll denn das gehen? Meine Mutter wird doch nie wieder allein wohnen können!

Dr. Cheng: Das würde ich nicht sagen. Durch geeignete Trainingsverfahren und medikamentöse Unterstützung sollten wir eine anteilige Rückbildung der körperlichen Funktionseinschränkungen erzielen können. Das bedeutet, dass wir die Lähmung und auch die Sensibilitätsstörungen, aber vor allem auch seelische Beeinträchtigungen durch die Rehabilitationsmaßnahmen verbessern können.

Fr. Baier: Sie meinen also, dass meine Mutter wieder ganz gesund wird?

Dr. Cheng: Nein, da habe ich mich wohl falsch ausgedrückt. Die Folgen des Apoplex, ich meine Schlaganfalls, werden wir nicht komplett heilen können, aber eine Verbesserung der Mobilität und Linderung der Symptome sowie Alltagskompetenz, Fähigkeit, sich alleine zu waschen, anzuziehen, sich Mahlzeiten zuzubereiten etc. sollte wieder erlangt werden. Und wir können mit der richtigen medikamentösen Therapie dafür sorgen, dass es nicht noch einmal zu einem Apoplex kommt.

Fr. Baier: Da bin ich skeptisch.

Dr. Cheng: Frau Baier, ihre Mutter hat in den vergangenen Tagen gut auf unsere Behandlung angesprochen und keine Suizidgedanken mehr geäußert. Ihre Sprechfähigkeit hat sich deutlich verbessert, sodass sie uns gestern bei der Visite erzählt hat, dass sie 2 Enkelkinder hat.

Fr. Baier: Aber ist sie denn schon bereit für eine Reha? Ab wann soll das sein?

Dr. Cheng: Frührehabilitation sollte möglichst gleich im Anschluss an die Akutbehandlung erfolgen. Hier ist unser Ziel die Kontaktaufnahme mit der Umwelt sowie die Förderung grundlegend sensorischer und motorischer Funktionen.

Fr. Baier: Aber sie kommuniziert doch schon mit uns.

Dr. Cheng: Genau. Und gerade das wollen wir weiter fördern. Sobald ihre Mutter sitzen kann und keiner intensivmedizinischen Überwachung mehr bedarf, kann ihre Mutter mit einer Reha-Maßnahme in einer externen, auf neurologische Anschlussmaßnahmen spezialisierte Klinik weiterbehandelt werden. Ziel ist hier insbesondere die Selbständigkeit bei den grundlegenden Aktivitäten des täglichen Lebens (z.B. Körperpflege, Anziehen, Nahrungsaufnahme).

Fr. Baier: Und wo soll das stattfinden?

Dr. Cheng: Wir arbeiten eng mit der X-Klinik zusammen und dorthin würde ich Ihre Mutter gerne überweisen, sobald die Frührehabilitationsmaßnahmen bei uns abgeschlossen sind.

Fr. Baier: Was passiert denn mit ihr dort?

Dr. Cheng: In der Anschlussrehabilitation lernt ihre Mutter beispielsweise den Umgang und die Benutzung von Hilfsmitteln, aber auch wie sie anhand von Strategien besser mit den körperlichen Einschränkungen zurechtkommen kann.

Fr. Baier: Sie wird also im Rollstuhl sitzen?

Dr. Cheng: Davon würde ich jetzt nicht ausgehen. Wenn Ihre Mutter weiterhin so gute Fortschritte macht, wird sie wahrscheinlich mit einer Gehhilfe wieder selbstständig laufen können. Ihre Mutter war ja vor ihrem Schlaganfall in einem sehr guten Gesundheitszustand und das wirkt sich natürlich auch positiv auf den Genesungsprozess aus. Jetzt wird sie erst einmal von sachkompetenten Therapeuten z. B. Physiotherapeuten, Ergotherapeuten und Logopäden betreut und dann sehen wir weiter.

Fr. Baier: Na gut. Wenn Sie meinen.

Dr. Cheng: Machen Sie sich jetzt erst einmal nicht zu große Sorgen, Frau Baier. Versuchen Sie positiv zu denken. Ihre Mutter hat den Schlaganfall überlebt, wir konnten frühzeitig behandeln und jetzt ist sie auf dem Weg der Besserung. Was Ihre Mutter jetzt braucht ist Motivation. Und dafür können auch Sie sorgen, indem Sie Ihrer Mutter Mut machen.

Fr. Baier: Gut. Na, dann danke ich erst mal für das Gespräch.

Unsere Blogautoren: Jana Kirchberger und Markus Ammon


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