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Januar 2020

Hohes Cholesterin

Eine Folgeuntersuchung für Herrn Lange

Drei Monate nach seiner Diagnose auf erhöhtes Cholesterin und Hypoglykämie wird der Patient, Heiner Lange, wieder in der Hausarztpraxis Melchior vorstellig.

Dr. Melchior: Guten Tag Herr Lange, wie geht es Ihnen heute?

Hr. Lange: Nicht wirklich gut. Ich fühl mich in letzter Zeit ziemlich abgeschlagen und ausgelaugt.

Dr. Melchior: Hm, verstehe. Wir haben ja vorgestern nochmal eine Blutprobe genommen, um nach den erhöhten Werten zu sehen. Leider muss ich Ihnen sagen, dass sowohl der Blutzucker als auch das Cholesterin nochmal angestiegen sind im Vergleich zum letzten Mal.


Hr. Lange: Ok, das hab ich fast schon befürchtet.

Dr. Melchior: Ihr aktueller Blutzuckerwert liegt jetzt bei gut 160, das ist wirklich schon deutlich zu viel. Hier würde ich Sie eigentlich gerne an einen Kollegen aus der Diabetologie überweisen. Und auch der sogenannte Langzeitzucker, kurz HbA1c, liegt mit 6,3 % schon im Prädiabetesbereich. Vor der Überweisung würde ich aber gern noch einen sogenannten Oralen Glukosetoleranztest durchführen, um Ihr Beschwerdebild noch besser eingrenzen zu können.


Hr. Lange: Bin ich denn jetzt Diabetiker?

Dr. Melchior: Das können wir so klar jetzt noch nicht sagen. Mit dem oGTT lässt sich herausfinden, ob Sie tatsächlich schon einen Diabetes aufweisen oder es sich erst um eine Vorstufe handelt.
Bitte ernähren Sie sich die nächsten Tage kohlenhydratreich, damit der Test nicht verfälscht wird. Haben Sie kommenden Freitag um 8 Uhr morgens Zeit?


Hr. Lange: Ja, da hab ich erst zur zweiten Stunde Unterricht.

Dr. Melchior: Das wird nicht genügen, nehmen Sie sich lieber den Vormittag frei, der Test nimmt doch etwas mehr Zeit in Anspruch.
Am Donnerstagabend dürfen Sie nach 20 Uhr nichts mehr essen, keinen Alkohol und gezuckerte Getränke zu sich nehmen und nicht rauchen.


Hr. Lange: Na, wenn es nur der eine Abend ist…

Dr. Melchior: Herr Lange, wenn Sie Ihren Zucker und die Blutfette, über die wir gleich noch sprechen werden, in den Griff bekommen wollen, kommen Sie auf Dauer nicht um eine grundlegende Umstellung Ihres Lebensstils herum, was hauptsächlich Ernährung, Alkoholkonsum und Bewegung betrifft.
Die Werte weisen jetzt nach drei Monaten in die ganz falsche Richtung und wenn Sie einfach so weitermachen, sind schwere bis schwerste Erkrankungen die Folge.


Hr. Lange: Danke für die offenen Worte, aber es fällt mir einfach so schwer, mich umzugewöhnen.

Dr. Melchior:  So, und jetzt noch zu Ihrem Cholesterinspiegel, der ist leider auch angestiegen, und zwar von 140 mg auf 170 mg/dl (Milligramm pro Deziliter). Auch das ist natürlich nicht gut. Haben Sie denn versucht, das, was wir beim letzten Mal besprochen hatten, in die Tat umzusetzen, also mehr Bewegung und gesündere Ernährung?

Hr. Lange: Wenn ich ganz ehrlich bin, nein. Das wäre mir einfach zu viel geworden, mit der Arbeitsbelastung und dazu noch die Trennung von meiner Frau. Ich geh wirklich gerade auf dem Zahnfleisch.

Dr. Melchior: Ah, das wusste ich gar nicht, tut mir leid!

Hr. Lange: Ja, das zieht mich alles wirklich runter, ich würde morgens am liebsten gar nicht aufstehen und auch über den Tag wird es immer schlimmer. Manchmal habe ich den Eindruck, ich kann nicht mehr. Ist das vielleicht eine Depression? Und jetzt auch noch die Gesundheit!

Dr. Melchior: Körper und Geist sind ja nicht unabhängig voneinander, Herr Lange. Haben Sie eigentlich schon mal über eine Kur nachgedacht? Sie sind doch verbeamteter Lehrer, da hätten Sie sicher gute Chancen, einen Anspruch geltend zu machen.
Sich mal komplett aus dem Alltagstrott herauszunehmen, könnte Ihnen sehr helfen, eine neue Richtung einzuschlagen, sowohl was konkret die Ernährung betrifft, als auch Ihre Bereitschaft zu körperlicher Bewegung.
Von einer manifesten Depression würde ich bei Ihnen noch nicht sprechen, aber möglicherweise stehen Sie kurz vor einem Burnout, das ist ja nicht ungewöhnlich für Lehrer in Ihrem Alter.
Kontaktieren Sie doch mal Ihre Rentenversicherung, die sind dafür zuständig, und bringen Sie das Antragsformular zu Ihrem nächsten Termin mit. Das können wir dann für Sie beantragen.


Hr. Lange: Daran hab ich noch gar nicht gedacht. Vielleicht wäre das ja wirklich eine Möglichkeit, aus dem gewohnten Trott herauszukommen. Und bisher hab ich so etwas noch nie in Anspruch genommen.

Dr. Melchior: Sehr gut. Aber einen Lipidsenker muss ich Ihnen erstmal schon verschreiben, die Werte müssen runter. Mit Ihrer familiären kardiovaskulären Vorbelastung und zusammen mit dem Zuckerwert sollten wir jetzt was tun, ich schreib Ihnen ein Statin auf.
Wenn Sie am Freitag zu uns kommen, ist auch unsere Ernährungsberaterin Frau Schleicher im Haus, ich würde Ihnen einen Termin um 11 Uhr bei ihr eintragen und sie bekommen dann ein eingehendes Beratungsgespräch.
Und schauen Sie, ob Sie den Antrag für die Kur schon gleich mitbringen können, dann erledigen wir alles zusammen.


Hr. Lange: Das mache ich. Danke, Herr Doktor, dass Sie sich so für mich einsetzen, bis Freitag dann.


Unsere Blogautoren: Jana Kirchberger und Markus Ammon



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