arrow-down arrow-to-left arrow-to-right arrow-up bc-left check delete download facebook google-plus home map menu print search smiling three-lines top-left twitter youtube
Juli 2022

Einsatz von Simulationspatient*innen im Prüfungstraining

Gut gewappnet für die Prüfung der fachsprachlichen Fähigkeiten.

- Was führt Sie heute zu uns, Frau Kleber?

- Ach, ich habe ganz furchtbare Bauchschmerzen seit gestern Abend, Frau Doktor!

- Können Sie mir mal zeigen, wo die Schmerzen sind?

- Ja hier, rechts oben.

- Können Sie die Schmerzen etwas näher beschreiben? Sind das stechende, drückende oder krampfartige Schmerzen?

- Das sticht, wie mit dem Messer. Und dann kommt es wie eine Welle, alles krampft sich zusammen.

- Verstehe, und das geht seit gestern Abend so, sagen Sie? Sind die Schmerzen dauerhaft da oder lassen sie auch mal nach?

- Ja, manchmal wird es weniger, das ist so eine Erleichterung, aber dann kommt wieder der Krampf.

- Strahlen die Schmerzen auch aus in eine andere Körperregion?

- Ja, seit heute Morgen habe ich auch schreckliche Rückenschmerzen, hier, im unteren Rücken.

- Ah ja. Frau Kleber, haben Sie eine Idee, woher die Schmerzen kommen? Und haben Sie das zum ersten Mal oder kam das schon mal vor?

- Natürlich hatte ich schon mal Magenbeschwerden, aber noch nie so heftig. Und das hat sich auch anders angefühlt. Das hier ist wirklich neu. Und ich weiß nicht, gestern Abend das Essen war schon recht fett und reichhaltig, vielleicht hätte ich nicht so viel von der Hollandaise nehmen sollen.

- Haben Sie erbrochen?

- Ja, heute Morgen, einmal, und danach ging es mir gar nicht besser, ich fühl mich immer noch ganz voll, aber da kann ja gar nichts mehr drin sein. Habe ich vielleicht eine Lebensmittelvergiftung? Mein Freund hat gerade noch gesagt, dass ich ganz gelb im Gesicht bin

- Haben Sie in Gesellschaft gegessen? Und wenn ja, hatten denn die anderen, die gegessen haben, ähnliche Beschwerden?

- Nein, mein Freund hat keine Probleme.

- Dann liegt es wohl eher nicht an verdorbenem Essen. Frau Kleber, ich würde Sie gern kurz körperlich untersuchen, fühlen Sie sich in der Lage dazu, oder sind die Schmerzen so stark, dass Sie ein Schmerzmittel brauchen? Wenn Sie es irgendwie aushalten, wäre ohne Medikament besser, aber Sie entscheiden.

 

Zum Glück geht es Frau Kleber tatsächlich prächtig – ist sie etwa eine Simulantin?? Ja, ist sie, aber sie braucht keine Krankschreibung und hat auch kein gesteigertes Bedürfnis nach Aufmerksamkeit. Vielmehr ist sie eine Simulationspatientin und nimmt an einem Anamnesegespräch teil, das während einer Prüfungssimulation zwischen ihr und einer Ärztin, die an einem Vorbereitungskurs für die Fachsprachenprüfung/Kenntnisprüfung teilnimmt, stattfindet. Der halbjährige Kurs an einer Medizinischen Hochschule bereitet Ärzt*innen aus Nicht-EU-Ländern auf die für sie in der Regel obligatorische Kenntnisprüfung vor, in der ein Teil der Prüfung aus einem Anamnesegespräch in Verbindung mit einer körperlichen Untersuchung mit realen Patient*innen in einer Klinik besteht. 

Um sich dieser Prüfung gewappnet zu sehen, ist gute Vorbereitung des Fachwissens und der fachsprachlichen Fähigkeiten genauso notwendig wie die konkrete Erprobung des Gelernten. Der empathische Umgang mit der Patientin will ebenso geübt sein wie das systematische Vorgehen bei Erhebung des Krankheitsbildes.

Patientensicherheit steht immer an erster Stelle; das setzt Ärzt*innen, die noch sprachliche Unsicherheiten haben und vielleicht eine für sie fachfremde Erkrankung anamnestisch erheben sollen, stark unter Druck. Der geschützte Rahmen einer Simulation mit geschulten „Patient*innen“ ermöglicht das angstfreie Erproben der eigenen Fähigkeiten. Das anschließende Feedback von Patient*in, Peers aus der Lerngruppe und Dozenten gibt wertvolle Hinweise auf Verbesserungspotentiale. 

Simulationspatient*innen müssen im Vorfeld gut geschult werden. Sie brauchen eine medizinisch plausible Vorlage, die auch durch Lebensgeschichte, soziales Umfeld, eine Vielzahl von Einzelinformationen und Rollenanweisungen ein möglichst authentisches Agieren ermöglichen soll.

Mit Hilfe dieser sogenannten Fallvignette bereiten sie sich gut auf ihre jeweilige Rolle vor, um eine möglichst realistische „Vorstellung“ geben zu können.

Und, haben Sie schon eine Idee, was Frau Kleber vielleicht fehlen könnte? Der nächste Mediblog schafft Klarheit.

Autor*innen: Markus Ammon und Jana Kirchberger

Weiterempfehlen: