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Mai 2021

Die Kenntnisprüfung – Humanmedizin

Wer als ausländische Ärztin, als ausländischer Arzt in Deutschland die Approbation erhalten möchte, muss etliche Hürden nehmen.

Ein oft langer Weg – der sich am Ende aber meist auszahlt. Derzeit haben über 13 % der in Deutschland tätigen Ärzt*innen eine ausländische Staatsbürgerschaft, Tendenz steigend. Ohne diese Fachkräfte wäre eine stabile Patientenversorgung nicht mehr aufrechtzuerhalten. Um die Zuwanderung von ausländischen Fachkräften zu fördern, wurde am 15.08.2019 das Fachkräfteeinwanderungsgesetz verabschiedet (in Kraft getreten am 1.03.2020). Es regelt vor allem die Beschäftigungsaufnahme von Drittstaatangehörigen aus dem Nicht-EU-Raum und soll künftig die Verfahren beschleunigen. Im Beschleunigten Fachkräfteverfahren des künftigen Aufenthaltsgesetzes § 81a  sollen Anträge nun nach Vorlage der einzureichenden Unterlagen zur Feststellung der Gleichwertigkeit des im Ausland erworbenen Berufsabschlusses innerhalb von 2 Monaten bearbeitet werden. Ob sich das in der Praxis durchsetzen lässt, hängt meist von den Kapazitäten der prüfenden Ämter ab und unterscheidet sich erheblich von Bundesland zu Bundesland.

Für Ärzt*innen mit Abschluss in einem Mitgliedstaat der EU, des EWR oder der Schweiz gilt in der Regel das Verfahren der automatischen Anerkennung nach der Richtlinie 2005/36/EG. Die Approbation wird damit auch in Deutschland nach einem Anerkennungsverfahren wirksam. Die hierfür erforderlichen Deutschkenntnisse müssen mit einem B2 Sprachzertifikat für allgemeine Sprache und einem C1 Fachsprachkenntnis Zertifikat für Medizin nachgewiesen werden. Eine inhaltliche Prüfung, also die Kenntnisprüfung, ist für sie nicht erforderlich.

Bei Ärzt*innen, die ihre Approbation im nichteuropäischen Ausland erhalten haben und in Deutschland als Ärzt*in tätig werden möchten, wird in einem Großteil der Fälle eine Approbation in Deutschland nicht direkt anerkannt. Nach der sogenannten Gleichwertigkeitsprüfung werden die Studieninhalte in den wenigsten Fällen als deckungsgleich mit den Inhalten des Medizinstudiums in Deutschland gesehen. Ein vom Amt erstellter Defizitbescheid verpflichtet dann die Ärzt*innen zum Ablegen der Kenntnisprüfung (auch Kenntnisstandprüfung genannt). Zusätzlich zur inhaltlichen Prüfung müssen genauso wie bei den Personen mit EU-Abschluss auch Sprachkenntnisse nachgewiesen werden - B2 Allgemeinsprachlich und C1 Fachsprachentest.

Der reguläre Weg für die Gleichwertigkeitsprüfung für ausländische Ärzt*innen aus Drittstaaten läuft über das Infoportal der Bundesregierung. Meistens erfüllen Bewerber aus Nicht-EU-/EWR-Staaten die Anforderungen hierfür jedoch nicht, auch ihr Facharztabschluss wird nicht anerkannt. Alternativ sollte daher der Abschluss auch von dem zuständigen Landesprüfungsamt für Medizinische Heilberufe (LPA) des Bundeslandes, in dem die Ärzt*innen tätig werden wollen, individuell überprüft werden.

Neben der Gleichwertigkeitsprüfung und der Anerkennung der Approbation für ausländische Ärzte gibt es gerade für Gastärzte auch die Möglichkeit einer Berufserlaubnis und einer Arbeitsgenehmigung mit Aufenthaltsgenehmigung durch einen Gastarztvertrag für maximal 2 Jahre.

Während dieser Gastarzttätigkeit bereiten sich die ausländischen Ärzt*innen in der Regel auf die zu absolvierende Kenntnisprüfung an den jeweiligen Landesärztekammern vor. 

Diese besteht aus einer praktischen und einer theoretischen Prüfung. Die Prüfungsschwerpunkte liegen in den Fachgebieten der Inneren Medizin und der Chirurgie. Daneben werden auch die Bereiche Allgemeinmedizin, Notfallmedizin, Radiologie und Pharmakologie sowie rechtliche Aspekte der Patientenversorgung geprüft.

Im nächsten Mediblog werden wir im Einzelnen auf die verschiedenen Prüfungsteile eingehen und die Prüfungssituation selbst darstellen.

 

Unsere Blogautor*innen: Jana Kirchberger und Markus Ammon

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