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Juli 2019

Pankreaskarzinom – eine Patientenvorstellung

Vor ihrem Sommerurlaub übergibt die Internistin Dr. Bruni die sich bei ihr in Behandlung befindenden Patienten...

Bei einem der Fälle handelt es sich um das Pankreaskarzinom von Herrn Fröbel, von dem hier schon an früherer Stelle die Rede war.

Dr. Bruni: Jetzt möchte ich euch noch über Herrn Fröbel berichten. Er ist 55 Jahre alt und Maschinenschlosser von Beruf. Herr Fröbel wurde am 30. April vom Hausarzt Dr. Weiß an uns überwiesen. Er klagte über Schmerzen im oberen Abdomen sowie Nausea. Sein AZ war auch durch den erheblichen Gewichtsverlust von 20 Kilo binnen drei Monaten deutlich reduziert. Ferner klagte er über Inappetenz. Erwähnenswerte Vorerkrankungen liegen nicht vor. Auch in der Familie traten keine nennenswerten Erkrankungen auf. Bis zur Einweisung unterlag der Patient keiner Medikation, Allergien sind nicht bekannt. Herr Fröbel ist seit seinem 16. Lebensjahr Raucher bei 40 pack/years. Außerdem liegt Alkoholabusus von täglich 4 Einheiten vor. Herr Fröbel ist verheiratet und hat keine Kinder.

Kollege: Ach ich glaub, ich weiß von wem du sprichst. Vor ein paar Wochen stand da immer so ein Langer, Dünner beim Rauchen vor der Tür.

Dr. Bruni: Ja. In der Erstuntersuchung ergab sich bereits ein Anfangsverdacht auf eine Pankreaserkrankung aufgrund des gleichzeitigen Auftretens eines Ikterus und einer palpablen Vergrößerung der Gallenblase, also Courvoisier-Zeichen. Der Patient wurde am gleichen Tag stationär aufgenommen. Durchgeführt wurde eine Sonografie des Abdomens, die eine tumorverdächtige Raumforderung im Bereich des Pankreaskopfes zeigte, während das darauffolgende CT die Ursache des Ikterus durch einen hierdurch verursachten Verschluss des Gallengangs belegte. ERCP mit Biopsie und Labor erhärteten den Verdacht auf Pankreaskarzinom im fortgeschrittenen Stadium.

Kollege: Hm, schlechte Prognose, oder? Infaust?

Dr. Bruni: Warte doch mal, so weit bin ich noch nicht. Zur weiteren Abklärung haben wir dann eine Laparoskopie mit anschließender Skelettszintigraphie durchgeführt, wobei sich keine Metastasierung in Nachbarorgane, Bauchfell oder Knochen ergeben hat.

Kollege: Ach ja? Kann operiert werden?

Dr. Bruni: Vom ursprünglich angedachten Stent für den Ductus choledochus konnten wir absehen. Diagnostisch ist jetzt Stand der Dinge ein nicht fernmetastasiertes Pankreaskarzinom ohne größere Gefäßwandarrosion, wobei wir den Tumor als Grenzfall kategorisieren, also resektabler Borderline-Tumor.

Kollege: Habt ihr eine Chemo angeschlossen, um ihn kleinzukriegen?

Dr. Bruni: Ja, Herr Fröbel durchläuft gerade den letzten Zyklus.

Kollege: Und hast du schon Ergebnisse oder sogar einen OP-Termin anberaumt?

Dr. Bruni: Nein, für die nächste Woche haben wir eine Sonographie geplant, aber da bin ich ja schon in Urlaub. Das heißt, du müsstest bitte diesen Termin übernehmen und, abhängig vom Ergebnis, die weitere Planung machen.

Kollege: Ok, mach ich gerne.

Dr. Bruni: Prima. Natürlich war Herr Fröbel nach unserem ersten Gespräch mit mir depressiv und klagte im Folgegespräch über Panikattacken und Insomnie. Daraufhin haben wir Anafranil verordnet, das nach zwei Wochen ganz gut angeschlagen hat. Die Schlafstörungen haben wir darüber auch in den Griff gekriegt.

Kollege: Na, die Diagnose lässt ja auch eine etwas bessere Lebenserwartung zu als der Standardtumor Pankreas. Wie offen sprichst du mit ihm?

Dr. Bruni: Er will schon genau Bescheid wissen. Du solltest bloß zusehen, dass du zumindest das erste Gespräch mit ihm allein führst. Seine Frau neigt zu hysterischen Reaktionen und das ist nicht wirklich hilfreich.

Kollege: Versteht sich, danke für den Hinweis. Soll ich dann eine Pankreatoduodenektomie ansetzen, wenn der Tumor ausreichend geschrumpft ist?

Dr. Bruni: Ja, ich bin zwar erst Ende August wieder da, aber klar, Whipple-Operation sobald möglich.
Und dann eine adjuvante Chemo.

Kollege: Alles klar, erhol dich gut!

Unsere Blogautoren: Jana Kirchberger und Markus Ammon


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