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September 2018

Die Quetschwunde

Der 40-jährige Herr Giese ist nach einem Motorradunfall mit einer Quetschwunde am linken Unterschenkel in die Rettungsstelle eingeliefert worden.

In der vorangegangenen Nacht ist der 40-jährige Herr Giese nach einem Motorradunfall mit einer ausgedehnten Quetschwunde am linken Unterschenkel in die Rettungsstelle eingeliefert worden. Dort wurde die Wunde umgehend chirurgisch versorgt, und Herr Giese wurde im Anschluss auf Station verlegt. Über Nacht lief eine i. V. Infusion. Am nächsten Morgen begrüßt die Krankenpflegerin Anita nach der Übergabe den Neuzugang.

Schwester Anita: Guten Morgen Herr Giese, ich bin Schwester Anita und heute in der Frühschicht für Sie zuständig. Wie geht’s Ihnen, Herr Giese? Haben Sie schlafen können?

Herr Giese: Morgen. Mir geht’s überhaupt nicht gut. Mein linkes Bein tut fürchterlich weh.

Schwester Anita: An der Stelle, wo der Verband ist?

Herr Giese: Ja sicher, die Wunde schmerzt.

Schwester Anita: Lassen Sie mich mal sehen. Herr Giese, können Sie mal versuchen, Ihr Bein ein bisschen zu bewegen?

Herr Giese: Au. Das geht gar nicht. Das ist zu schmerzhaft. Das fühlt sich ganz taub an.

Schwester Anita: Herr Giese, Sie hatten gestern einen Motorradunfall, nicht wahr?

Herr Giese: Ja. Ich bin auf einen PKW aufgefahren. Aber der war schuld.

Schwester Anita: Da haben Sie nochmal Glück gehabt. Mit der Quetschwunde sind Sie glimpflich davongekommen. Ich messe jetzt erst mal Ihren Blutdruck und nehme den Puls.

Herr Giese: Und wie sieht’s aus? Mann, tut das weh!

Schwester Anita: Ihr Blutdruck ist etwas erhöht bei 150/100 und Ihr Puls ist auch leicht gestiegen auf 80/min. Aber das ist alles noch im Rahmen. Ich würde trotzdem die Stationsärztin, Frau Dr. Söder, bitten, sich mal Ihr Bein anzusehen. Kann ich Ihnen vorher etwas zu Trinken bringen, vielleicht einen schönen Kräutertee?

Herr Giese: Kaffee wäre mir lieber. Mit Sojamilch, wenn’s geht. Ich habe eine Laktose-Intoleranz.

Schwester Anita: Gut. Ich gebe schnell der Ärztin Bescheid und komme gleich wieder.

Zusammen mit Schwester Anita kommt die diensthabende Ärztin, Frau Dr. Söder, ins Krankenzimmer zurück.

Dr. Söder: Guten Morgen, Herr Giese. Ich höre, Sie haben Schmerzen an dem verletzten Bein?

Herr Giese: Ja. Es ist nicht zum Aushalten.

Dr. Söder: Wann haben die Schmerzen begonnen?

Herr Giese: Ich bin gegen 4 Uhr aufgewacht, weil es so weh getan hat.

Dr. Söder: Wie stark würden Sie Ihre Schmerzen einschätzen auf einer Skala von null bis zehn?

Herr Giese: Schwer zu sagen. Aber 6 bis 7 würde schon passen und es wird immer schlimmer.

Dr. Söder: Ist das ein drückender oder eher ein stechender Schmerz?

Herr Giese: Ein starker Druck, vielleicht ist der Verband auch einfach zu fest.

Schwester Anita: Herr Giese, Sie sagten auch, dass Sie gar kein Gefühl im Bein haben, oder?

Herr Giese: Ja stimmt. Und bewegen kann ich es auch nicht.

Dr. Söder: Gut, dann schauen wir uns das mal an. Nehmen Sie den Verband einmal ab, Anita. Der Bluterguss ist hier sehr ausgeprägt und das Bein ist stark geschwollen. Spannt es auch?

Herr Giese: Ja, total. Als würde die Haut gleich aufplatzen.

Dr. Söder: Versuchen Sie bitte mal die Zehen zu bewegen.

Herr Giese: Geht nicht. Wie gelähmt.

Dr. Söder: Anita, bringen Sie mir mal bitte eine Drucksonde mit Kanüle.

Schwester Anita: Kommt sofort.

Dr. Söder: Ich führe jetzt eine sogenannte intrakompartmentale Druckmessung durch, um zu sehen, ob die Durchblutung in Ihrem Bein noch ausreichend ist.

Schwester Anita: Herr Giese, nur ein kleiner Stich, das geht ganz schnell.

Dr. Söder: Der Druck ist zu hoch. Anita, hier legen wir jetzt keinen neuen Verband an, wir müssen das Bein tief lagern und sofort gut kühlen.

Herr Giese: Was ist denn los mit der Wunde?

Dr. Söder: Ich bin ziemlich sicher, dass Sie unter einem akuten Kompartmentsyndrom leiden. Das bedeutet, dass das Gewebe im Bereich der Quetschwunde nur noch schlecht durchblutet wird und daher rührt auch Ihr Druckschmerz. Das ist eine nicht seltene Komplikation bei dieser Art von Wunde.

Herr Giese: Ok. Und was machen Sie jetzt?

Dr. Söder: Eine Druckentlastung können wir nur operativ erreichen. Und das sollten wir auch sofort machen. Danach wird es Ihnen viel besser gehen.

Herr Giese: Also nochmal unters Messer?

Dr. Söder: Ja, der Chirurg muss sich die Muskelgruppe ansehen und eventuell Gewebe entfernen.

Herr Giese: Gut, dass ich heute noch nicht gefrühstückt habe.

Dr. Söder: Anita, bitte sofort OP klarmachen.

Schwester Anita: In Ordnung. Herr Giese, gut dass Sie schnell Bescheid gegeben haben. Das ist jetzt ein Routineeingriff. Also machen Sie sich mal keine zu großen Sorgen. Ich begleite Sie bis zum OP.

Herr Giese: Danke, Schwester.

Unsere Blogautoren: Jana Kirchberger und Markus Ammon

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