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Januar 2020

Hohes Cholesterin

Der Befund des Kontrolltermins steht fest. Wie geht es für Herrn Lange weiter?

Heiner Lange, ein 52-jähriger Berufsschullehrer, stellt sich eine Woche nach einem Kontrolltermin mit Blutuntersuchung erneut in der Hausarztpraxis Melchior vor, um seinen Befund zu besprechen.

Dr. Melchior: Guten Tag Herr Lange, wie geht es Ihnen heute?

Hr. Lange: Ganz gut, danke.

Dr. Melchior: Schön. Herr Lange, ich habe hier jetzt den Laborbefund von Ihrer Blutprobe letzter Woche vorliegen und möchte die Ergebnisse mit Ihnen besprechen.

Hr. Lange: Aha. Gibt's denn Grund zur Sorge?

Dr. Melchior: Im Prinzip sieht es nicht so schlecht aus, aber ein, zwei Auffälligkeiten müssen wir uns nochmal genauer ansehen. Da wäre erst einmal Ihr Blutzuckerwert. Der ist mit 140 mg/dl (Milligramm pro Deziliter) schon recht deutlich über dem Zielbereich – der liegt bei 55 bis 100.

Hr. Lange: Oha, Zucker also. Das hab ich wohl von meiner Mutter geerbt, die ist Diabetikerin.

Dr. Melchior: Moment mal, Herr Lange, eine rein genetische Ursache liegt hier nicht vor, dann hätten Sie sehr wahrscheinlich bereits in Ihrer Kindheit oder frühen Jugend einen Diabetes Typ I entwickelt. Wenn ich diesen Wert mit dem aus der Untersuchung von vor zwei Jahren vergleiche, dann sehe ich da eine 90, also im Normbereich.

Hr. Lange: Naja, da war ich noch 10 Kilo leichter. Da bin ich ja auch noch regelmäßig joggen gegangen.

Dr. Melchior: Da haben Sie ja ganz schön zugelegt. Übergewicht und Bewegungsmangel sind die hauptsächlichen Auslöser für einen erhöhten Blutzuckerwert. Aber das ist jetzt nicht gottgegeben, Sie bewegen sich hier auf einen Typ II-Diabetes zu, dem Sie allerdings durch verschiedene Maßnahmen vorbeugen können. Aber lassen Sie uns erst mal den zweiten auffälligen Wert besprechen.

Hr. Lange: Was denn noch?

Dr. Melchior: Ihr Cholesterinwert macht mir etwas Sorge.

Hr. Lange: Die Blutfette, ja? Damit war bisher eigentlich immer alles im grünen Bereich.

Dr. Melchior: Jetzt leider nicht mehr ganz. Vor allem das LDL ist mit 150 mg/dl im oberen grenzwertigen Bereich.

Hr. Lange: Was heißt denn das eigentlich?

Dr. Melchior: Cholesterin ist an und für sich ein für den Körper notwendiger Stoff, es handelt sich hier um unterschiedliche Fette. Während LDL das in der Leber produzierte Cholesterin zu den Geweben bringt, bringt HDL-Cholesterin überschüssiges Cholesterin zurück zur Leber, damit es über Galle und Darm zu Gallensäure umgewandelt und mit der Gallenflüssigkeit aus dem Körper ausgeschieden wird. Ein hoher HDL-Cholesterinwert ist daher vorteilhaft und ein niedriger LDL-Cholesterinwert erstrebenswert. Beim LDL sollten wir unter 130 liegen.

Hr. Lange: Verstehe.

Dr. Melchior: Herr Lange, wenn ich Sie richtig verstanden habe, haben Sie in den letzten zwei Jahren 10 Kilo zugenommen, wie viel wiegen Sie denn jetzt?

Hr. Lange: So an die 95, denke ich.

Dr. Melchior: Ok, und Größe war 1,75 m, oder?

Hr. Lange: Wenn ich nicht schon anfange zu schrumpfen, ja. (lacht)

Dr. Melchior: Tja, dann sollten Sie zusehen, dass Sie die 10 Kilo wieder abspecken, und wenn möglich noch fünf dazu. Warum haben Sie denn mit dem Joggen aufgehört?

Hr. Lange: Ich bin beruflich einfach zu eingespannt und nach der Arbeit oft zu müde, da leg ich mich dann lieber aufs Sofa.

Dr. Melchior: Und wie kommen Sie normalerweise zur Arbeit?

Hr. Lange: Mit dem Auto, das sind ja knapp 10 Kilometer eine Strecke.

Dr. Melchior: Naja, wenn Sie sich entschließen könnten, das mit dem Fahrrad zu machen, wäre schon viel gewonnen, und Sie könnten dann ohne großen zeitlichen Mehraufwand mit besserem Gewissen Ihr Sofa genießen. Körperliche Bewegung ist neben einer guten Ernährung ein zweiter sehr wichtiger Faktor zur Verbesserung der Blutfette. Optimal sind hierbei 30 Minuten von moderatem Ausdauersport täglich, das hätten Sie dann locker drin.

Hr. Lange: Bei dem Wetter?

Dr. Melchior: Es gibt sehr schicke Funktionskleidung, und glauben Sie mir, Sie starten ganz anders in den Arbeitstag. Lassen Sie uns noch ein paar andere Faktoren abklären. Rauchen Sie?

Hr. Lange: Nein, nicht mehr. Das habe ich vor einem Jahr aufgegeben.

Dr. Melchior: Sehr gut. Und wie sieht es mit Alkohol aus?

Hr. Lange: Nur am Wochenende und ab und zu ein Feierabendbierchen.

Dr. Melchior: Das sollten Sie sich aber nicht jeden Tag gönnen. Alkohol ist sehr kalorienhaltig und wirkt sich ungünstig auf den Cholesterinwert aus.

Hr. Lange: Na das klingt ja nicht wirklich lustig.

Dr. Melchior: Lassen Sie mich schnell mal Ihren Blutdruck messen, ok. Der ist normal bei 120 zu 80.  Vorerkrankungen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall liegen bei Ihnen ja nicht vor, richtig?

Hr. Lange: Nee, aber meinen Vater hat vor 5 Jahren der Schlag getroffen, ganz plötzlich.

Dr. Melchior: Das heißt, Ihr Vater ist verstorben?

Hr. Lange: Ja.

Dr. Melchior: Damit hätten wir eine gewisse familiäre Vorbelastung und einige Risikofaktoren wie Ihr Übergewicht, Bewegungsmangel und Alkoholkonsum. Dadurch ist das Risiko für Verkalkungen der Blutgefäße deutlich erhöht. Ich gebe Ihnen heute mal eine Broschüre zur Ernährungsumstellung mit. Da steht auch viel zum Thema cholesterinarme Ernährung drin. Viel Bewegung, abnehmen und weniger Alkohol – das wird die Werte senken. Wir sehen uns in 3 Monaten wieder. Machen Sie gleich einen Termin früh morgens zur Blutabnahme aus und einen weiteren eine Woche später zur Besprechung. Haben Sie noch Fragen Herr Lange?

Hr. Lange: Nö. Ich muss jetzt erst mal zusehen, was ich da so umsetzen kann. Aber danke, Dr. Melchior, für Ihre Zeit.


Unsere Blogautoren: Jana Kirchberger und Markus Ammon



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