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Januar 2019

Pflegeanamnese in der Steinklinik

Ein Gespräch zwischen zwei Kolleginnen über die einzelnen Schritte der Pflegeanamnese

Auf der geriatrischen Station der Steinklinik arbeitet sich die Pflegeschülerin Anika in die Erhebung einer Pflegeanamnese ein, um später eine Pflegeplanung erstellen zu können. Ihre erfahrene Kollegin Susanne geht mir ihr die einzelnen Schritte der Anamnese durch.

Anika: Vielen Dank, Susanne, dass du mir hilfst. Alleine würde ich da nie durchsteigen. Wie viel das ist!

Susanne: Kein Problem. Das mach ich sehr gerne. Hast du denn konkrete Fragen zu unserem Pflegeanamnesebogen? Ist der so ähnlich wie bei euch in der Schule?

Anika: Ja, schon, aber viel ausführlicher. Persönliche Daten sind klar, aber beim Punkt: „Religion ist relevant“ weiß ich nicht so genau, wie ich da fragen soll.

Susanne: Hier geht es darum, festzustellen, ob die Patient*innen zum Beispiel bestimmte Nahrungsmittel nicht essen dürfen oder zu bestimmten Uhrzeiten beten wollen usw.

Anika: Ach so. Muslime essen ja kein Schwein.

Susanne: Genau. Gibt es auf dem ersten Blatt noch was?

Anika: Ja. Muss ich die Spalten mit Einweisungsdiagnose und Vorerkrankungen ausfüllen?

Susanne: Das übernimmst du einfach vom Patientenblatt, das schon in der Akte liegt. Wichtig für uns sind die ADL, denn darum kümmern sich die Ärzte bei Ihrer Anamnese nicht wirklich.

Anika: OK. Ich habe vorhin schon bei Frau Spießike angefangen.

Susanne: Was steht denn da alles auf Seite 2 zum Thema Kommunikation?

Anika: Tragen Sie eine Brille? Nur eine Lesebrille? Tragen Sie Kontaktlinsen? Sind Sie schwerhörig? Benutzen Sie ein Hörgerät?

Susanne:  Ja gut und ob sie Sprechstörungen hat, das musst du selbst beurteilen und vermerken. Zum Beispiel wegen eines schlechtsitzenden Gebisses. Wichtig hier ist vor allem die Sprachverständigung.

Anika: Verstehe. Dann hab ich das richtig gemacht. Jetzt geht es mit dem Punkt "sich bewegen" weiter.

Susanne: Gut, dann komm ich mal mit und hör zu, wie du das machst.

...

Anika: So, Frau Spießike, jetzt bin ich wieder da. Wollen wir weitermachen?

Frau Spießike: Da sind Sie ja wieder. Ich dachte schon, Sie überlassen mich hier meinem Schicksal.

Susanne: Alles gut, Frau Frau Spießike. Schwester Anika braucht noch ein paar Informationen. Liegen Sie bequem?

Frau Spießike: Ja. Danke.

Anika: Können Sie selbstständig aufstehen?

Frau Spießike: Sicher. Ich bin doch noch ganz gut zu Fuß. Nur das Treppensteigen fällt mir schwer.

Anika: Das ist sehr gut. Wie sieht es mit Bücken aus? Können Sie sich im Stehen die Socken anziehen?

Frau Spießike: Nicht so recht. Da bin ich schon ein bisschen wackelig.

Anika: Ich sehe ja, Sie haben Ihren Gehstock mitgebracht. Benutzen Sie andere Hilfsmittel, wie z. B. einen Rollator?

Frau Spießike: Ja. Zu Hause habe ich noch ein Paar Krücken.

Anika: Ok. Dann kreuze ich mal Unterarmgehstütze an.

Susanne: Tragen Sie denn auch Thrombosestümpfe?

Frau Spießike: Ja. Die hat mir der Hausarzt verschrieben. Aber tragen tue ich sie nicht immer. Die sind mir viel zu eng.

Susanne: Dann suche ich Ihnen welche raus, die besser passen. Denn tragen sollten Sie sie schon regelmäßig.

Anika: Haben Sie schon mal wunde Stellen vom Liegen gehabt?

Frau Spießike: Nein. Ich liege ja normalerweise gar nicht so viel.

Anika: Gut. Dann hab ich noch ein paar Fragen zu den Vitalfunktionen: Temperatur haben wir ja grad eben schon gemessen, die war normal. Haben Sie Atembeschwerden?


Frau Spießike: Eigentlich nur beim Treppensteigen. Da geht mir schon mal die Puste aus.

Anika: Also unter Belastung. Im Schlaf nicht?

Frau Spießike: Mein Mann behauptet ja, dass ich schnarche. Aber der spinnt. Das hab ich noch nie gemacht.

Anika: Und ist Ihnen manchmal schwindelig?

Frau Spießike: Gestern bin ich ja umgekippt, deswegen hat man mich ja hierhergebracht. In Ohnmacht bin ich letzte Woche auch schon gefallen. Aber das ist neu.

Anika: Da waren Sie wahrscheinlich unterzuckert. Trinken Sie denn ausreichend?

Frau Spießike: Das fällt mir schwer. Ich hab so gar keinen Durst mehr.

Anika: Dann nehmen Sie hier gleich einen Schluck von Ihrem Tee. Trinken Sie jede Stunde einen Becher Tee oder Wasser, so wie wir es schon besprochen haben. Ich muss das ja auch protokollieren.

Frau Spießike: Ja, da will ich Ihnen dann mal keinen Ärger machen.

Susanne: Du kommst ja prima alleine zurecht, Anika. Ich geh dann mal nach nebenan zu Herrn Günther. Wenn du Fragen hast, sprich mich nachher nochmal an.

Anika: Vielen Dank!

Blogautoren: Jana Kirchberger und Markus Ammon

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