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Juli 2019

Das könnte eine Gonarthrose sein

Die 60-jährige Ellen Kramer ist von ihrem Hausarzt an die Abteilung Orthopädie überwiesen worden.

In einem städtischen Krankenhauses lässt sie ihre Kniebeschwerden abklären. Die Klinik verfügt über viel Erfahrung in diesem Feld, da dort im Jahresdurchschnitt über 80 künstliche Kniegelenke eingesetzt werden und das Personal in Diagnostik und Therapie entsprechend versiert ist. Dr. Wellershoff, der leitende Stationsarzt, führt das Aufnahmegespräch mit Frau Kramer durch.

Dr. Wellershoff: So, guten Tag Frau Kramer, wie ich sehe haben Sie eine Überweisung von Ihrer Hausärztin Dr. Klincke bekommen. Sie haben Probleme mit dem Knie, richtig?

Frau Kramer: Das kann man wohl sagen, es wird immer schlimmer. Manchmal weiß ich gar nicht mehr, was ich noch machen soll, so massiv sind die Schmerzen. Und  viele Alltagsdinge kann ich schon gar nicht mehr machen, allein aus dem Bett zu kommen…

Dr. Wellershoff: Können Sie Ihre Beschwerden etwas genauer beschreiben, Frau Kramer?

Frau Kramer: Sicher, ich habe praktisch permanent Knieschmerzen. Besonders schmerzhaft sind Sachen wie Treppensteigen oder etwas länger spazieren gehen. Und ich habe das Gefühl, dass ich immer weniger schaffe.

Dr. Wellershoff: Wann sind die Beschwerden denn das erste Mal aufgetreten?

Frau Kramer: Hm, lassen Sie mich mal überlegen …, ja, beim sechzigsten Geburtstag meines Mannes musste ich mich nach dem ersten Walzer schon hinsetzen und es ging gar nichts mehr, das war vor drei Jahren. Natürlich hatte es vorher schon ab und an mal gezwackt, aber das war plötzlich viel heftiger.

Dr. Wellershoff: Und damit sind Sie dann zu Ihrer Hausärztin gegangen. Hat sie Ihnen etwas veschrieben?

Frau Kramer: Ja, seitdem nehme ich immer Ibuprofen und zusätzlich eine Salbe, Diclo- igendwas, wenn mich das Knie wieder besonders plagt. Aber Frau Dr. Klincke sagt jetzt, dass das so kein Dauerzustand ist, so viele Tabletten einzunehmen und deswegen bin ich jetzt hier.

Dr. Wellershoff: Ja, Diclofenac ist ein Standardwirkstoff bei Gelenkbeschwerden, der die Schmerzen lindert und entzündungshemmend wirkt. Also haben Sie kein Kortisonpräparat bekommen?

Frau Kramer: Doch, einmal, als das Knie ganz geschwollen war und ich vor Schmerz die Decke hochgehen wollte. Und jetzt ist es schon wieder so dick und schmerzt.

Dr. Wellershoff: Verstehe, das sehe ich mir gleich im Anschluss einmal an. Aber vorher würde ich Ihnen gern noch ein paar weitere Fragen stellen. Treten die Schmerzen nur bei bestimmten Belastungen auf?

Frau Kramer: Früher ja, aber jetzt kann ich oft kaum einschlafen, weil es auch im Liegen wehtut, dann weiß ich gar nicht mehr, was ich machen soll.

Dr. Wellershoff: Und gibt es Tageszeiten, zu denen die Schmerzen stärker oder schwächer sind?

Frau Kramer: Bisher kam ich vor allem morgens nur schwer in die Gänge, im Lauf des Tages wurde es dann meistens besser. Aber seit einer Woche tut es die ganze Zeit weh.

Dr. Wellershoff: Wo genau im Knie haben Sie denn die Schmerzen?

Frau Kramer: Hm, meistens unterhalb der Kniescheibe, aber oft tut das ganze Gelenk weh. Es fühlt sich beim Gehen auch ganz wacklig an, und ich muss mich dann festhalten.

Dr. Wellershoff: Wurden Sie schon einmal operiert, Frau Kramer?

Frau Kramer: Ja, als Kind haben sie mir die Mandeln und den Blinddarm rausgenommen. Und vor ein paar Jahren hatte ich diesen Kreuzbandriss.

Dr. Wellershoff: War das auch auf der linken Seite?

Frau Kramer: Genau, da wo es jetzt so schlimm ist. Kommt das noch daher?

Dr. Wellershoff: Ein Bänderriss kann mitverantwortlich für eine Abnutzung des Gelenks sein. Wann war denn das genau?

Frau Kramer: Lassen Sie mich mal überlegen, ja, vor fünf Jahren, direkt nach unserem Spanienurlaub, da sind wir so viel gelaufen.

Dr. Wellershoff: Gibt es in Ihrer Familie Fälle von Arthrose?

Frau Kramer: Ja, meine Mutter hatte auch immer Knieprobleme, ist das denn erblich?

Dr. Wellershoff: Das ist nicht bis ins Letzte geklärt, aber viele Arthrosepatienten haben eine familiäre Vorgeschichte. Frau Kramer, was machen Sie denn beruflich?

Frau Kramer: Ich bin Reinigungskraft in einem großen Unternehmen, ein Knochenjob sage ich Ihnen, besonders in der letzten Zeit, wo man immer Angst haben muss, dass die noch billigeren Zeitarbeitskräfte irgendwann mal die ganze Arbeit übernehmen. Ein paar Jahre muss ich noch durchhalten, aber wie soll das gehen mit dem Knie, ich bin total verzweifelt, Herr Doktor!

Dr. Wellershoff: Ich verstehe, dass Sie das jetzt unter Druck setzt und Sie sich Sorgen machen, Frau Kramer. Aber wenn Sie eine feste Stelle haben, können Sie doch bei Bedarf krankgeschrieben werden. Jetzt ist erst mal das Wichtigste, dass wir sehen, womit wir es zu tun haben, um die richtigen Schritte zu machen, damit Sie wieder auf die Beine kommen. Wie viel wiegen Sie, Frau Kramer?

Frau Kramer: Mit der Frage hab ich schon gerechnet, Frau Dr. Klincke liegt mir auch dauernd damit in den Ohren, dass ich abnehmen soll, als wenn das so einfach wäre!

Dr. Wellershoff: Ohne Ihnen zu nahe treten zu wollen, aber Übergewicht ist einfach Gift für Ihre Gelenke. Das wäre auf jeden Fall ein mittelfristiges Vorhaben in Ihrem Therapieplan, ganz egal, was unsere Untersuchungen jetzt ergeben.
So, Frau Kramer, ich habe jetzt erst mal die wichtigsten Fragen vorab geklärt, kommen Sie doch bitte mal rüber zur Behandlungsliege, dann schaue ich mir ihr Knie mal genauer an.

Unsere Blogautoren: Jana Kirchberger und Markus Ammon


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