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März 2019

Ein überraschender Befund

In der ersten Visite nach einer Operation führt Dr. Ciccone ein Aufklärungsgespräch durch.

Nachdem sich der 56-jährige Thomas Vollert in der Notaufnahme mit starken Bauchschmerzen vorgestellt hatte, entschied sich der diensthabende Arzt, Dr. Ciccone, zur sofortigen Appendektomie, um einer drohenden Peritonitis Vorbeuge zu leisten. Ein Aufklärungsgespräch folgt in der ersten Visite.

Dr. Ciccone: Hallo Herr Vollert, wie fühlen Sie sich jetzt?

Herr Vollert: Ich bin noch ziemlich schwach und zittrig. Was haben Sie mir denn da alles gegeben? Ich dachte so eine Blinddarm OP ist heutzutage ein Spaziergang…

Dr. Ciccone: Ja, im Grunde haben Sie natürlich Recht, das ist normalerweise ein Standardeingriff, der bei uns minimalinvasiv mittels Laparoskopie durchgeführt wird.

Herr Vollert: Lapa…was?

Dr. Ciccone: Sie können auch „Schlüsselloch-Technik“ sagen. Wir machen einen sehr kleinen Schnitt in die Bauchdecke und führen dort ein Endoskop mit einer kleinen Kamera und Lichtquelle am Ende in die Bauchhöhle ein. Dann wird ein Gas in den Bauchraum geleitet, um die Organe besser sehen zu können. Über zwei weitere kleine Schnitte im Unterbauch führen wir die notwendigen Instrumente für die Operation ein.

Herr Vollert: Ach so, dann hab ich wohl auch nur eine ganz kleine Narbe, oder?

Dr. Ciccone: Bei Ihnen war die Situation etwas anders, Herr Vollert.

Herr Vollert: Was? Wieso denn?

Dr. Ciccone: Als wir mit dem Endoskop in der Bauchhöhle waren, haben wir am benachbarten Endstück des Dickdarms eine Geschwulst vorgefunden.

Herr Vollert: Um Gottes Willen! Geschwulst – Sie meinen Krebs?

Dr. Ciccone: Ganz langsam, Herr Vollert. Lassen Sie mich Ihnen in Ruhe alles erklären. Aufgrund des Befunds haben wir uns direkt zu einer offenen Operation entschieden, um die Geschwulst gleich mit zu entfernen.

Herr Vollert: Das schockiert mich jetzt.

Dr. Ciccone: Kein Grund zur Panik, Herr Vollert. Die OP ist gut verlaufen, wir konnten die drohende Bauchfellentzündung verhindern, Ihr Blinddarm stellt jetzt kein Risiko mehr dar. Was die Geschwulst betrifft, heißt es jetzt erst einmal abwarten.

Herr Vollert: Was heißt das?

Dr. Ciccone: Wir haben die Geschwulst sofort ins Labor geschickt und dort wird jetzt untersucht, ob sie gut- oder bösartig ist.

Herr Vollert: Also doch Krebs?!

Dr. Ciccone: Es besteht eine gute Chance darauf, dass es sich um einen gutartigen Tumor handelt. Ich hatte Sie kurz vor der OP im Ultraschall angesehen und da gab es keine Auffälligkeiten wie z. B. Tochtergeschwülste. Um da ganz sicher zu gehen, machen wir im Anschluss noch ein CT, also eine Computertomografie, und eine Blasenspiegelung.

Herr Vollert: Hier in der Klinik?

Dr. Ciccone: Ja sicher. Sie bleiben sowieso noch ein paar Tage hier, um sich von der OP zu erholen. Übrigens, Herr Vollert, ich brauche noch ein paar Angaben zur Krankengeschichte in Ihrer Familie, dazu hatten wir ja vor der OP keine Zeit. Wissen Sie von chronischen Erkrankungen Ihrer Eltern?

Herr Vollert: Meine Eltern sind beide bereits tot. Mein Vater ist an einem Herzinfarkt gestorben und meine Mutter hatte Krebs.

Dr. Ciccone: Welche Art von Krebs?

Herr Vollert: Soweit ich weiß Unterleibskrebs. Das hat man mir nicht so genau erzählt, damals.

Dr. Ciccone: Haben Sie in der Vergangenheit schon mal eine Darmspiegelung machen lassen?

Herr Vollert: Nein, ich hatte ja keine Beschwerden. Wann krieg ich denn das Ergebnis der Untersuchung?

Dr. Ciccone: Unsere Histologen sind in der Regel recht fix, bis Ende der Woche wissen wir Bescheid. Und über das Ergebnis des CTs können wir direkt nach der Aufnahme sprechen.

Herr Vollert: Gut. Ich muss das jetzt erstmal verdauen…

Dr. Ciccone: Das verstehe ich gut, Herr Vollert. Wenn Sie später noch Fragen haben, sprechen Sie mich bitte nochmal an. Aber jetzt erholen Sie sich erstmal. Heute gibt es nur Tee und leichte Suppe, ab morgen können wir schon auf festere Schonkost gehen.

Herr Vollert: Danke, Herr Doktor. Ich habe sicher später noch viele Fragen, ich muss das jetzt ja auch noch meiner Frau beibringen.

Dr. Ciccone: Wenn Sie möchten, spreche ich nochmal gemeinsam mit Ihnen und Ihrer Frau.

Herr Vollert: Das wäre sicher gut, Sie können ihr das besser erklären. Sie sind ja hier der Fachmann.

Blogautoren: Markus Ammon und Jana Kirchberger

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