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Februar 2019

Falsche Freunde in der Steinklinik

Auf der dermatologischen Station der Steinklinik beschwert sich eine Patientin bei der diensthabenden Ärztin Dr. Lopez über den Pflegassistenten Elizar.

Dr. Lopez: Hallo Frau Schriever, wie geht's Ihnen denn heute? Ist Ihr Juckreiz ein bisschen zurückgegangen und haben Sie noch die Schmerzen?

Frau Schriever: Die Bläschen sind etwas kleiner geworden und den Armen und Beinen geht es besser. Aber sagen Sie mal, was ist denn mit Ihrem jungen Pfleger los? Nett ist er ja sehr, aber da fragt er mich doch heute Morgen, ob ich meine Drogen schon genommen habe.

Dr. Lopez: (lacht). Sie meinen Elizar? Da bitte ich Sie um Verständnis. Der übersetzt oft noch direkt aus dem Englischen und da heißen Medikamente nun mal „drugs“.

Frau Schriever: Ach so. Ich dachte schon, der meint ich bin süchtig, weil er mir auch Antidepressiva verabreichen wollte.

Dr. Lopez: Wieso wollte? Haben Sie denn Ihre Medikamente nicht genommen?

Frau Schriever: Doch. Aber ich hab doch keine Depressionen!

Dr. Lopez: Da haben Sie natürlich Recht, Frau Schriever. Aber genauso wie Aspirin das Blut verdünnt, helfen Antidepressiva überraschend gut bei Gürtelrose.


Frau Schriever: Das ist ja ein Ding! Aber komisch ist er schon. Denn ein anderes Mal hat er mich gefragt, ob ich blau wäre. Dabei trinke ich gar keinen Alkohol.

Dr. Lopez: (lacht noch mehr) Oh je, noch ein falscher Freund! Er wollte nur wissen, ob Sie traurig sind. Denn „to be blue“ bedeutet im Englischen so viel wie „niedergeschlagen sein“.

Frau Schriever: Ach so. Dann verstehe ich das.

Dr. Lopez: Frau Schriever, heute haben wir für Sie einen Termin beim Ophthalmologen eingerichtet, um sicherzustellen, dass der Sehnerv nicht angegriffen ist.


Frau Schriever: Wann ist das?

Dr. Lopez: Elizar holt Sie in einer Stunde ab.

Frau Schriever: Na dann bin ich gespannt, was er heute zum Besten gibt.

Dr. Lopez: Wenn Ihnen in Zukunft etwas unklar ist, fragen Sie einfach bei ihm nach.

Nach der Visite sucht Dr. Lopez das Gespräch mit Elizar.

Dr. Lopez: Hallo Elizar, gut, dass ich Sie treffe. Gerade habe ich mit Frau Schriever gesprochen, sie findet Sie sehr nett.

Elizar: Das freut mich.

Dr. Lopez: Frau Schriever war allerdings ein bisschen irritiert.

Elizar: Warum war sie böse? Auf mich?

Dr. Lopez: Nein, nein. Genau das ist das Problem. „Irritiert sein“ heißt auf Deutsch „verunsichert sein“, nicht böse.

Elizar: Echt? Das wusste ich nicht.

Dr. Lopez: Genau, und es gab da wohl noch ein paar andere sprachliche Missverständnisse.

Elizar: Oh, das tut mir leid. Was denn?

Dr. Lopez: „Drugs“ heißen bei uns Medikamente und „blau sein“ bedeutet betrunken.

Elizar: (lacht) Oh nein. Ich übersetze immer noch zu viel Wort für Wort.

Dr. Lopez: Das sieht ganz so aus. Aber mir ging das anfangs auch so. Als ich einem Patienten das Wort Aerosol erklären sollte, hab ich ihm gesagt, dass aus der Sprayflasche Mist kommt.

Elizar: Oh Mann. Und, wie hat der reagiert?

Dr. Lopez: Der war ganz schön perplex und wollte sich erst weigern, das Spray zu benutzen. Zum Glück hatten wir das schnell geklärt.

Elizar: Ein paar solche Problemwörter hab ich schon kennengelernt. Zum Bespiel, dass es keine gute Idee ist, einer Kollegin zum Geburtstag ein Gift mitzubringen.

Dr. Lopez: Der Klassiker!

Elizar: Wirklich falsche Freunde!

Dr. Lopez: Und sogar diese Formulierung hat ihre Tücken. Wissen Sie, was das im medizinischen Kontext bedeutet?

Elizar: Nee, keine Ahnung.

Dr. Lopez: Als falschen Freund bezeichnet man bei uns einen unfreiwilligen Stuhlabgang. Der Patient ist nicht in der Lage, zwischen einer Defäkation und einer Flatulenz zu unterscheiden.

Elizar: Und schon wieder was gelernt. Ich hole Frau Schriever später zur Augenklinik ab und entschuldige mich bei dieser Gelegenheit bei ihr.

Dr. Lopez: Gute Idee.

Unsere Blogautoren: Jana Kirchberger und Markus Ammon

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