arrow-down arrow-to-left arrow-to-right arrow-up bc-left check delete download facebook google-plus home map menu print search smiling three-lines top-left twitter youtube
Juni 2019

Pankreaskarzinom – Aufklärung Folgegespräch

Frau Dr. Bruni bespricht die Ergebnisse der Folgeuntersuchungen mit dem Patienten Herrn Fröbel.

Dr. Bruni: Guten Tag, Herr Fröbel, wie geht es Ihnen heute?

Herr Fröbel: Naja, wie soll's mir schon gehen? Ich bin total depressiv und hab Angstattacken zwischendurch.

Dr. Bruni: Das verstehe ich natürlich gut, Herr Fröbel, die Diagnose hat Sie sicher sehr schockiert und mitgenommen. Und die ganzen Untersuchungen gehen ja auch nicht spurlos an einem vorbei.

Herr Fröbel: Ohne die Schlaftabletten könnte ich kein Auge zumachen.

Dr. Bruni: Sicher. Herr Fröbel, wir sind ja jetzt zusammengekommen, um die Ergebnisse der Folgeuntersuchungen zu besprechen.

Herr Fröbel: Ja, ich bin bereit, was können Sie mir sagen?

Dr. Bruni: Erstmal kann ich Sie vielleicht schon etwas beruhigen, Herr Fröbel, denn die Laparoskopie, also die Spiegelung der Bauchhöhle, hat ergeben, dass der Tumor nicht in Nachbarorgane oder das Bauchfell gestreut hat.

Herr Fröbel: Oh, das ist ganz gut, oder?

Dr. Bruni: Ja, und auch die Skelettszintigraphie hat gezeigt, dass keine Metastasierung in den Knochen vorliegt.

Herr Fröbel: Das ist schön, aber jetzt bin ich total verstrahlt, oder?

Dr. Bruni: Herr Fröbel, da haben Sie aber etwas missverstanden beim vorbereitenden Gespräch. Die radioaktiven Substanzen, die wir vorab gespritzt haben, um metastasenverdächtige Bereiche zu identifizieren, haben eine extrem kurze Halbwertszeit, das heißt, sie zerfallen sehr schnell. Das ist das Letzte, worum Sie sich jetzt Sorgen machen sollten.

Herr Fröbel: Na gut, das muss ich Ihnen einfach glauben.

Dr. Bruni: Und auch der Stent für den Gallengang, über den wir im Vorfeld gesprochen hatten, wird nicht nötig sein.

Herr Fröbel: Ach so?

Dr. Bruni: Ja. Was wir gefunden haben, ist Folgendes: Sie haben ein nicht fernmetastasiertes Pankreaskarzinom ohne größere Gefäßwandarrosion. Ihr Tumor ist allerdings ein Grenzfall, ein sogenannter resektabler Borderline-Tumor. Das bedeutet, er hat noch nicht gestreut und kann deswegen im Prinzip operativ entfernt werden, muss aber vor der Operation chemotherapeutisch behandelt werden, um ihn zu verkleinern und eine weitere Ausdehnung zu verhindern.

Herr Fröbel: Uhh, ist das jetzt gut oder schlecht?

Dr. Bruni: Den Umständen entsprechend vergleichsweise positiv, Herr Fröbel. Ich will ganz offen mit Ihnen sprechen, damit Sie sich ein realistisches Bild machen können. Ihr Tumor ist zwar fortgeschritten, aber wir haben den Zeitpunkt für eine kurative Operation noch nicht verpasst, sodass eine Pankreatoduodenektomie als weiterer Schritt sinnvoll ist.

Herr Fröbel: Heißt das, der Tumor kann vollständig entfernt werden und ich bin wieder gesund?

Dr. Bruni: Jetzt steht erstmal die Chemotherapie an. Im Anschluss führen wir dann eine partielle Entfernung der Bauchspeicheldrüse, die sogenannte Whipple-Operation, durch.

Herr Fröbel: Und wann passiert das?

Dr. Bruni: Wir müssen schauen, wie die Chemo bei Ihnen anschlägt. Sobald wir den Tumor auf einer operierbaren Größe haben, können wir loslegen.

Herr Fröbel: Aber jetzt mal ganz ehrlich, Frau Doktor, wie viel Zeit bleibt mir noch?

Dr. Bruni: Lassen Sie mich bitte erstmal den Therapieweg zu Ende beschreiben. Nach einer erfolgreichen Entfernung des Tumors erfolgt dann noch eine adjuvante Chemotherapie, um einer Wiederkehr des Krebses vorzubeugen. Erst dann kann man Näheres sagen.
Aber Sie wollen Offenheit: In der Patientengruppe, der Sie angehören, also operabler Pankreastumor ohne Metastasierung, kommt es nicht selten nach OP und Chemo zu einem Rezidiv, d.h. einer Wiederkehr des Tumors. Aber das muss nicht passieren, Sie haben eine reelle Chance auf Heilung.

Herr Fröbel: Das gibt mir jetzt etwas Hoffnung, danke Frau Doktor. Ich hatte gelesen, dass mir nur noch drei, vier Monate bleiben.

Dr. Bruni: Das gilt für Patienten, bei denen die Krankheit später entdeckt wird, als bei Ihnen. Sie sollten versuchen, jetzt positiv zu denken und alle Energie auf Ihre Gesundung zu fokussieren. Ich möchte sobald wie möglich mit der Chemotherapie beginnen. Mein Kollege, Dr. Wertheim, wird mit Ihnen darüber sprechen.

Herr Fröbel: Gut, vielen Dank.

Unsere Blogautoren: Jana Kirchberger und Markus Ammon


Weiterempfehlen: