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März 2019

In der Kinderarztpraxis – Vorsorgeuntersuchung U9

Nach einer Vorsorgeuntersuchung spricht Dr. Schönlein mit einer Patientin über das Thema Impfungen.

Kurz vor ihrem fünften Geburtstag stellt sich Marlen in Begleitung ihrer Mutter in der Kinderarztpraxis Dr. Schönlein vor. Die Familie Bourita ist erst vor kurzem von Marokko aus nach Deutschland gezogen und ist zum ersten Mal in der Praxis. Nachdem die üblichen Routine-Messungen wie z. B. Körpergröße, -gewicht und Kopfumfang durchgeführt worden sind, wurde eine Urinprobe sowie ein Hör- und Sehtest vorgenommen.

Zur Einschätzung der Entwicklung der grob- und feinmotorischen Fähigkeiten des Kindes wurden einige turnerische Übungen wie das Stehen auf einem Bein, das Rückwärtslaufen und das Laufen auf den Zehenspitzen oder Fersen, angeleitet. Auch die künstlerischen Fähigkeiten wurden ärztlich begutachtet. Dazu zeichnete Marlen Kreise, Dreiecke und Quadrate, malte verschiedene Formen aus und malte auch ein Bild von ihrer Familie.

Im Anschluss prüfte Dr. Schönlein Marlens Entwicklung in Bezug auf Sprache, Motorik und Sozialverhalten. In einem Gespräch wurden die sprachlichen Fähigkeiten beurteilt. Dabei wurde darauf geachtet, ob der Sprachfluss ungestört und logisch ist und ob das Kind Erlebnisse in zeitlich richtiger Reihenfolge beschreiben kann.

Die Untersuchungsergebnisse wurden alle in das so genannte Gelbe Heft eingetragen.

Dr. Schönlein: So, jetzt hätten wir es fast, wir brauchen bloß noch die Impfungen. Haben Sie Marlens Impfpass dabei?

Fr. Bourita: Meinen Sie Immunisierung?

Dr. Schönlein: Ja, genau, z. B. Tetanus. Wann ist denn Marlen zum letzten Mal geimpft worden?

Fr. Bourita: Bisher noch nicht, mein Mann und ich sind eigentlich gegen Impfungen.

Dr. Schönlein: Warum denn das?

Fr. Bourita: Das Immunsystem wird doch gestärkt, wenn die Kinder die Krankheiten selbst durchmachen, das ist doch immer schon der natürliche Weg gewesen. Ich selbst bin auch nicht geimpft, und Sie sehen ja, mir geht es ausgezeichnet!

Dr. Schönlein: Frau Bourita, das ist ein Argument, das ich oft zu hören bekomme, aber das ist ebenso falsch wie gefährlich. Der Körper wird durch Impfung angeregt, Antikörper zu bilden. Gleichzeitig baut er ein Immungedächtnis auf. Ich rate Ihnen dringend zu einer vollständigen Grundimmunisierung Ihrer Tochter, also Tetanus, Diphtherie, Keuchhusten, Kinderlähmung, Hepatitis B und Pneumokokken sowie MMR (Masern, Mumps, Röteln) und Windpocken Impfung.

Fr. Bourita: Was, das sind ja fast zehn Impfungen! Da muss das Kind ja krank werden. Und die vielen Einstiche!

Marlen: Ich mag nicht gestochen werden!

Dr. Schönlein: Der Pieks ist gar nicht schlimm, Marlen, wir machen das ganz oft. Frau Bourita, Kinderkrankheiten klingen immer harmlos, doch das sind sie nicht. Diphtherie etwa kann Atemnot auslösen und im schlimmsten Fall Ersticken. Keuchhusten kann zu Krampfanfällen führen, auf eine Maserninfektion kann eine Entzündung des Gehirns folgen, die ein hohes Risiko für Folgeschäden mit sich bringt und tödlich verlaufen kann. Impfungen richten sich gegen teilweise sehr schwere, ansteckende Erkrankungen, die mit lebenslangen Schäden einhergehen können.

Fr. Bourita: Aber ich habe gelesen, dass Kinder autistisch werden nach einer Impfung.

Dr. Schönlein: Dieses Gerücht ist einfach nicht totzukriegen. Glauben Sie mir bitte, das ist in zahllosen Untersuchungen widerlegt worden.

Fr. Bourita: Hm, ok, aber da muss ich erstmal mit meinem Mann sprechen, das möchte ich nicht allein entscheiden.

Dr. Schönlein: Bringen Sie Ihren Mann doch ruhig das nächste Mal mit in die Sprechstunde, dann können wir alles nochmal in Ruhe besprechen. Haben Sie denn überhaupt einen Kitaplatz bekommen ohne die Impfungen?

Fr. Bourita: Nein, Marlen ist immer bei mir zu Hause.

Dr. Schönlein: Bevor Marlen in die Schule kommt, sollten wir dann wirklich dringend alle Impfungen vorgenommen haben. Dort kommt sie dann mit so vielen Kindern in Kontakt, dass das Infektionsrisiko plötzlich viel höher ist.

Fr. Bourita: Gut, vielleicht haben Sie Recht, ich bespreche das mit meinem Mann und mache einen neuen Termin bei Ihnen.

Dr. Schönlein: Schön, und Sie sollten sich tatsächlich auch überlegen, ob Sie sich nicht auch gleich mitimpfen lassen. Sprechen Sie doch bitte mit Ihrem Hausarzt darüber.

Blogautoren: Jana Kirchberger und Markus Ammon

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