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Juni 2018

Ein Fall für Dr. Irina Volkova – Patientenvorstellung

Dr. Volkova stellt ihrem Chef, Oberarzt Dr. Steinig, den Fall der am Vortag eingelieferten Patientin, Frau Voss, vor.

Der Stationsroutine folgend stellt Frau Dr. Volkova ihrem Chef, dem Oberarzt Dr. Steinig, den Fall der am Vortag eingelieferten Patientin, Frau Voss, vor.

Dr. Volkova:

Ich möchte noch von einem Neuzugang berichten, der 70-jährigen Patientin Frau Voss, die gestern Nacht mit akuter Dyspnoe mit dem RTW bei uns eingeliefert wurde. Die Patientin klagte über ein thorakales Engegefühl, Luftnot und wiederkehrenden, nichtproduktiven Husten.

Die Symptome seien schlagartig während eines Langstreckenfluges aufgetreten und in diesem Ausmaß einer der Patientin neuen Qualität. An Bord des Flugzeuges stand keine notärztliche Versorgung zur Verfügung. Frau Voss gab an, dass sich ihr Zustand in liegender Position etwas verbessert habe. Bereits im RTW auf dem Weg vom Flughafen in die Klinik erfolgte Sauerstoffgabe (3–5 l/min), Analgese mit 50 mg Pethidin i. v. und Heparinisierung i. v. 5000 IE unfraktioniertes Heparin. Frau Voss wurde in eine halbsitzende Lagerung gebracht mit absolutem Bewegungsverbot zur Prävention von eventuellen Embolien.

Bei einem BMI von 36 präsentierte sich die Patientin in reduziertem AZ und adipösem EZ.

Bei Einlieferung war die Patientin leicht febril (38,5) mit sonst unauffälligen Vitalwerten.

Die Herzfrequenz betrug 120/min, die Atemfrequenz 35/min und der Blutdruck 130/90 mmHg. Der Auskultationsbefund über Cor und Pulmo waren unauffällig.

Frau Voss gibt starken Nikotinabusus von 30 pack/years und gelegentliche Dyspnoe bei Bewegung an. Zur Vorbeugung einer Osteoporose nehme sie täglich seit 2 Jahren ein Hormonpräparat ein. Über Präparat und Dosis konnte sie keine Angaben machen. Allergien und Intoleranzen wurden verneint.

Außer einer C3 Varikose mit Ödem sind keine Vorerkrankungen bekannt. Die vegetative Anamnese ergab keine Auffälligkeiten. Familienanamnestisch liegen bei den Eltern die Todesursachen Lungenkarzinom und Apoplex vor.

Ich gehe von einem Verdacht auf Lungenembolie aus aufgrund abrupter Dyspnoe unter Vorliegen der Risikofaktoren Adipositas, Einnahme eines Hormonpräparats mit langjährigem Nikotinabusus und Varikose.

Differentialdiagnostisch kommen in Frage: Instabile Angina Pectoris oder Myokardinfarkt mit Linksherzinsuffizienz, die allerdings eher bei Belastung auftritt. Chronische Bronchitis kann aufgrund der Patientenaussagen, schlagartig einsetzender Dyspnoe und nicht produktivem Husten ausgeschlossen werden.

Nach der bereits veranlassten BGA schlage ich folgende diagnostische Maßnahmen vor: EKG, Röntgen-Thorax, Labor auf evtl. positive D-Dimere.

Statt einer Pulmonalisangiographie würde ich vorerst lieber eine MRT-Angiographie zur Darstellung eines evtl. Embolus/Thrombus und zum Ausschluss einer Lungenembolie durchführen. Für die Zeit der Untersuchungen verbleibt die Patientin vorerst auf Station. Die Angehörigen sind informiert.

Blogautoren: Jana Kirchberger und Markus Ammon

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