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September 2019

Gonarthrose – Prothese ja oder nein?

Die 60-jährige Ellen Kramer kam mit akuten Kniebeschwerden in der Orthopädie eines städtischen Krankenhauses.

Nach einem ausführlichen Aufnahmegespräch sowie einer anschließenden körperlichen Untersuchung informierte Dr. Wellershoff in einem darauffolgenden Aufklärungsgespräch die Patientin über ihre Gonarthrose und die weiteren therapeutischen Maßnahmen. Heute stellt sich Frau Kramer zur Nachbesprechung erneut vor.

Dr. Wellershoff: Guten Tag Frau Kramer. Wie geht es Ihnen denn heute?

Frau Kramer: Im Prinzip gar nicht so schlecht, Herr Dr., aber…

Dr. Wellershoff: Ja?

Frau Kramer: Mein Chef hat mich angerufen, weil Sie mich ja krankgeschrieben hatten und meinte, dass ich mich endlich operieren lassen soll, damit ich nicht dauernd wegen des Knies ausfalle.

Dr. Wellershoff: Das hat Sie jetzt ziemlich unter Druck gesetzt, oder?

Frau Kramer: Ja, natürlich. Ich bin doch angewiesen auf das Geld. In meinem Alter find ich nichts anderes mehr.

Dr. Wellershoff: Das kann ich gut verstehen, Frau Kramer, deshalb ist es gut, dass wir uns heute nochmal treffen und alles besprechen können.

Frau Kramer: Also, meine OP?

Dr. Wellershoff: So schnell schießen die Preußen nicht…(lacht). Lassen Sie mich erst einmal nach Ihrem Knie sehen. Haben Sie denn noch Schmerzen?

Frau Kramer: Das Medikament wirkt ganz gut, nur morgens ist es schwer, in die Gänge zu kommen.

Dr. Wellershoff: Ja, der typische Anlaufschmerz. Das ist ganz normal. Aber die Schwellung ist ganz zurück gegangen. Das sieht gut aus. Die Antibiotika haben Sie bis zum Ende genommen?

Frau Kramer: Ja sicher. Gestern die letzte Tablette. Und hochgelegt hatte ich das Bein auch, sogar während der Nacht hat mein Mann mir einen Kissenturm gebaut.

Dr. Wellershoff: Das ist ja fürsorglich. Dann sind wir aus der akuten Phase raus.

Frau Kramer: Ja, aber sobald ich wieder putzen gehe, fängt das Spiel von vorne an, oder?

Dr. Wellershoff: Nur, wenn Sie Ihren bisherigen Lebensstil beibehalten.

Frau Kramer: Sie meinen mein Übergewicht?

Dr. Wellershoff: Ja, aber nicht nur das, Frau Kramer. Bevor wir operieren, sollten wir erst einmal alle Möglichkeiten einer konservativen Therapie ausschöpfen. Sie müssen wissen, dass eine OP eine Einbahnstraße darstellt. D.h. einmal operiert und es gibt keinen Weg zurück. Zirka 20 % der in Ihrem Alter Operierten klagen auch nach der Operation weiter über Beschwerden mit dem künstlichen Kniegelenk. Außerdem liegt bei Ihnen ein stark erhöhtes Diabetesrisiko vor – Ihr letzter Wert lag bei 140. Das erhöht massiv das Risiko, dass die Prothese vorzeitig aufgrund einer Infektion erneuert werden muss. Vorzeitig bedeutet vor dem Ablauf von 15 Jahren. Sie müssen wissen, dass dann auch im besten Fall eine neue OP zum Austausch der Prothese durchgeführt werden muss.

Frau Kramer: Was denn, nur 15 Jahre hält so ein Ding?

Dr. Wellershoff: Genau, danach muss ausgetauscht werden. Und bei Übergewicht, vor allem in Verbindung mit Diabetes, sogar noch früher. Verstehen Sie jetzt, warum wir erst einmal die Voraussetzungen schaffen müssen, Ihren Gesundheitszustand mit Ihrem natürlichen Gelenk zu verbessern?

Frau Kramer: Heißt das, dass ich weiter Medikamente einnehmen muss?

Dr. Wellershoff: Mit den Antibiotika sind wir durch, Schmerzmittel nur bei Bedarf, und den versuchen wir stark zu reduzieren. Waren Sie denn schon beim Orthopäden wegen der Einlagen?

Frau Kramer: Das habe ich noch nicht geschafft.

Dr. Wellershoff: Dann wäre dies Nummer 1 auf Ihrer Liste. Bei einer Körpergröße von 170 cm wiegen Sie 110 Kilo. Das sind mindestens 40 zu viel. Wir haben hier im Krankenhaus eine sehr kompetente und nette Ernährungsberaterin, an die ich Sie gerne verweisen möchte. Mit ihr können Sie einen Ernährungsplan aufstellen und nach und nach Ihr Gewicht reduzieren. Das wird auch Ihren Zuckerwert dramatisch verbessern.

Frau Kramer: 40 Kilo. Wie soll ich das bloß schaffen?

Dr. Wellershoff: Das haben schon ganz andere hingekriegt, und Sie haben jetzt einen sehr plausiblen Grund, das ernsthaft anzugehen. Wenn Sie gleichzeitig mit einem Sportprogramm beginnen, begünstigt das nicht nur das Abnehmen, sondern stärkt auch die Muskeln und den Halteapparat Ihres Knies. Sie bekommen eine Überweisung für den Physiotherapeuten.

Frau Kramer: Massage?

Dr. Wellershoff: Das hätten Sie wohl gern (lacht). Nein, da bekommen Sie konkrete Anleitung, wie Sie Ihre Muskulatur aufbauen, den Knorpel im Kniegelenk entlasten und die Belastung durch Ihren Arbeitsalltag reduzieren können. Machen Sie denn Sport?

Frau Kramer: Nein. Meine Arbeit ist Sport genug.

Dr. Wellershoff: Diese Art von Belastung schadet eher. Probieren Sie doch mal Schwimmen, Wassergymnastik oder Radfahren – alles gelenkschonend und gut zum Abnehmen. In der Physio bekommen Sie gute Tipps dafür, auch wie Sie kniefreundlicher arbeiten können.

Frau Kramer: Na gut. Muss wohl.

Dr. Wellershoff: Ja, und präventiv halten Sie das Knie wenn möglich warm, z. B. mit einem Heizkissen oder heißen Bädern. Bei akuten Schmerzen machen Sie sich lieber einen kalten Wickel. Wir haben auch gute Erfolge mit Akupunktur gesehen, die meisten Krankenkassen zahlen das inzwischen. Wollen Sie das mal probieren?

Frau Kramer: Warum nicht. Wenn Sie mir von einer OP abraten.

Dr. Wellershoff: Das probieren wir mindestens ein halbes Jahr und schauen dann, wie es mit dem Knie steht. Sollte eine OP dann doch notwendig sein, haben wir zumindest schon mal die Voraussetzungen geschaffen, dass die Prothese lange hält.

 

Unsere Blogautoren: Jana Kirchberger und Markus Ammon


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