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August 2019

Gonarthrose – ein Aufklärungsgespräch

Zur Abklärung ihrer Kniebeschwerden hatte sich die 60-jährige Ellen Kramer in der Orthopädie eines Krankenhauses bei Dr. Wellershoff vorgestellt.

Nach einem ausführlichen Aufnahmegespräch sowie einer anschließenden körperlichen Untersuchung sind schon einige weitere diagnostische Maßnahmen durchgeführt worden. In dem darauffolgenden Aufklärungsgespräch informiert der Arzt die Patientin über ihren Zustand und die weiteren therapeutischen Maßnahmen.

Dr. Wellershoff: So, Frau Kramer, jetzt haben Sie einen langen Tag hier in der Klinik hinter sich.

Frau Kramer: Das kann man wohl sagen, von einer Untersuchung zur anderen wurde ich geschickt, das war ganz schön ermüdend.

Dr. Wellershoff: Wie geht es Ihnen jetzt?

Frau Kramer: Ich bin sehr erschöpft, aber die Schmerzen sind viel besser geworden.

Dr. Wellershoff: Gut, ich kann Ihnen jetzt schon eine Diagnose stellen und wir können bereits über Therapiemöglichkeiten sprechen. Sind Sie dafür bereit?

Frau Kramer: Ja, sicher. Ich möchte doch wissen, woher meine höllischen Knieschmerzen kommen.

Dr. Wellershoff: Für Ihre Schmerzen und Ihre Schwellung am Knie ist eine sogenannte Gonarthrose verantwortlich.

Frau Kramer: Was ist das denn?

Dr. Wellershoff: Wenn der Knorpel im Kniegelenk durch Verschleiß weniger wird, reiben Oberschenkelknochen, Schienbein und Kniescheibe direkt aufeinander. Dadurch entstehen Knorpelschäden, die die Reibung und den Gelenkverschleiß noch verstärken. Am Ende ist kein Gelenkknorpel mehr vorhanden und die Knochen reiben ungeschützt aufeinander.

Die Unebenheiten in Ihrem Kniegelenk führen dann zusätzlich zu Fehlhaltungen. Bei unserer Eingangsuntersuchung habe ich schon an Ihrem Gangbild gesehen, dass eine gewisse Fehlstellung vorliegt und Sie bereits gewohnheitsmäßig eine Schonhaltung einnehmen. Ihr damaliger Kreuzbandriss hat sich sicher beschleunigend auf den Abnutzungsprozess ausgewirkt.

Frau Kramer: Ja, soweit hatte mir das Frau Dr. Klincke auch schon erklärt. Werde ich denn jetzt operiert?

Dr. Wellershoff:  Langsam, Frau Kramer. Lassen Sie uns erst einmal Ihren aktuellen Zustand nach der Diagnostik besprechen. Wie schon gesagt, hat die körperliche Untersuchung gezeigt, dass eine Fehlstellung der kompletten linken Seite vorliegt. Eine Vermessung Ihrer Beine hat eine Längendifferenz von 0,8 Zentimetern ergeben, daher rührt die Fehlstellung der Beinachsen, was ein leichtes Hinken verursacht. Und es liegt eine Muskelatrophie im Oberschenkel- und Gesäßbereich vor, d.h. die Muskulatur hat sich zurückgebildet.

Frau Kramer: Ach, hab ich unterschiedlich lange Beine?

Dr. Wellershoff: Ja. Aber dem können wir mit einer orthopädischen Einlage entgegenwirken. Ich wollte noch auf Ihre Schwellung eingehen: Die Sonografie hatte ja einen Kniegelenkerguss ergeben. Daraufhin wurde Ihr Knie punktiert.

Frau Kramer: Das müssen wir hoffentlich nicht öfter machen, das war kaum auszuhalten.

Dr. Wellershoff: Nein, vorerst nicht. Die Untersuchung der Gelenkflüssigkeit hat eine bakterielle Infektion ergeben, die wir mit Antibiotika behandeln werden. Außerdem hat die Flüssigkeitsentnahme ja sicherlich für eine Druckentlastung im Knie gesorgt?

Frau Kramer: Ja. Das ist jetzt viel besser und auch nicht mehr so heiß.

Dr. Wellershoff: Sehr schön. In der Röntgenuntersuchung auf zwei Ebenen wurde ein deutlich verminderter Abstand der einzelnen Knochen im Gelenk zueinander sichtbar, was für eine bereits fortgeschrittene Kniearthrose spricht. Differentialdiagnostisch können wir Gicht und Metastasen im Knochen ausschließen.

Frau Kramer: Also kein Krebs, oder?

Dr. Wellershoff: Nein. Aber die Gonarthrose ist eine chronische Erkrankung und somit nicht heilbar. Unser Ziel ist daher, die Schmerzen zu lindern, wieder beweglicher zu werden sowie ein Fortschreiten der Arthrose aufzuhalten. Aber erst mal ist Ruhe angesagt!

Frau Kramer: Wie soll das gehen? Ich muss ja arbeiten gehen – und dafür brauch ich meine Beine!

Dr. Wellershoff: Ich verstehe Ihr Dilemma, Frau Kramer, aber für Sie sollte jetzt erst mal Ihre Gesundheit im Vordergrund stehen. Wenn Ihre Beschwerden sich nicht bessern, können Sie Ihrer Arbeit als Reinigungskraft gar nicht mehr nachgehen. Ich mache Ihnen jetzt ein paar Vorschläge für die vorläufige Therapie.

Frau Kramer: Gut.

Dr. Wellershoff: Ich schreibe Sie erst einmal für eine Woche krank. Wenn Sie heute nach Hause kommen, legen Sie das Bein hoch, kühlen das Knie mit einem Coolpack aus der Apotheke und vermeiden unnötige Belastung. Gegen Ihre Schmerzen verschreibe ich Ihnen Piritramid, das nehmen Sie aber nur, wenn die Schmerzen akut und sehr stark sind. Um die Entzündung zu bekämpfen, nehmen Sie bitte täglich die Antibiotika  - ganz wichtig – bis zum Ende der Packung ein. In einer Woche stellen Sie sich bitte noch einmal vor, dann sehen wir, wie es Ihnen geht und besprechen das weitere Vorgehen.

Frau Kramer: Sonst kann ich nichts tun?

Dr. Wellershoff: Wie ich schon in unserem vorherigen Gespräch erwähnt hatte, ist eine Gewichtsreduktion notwendig. Aber wie Sie das bewerkstelligen, besprechen wir beim nächsten Termin. Und die Fehlstellung durch das verkürzte Bein gleichen wir durch eine orthopädische Einlage aus. Ich stelle Ihnen ein Rezept dafür aus und damit gehen Sie dann zu einem orthopädischen Schuhmacher. Sie können sich vorne eine Adressliste mitnehmen. Haben Sie sonst noch Fragen?

Frau Kramer: Nein, jetzt erst mal nicht. Ich hoffe, die Schmerzen bleiben weg.

Dr. Wellershoff: Gut. Dann wünsche ich Ihnen gute Besserung und bis nächste Woche, Frau Kramer.

Unsere Blogautoren: Jana Kirchberger und Markus Ammon


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