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{11} 2018

Ein Beratungsgespräch

Auf der unfallchirurgischen Station eines großen Klinikums in den bayerischen Alpen befindet sich die Patientin Elvira Zicher in Behandlung.

Mit 2,3 Promille war die 42-Jährige vor 10 Tagen in einen parkenden Bus gefahren und hatte sich neben diversen Rippenbrüchen auch ein Schädelhirntrauma zugezogen. Beides konnte erfolgreich behandelt werden und die Patientin kann heute in stabilem Zustand in die Obhut ihrer hausärztlichen Versorgung entlassen werden. Kurz vor ihrer Entlassung aus der Klinik bittet der Stationsarzt Dr. Fischer Frau Zicher und deren Mann, Erwin Zicher, zu einem abschließenden Gespräch. 

Dr. Fischer: So, Frau Zicher. Heute geht es wieder nach Hause. Wie fühlen Sie sich denn?

Frau Zicher: Wird ja auch Zeit. Ich weiß gar nicht, warum ich so lange bleiben musste. Mir geht's doch gut.

Herr Zicher: Ja, und die Kinder warten ja auch schon.

Dr. Fischer: Ihre Rippenbrüche sind ja auf gutem Wege. Aber bis die ganz verheilt sind, müssen Sie sich unbedingt schonen, d. h. nicht schwer heben und erst mal keinen Sport. 

Frau Zicher: Die Rippen tun mir nicht mehr weh. Und das Luftholen geht auch wieder gut.

Dr. Fischer: Da lassen Sie sich mal nicht täuschen. Sie haben ja bisher noch Schmerzmittel bekommen. Die setzen wir jetzt erst mal ab. Für den Fall, dass Schmerzen wieder auftreten, gebe ich Ihnen ein Rezept mit. Aber wichtiger ist mir, dass Sie den Atemtrainer benutzen. Wie man den handhabt, hat Ihnen Schwester Anita schon erklärt, oder?

Frau Zicher: Ja. Ich hab schon trainiert damit. Das hat ganz gut funktioniert.

Dr. Fischer: In 6 Wochen sollten die Brüche komplett verheilt sein. Es war sowieso eher Ihr Schädelhirntrauma, weswegen wir Sie etwas länger hierbehalten haben. 

Frau Zicher: Aber meinem Kopf geht's doch auch schon wieder gut.

Dr. Fischer: Sie hatten ein Schädelhirntrauma zweiten Grades, eine sogenannte Gehirnprellung. Durch den Aufprall Ihres Kopfes auf den Airbag und dann zurück auf die Kopfstütze ist quasi die vordere und die hintere Seite Ihres Gehirns an den Knochen geschlagen. Dadurch waren Sie ja zirka 20 Minuten bewusstlos und wir mussten Sie zur Sicherheit ein paar Tage auf der neurologischen Intensivstation überwachen, bevor Sie hierher verlegt wurden. Ihr Hirndruck war erhöht und konnte durch eine Liquordrainage gesenkt werden.

Herr Zicher: Zum Glück ist das alles nochmal glimpflich ausgegangen. Vielen Dank, Herr Doktor.

Dr. Fischer: Viel mehr am Herzen liegt mir bei Ihnen aber noch ein anderes Thema.

Frau Zicher: Wieso, was denn jetzt noch?

Dr. Fischer: Sie sind ja nicht ohne Grund auf den Bus aufgefahren.

Herr Zicher: Ja. Deinen Führerschein bist du jetzt erstmal los, Elvira.

Dr. Fischer: 2,3 Promille und das am späten Nachmittag?

Frau Zicher: Wir hatten halt was zu feiern.

Dr. Fischer: Frau Zicher, im Rahmen der Untersuchung haben wir natürlich auch ein Blutbild erstellt und die Werte sind alarmierend. Auch wenn Ihnen das jetzt nicht so viel sagt, ist Ihr GOT-Wert deutlich stärker erhöht als der GPT-Wert und das lässt auf längerfristigen Alkoholmissbrauch schließen. Und Ihr Unfall spricht für diesen Abusus.

Frau Zicher: Jetzt das schon wieder! Warum hacken alle auf mir rum? Schwester Nina hat mir auch schon den Piccolo weggenommen.

Herr Zicher: Elvira, jetzt hör ihm doch mal zu. Du weißt doch, dass wir auch schon Streit deswegen hatten.

Dr. Fischer: Was würden Sie denn sagen, was trinken Sie denn normalerweise so am Tag?

Frau Zicher: Abends ein oder zwei Gläser Wein zum Essen. Das ist doch gut fürs Herz.

Herr Zicher: Jetzt sei mal ehrlich. Unter einer Flasche Rotwein bleibt es doch selten und was ist mit dem Schnaps?

Dr. Fischer: Also eine Flasche Wein und wie viele Schnäpse?

Frau Zicher: Schnaps gar nicht täglich. Übertreib jetzt nicht, Erwin.

Dr. Fischer: Und wie lange machen Sie das schon so?

Frau Zicher: Noch nicht so lange.

Herr Zicher: Also, so wie ich das sehe, geht das seit Sandras Geburt vor 6 Jahren.

Dr. Fischer: Das klingt schon nach Abhängigkeit, Frau Zicher. Deshalb möchte ich Ihnen dringend einen Termin bei einer Suchtberatung empfehlen, und wenn Sie es erst wegen der anstehenden MPU machen.

Frau Zicher: Was – ich soll zum Idiotentest?

Herr Zicher: Willst du etwa nochmal so einen Unfall bauen? Du musst einen Entzug machen, hab ich schon öfter gesagt.

Dr. Fischer: Sehen Sie das als Chance für sich, Frau Zicher. Ich gebe Ihnen eine Liste von Beratungsstellen. Kümmern Sie sich um einen Termin und sprechen Sie auch mit Ihrem Hausarzt. Es gibt keinen Grund sich zu schämen. Viele Menschen sind betroffen und nur mit professioneller Hilfe kommen Sie da raus. Alles Gute für Sie.

Unsere Blogautoren: Markus Ammon und Jana Kirchberger

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