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März 2021

Bandscheibenvorfall – Teil II

Ein Aufklärungsgespräch

Nachdem Dr. Seiler den 31jährigen Wladimir Hof in seiner allgemeinärztlichen Praxis befragt und untersucht hat, kann er die Diagnose eines akuten Bandscheibenvorfalls stellen. Während des Anamnesegesprächs hatte der Patient mitunter Verständnisschwierigkeiten, sodass Dr. Seiler beim nun folgenden Aufklärungs- und Beratungsgespräch bemüht ist, einfach und verständlich zu sprechen.

Dr. Seiler: So, Herr Hof, nach der Untersuchung und den Symptomen, die Sie beschreiben, haben Sie einen Bandscheibenvorfall. Ich zeige Ihnen das mal hier am Modell der Wirbelsäule (stellt anatomisches Modell auf den Schreibtisch).

Herr Hof: Ja, zeigen Sie bitte, dann verstehe ich gut.

Dr. Seiler: Ok, hier sehen Sie Ihre Wirbelsäule. Das sind die Wirbel aus Knochen, hier sind die Nerven, die von oben nach unten durch diesen Kanal laufen, und diese transparenten Polster zwischen den Wirbeln sind die Bandscheiben, die Stöße und Belastungen abfangen sollen, damit das nicht direkt auf die Knochen schlägt.

Herr Hof: Ja, ich kenne.


Dr.  Seiler: Gut. Symptome eines Bandscheibenvorfalls gehen fast immer von der Lendenwirbelsäule aus, weil das Körpergewicht hier einen besonders starken Druck auf die Wirbel und Bandscheiben ausübt. Wir sagen auch lumbaler Bandscheibenvorfall, wenn diese weiche Scheibe herauskommt zwischen den Wirbeln, und Symptome entstehen meist hierdurch zwischen dem 4. und 5. Lendenwirbel oder zwischen dem 5. Lendenwirbel und dem 1. Steißbeinwirbel. Der Druck auf Nervenwurzeln, da wo die Nerven anfangen, in der Lendenwirbelsäule hier löst teils heftige Schmerzen im unteren Rückenbereich aus, die bis in das Bein ausstrahlen können, weil die Nerven da hinführen. Auch neurologische Ausfälle wie Empfindungsstörungen wie Ameisenlaufen, Kribbeln, Taubheitsgefühle sowie Lähmungen in diesem Bereich sind möglich.

Herr Hof: Lähmung was ist?

Dr. Seiler: Bei einer Lähmung können Sie Körperteile nicht mehr bewegen.

Herr Hof: Ist zu Glück nicht bei mir!

Dr. Seiler: Ja, das ist sehr gut. Und auch die anderen neurologischen Probleme, dass Sie etwas auf der Haut nicht spüren zum Beispiel, haben Sie nicht. Ach, das hatte ich noch vergessen: Hatten Sie seit gestern Probleme mit dem Stuhlgang oder der Blase?

Herr Hof: (schaut fragend) Stuhl?

Dr. Seiler: Naja, wenn Sie zur Toilette müssen, ist da etwas in die Hose gegangen?

Herr Hof: Was? Nein! Warum denken Sie?

Dr. Seiler: Das ist auch sehr gut. Manchmal kommt es zu Inkontinenz, weil die entsprechenden Nervenbahnen abgedrückt werden, da hätten wir dann vielleicht gleich operieren müssen.

Herr Hof: (sehr alarmiert) Operation?

Dr. Seiler: Nein, nein entschuldigen Sie bitte, Sie müssen nicht operiert werden, das ist alles nicht so schlimm.

Herr Hof: Boshe moi, ich krieg Angst, wenn ich hören Operation.

Dr. Seiler: Das haben Sie falsch verstanden, Herr Hof, wir müssen gar nicht operieren, denn Sie haben diese Probleme, von denen ich gesprochen habe, nicht.

Herr Hof: Aga, das ist gut, mein Gott.

Dr. Seiler: Ich denke, bei Ihnen ist der dickste Nerv des Körpers, sehen Sie hier, der Ischiasnerv, eingeklemmt. Daher kommen Ihre „elektrischen“ Schmerzen vom Gesäß über die Rückseite des Oberschenkels bis in den Fuß.

Herr Hof: Genau, von hier oben bis Fuß.

Dr. Seiler: Richtig.

Herr Hof: Machen wir Xray, äh, Röttgen?

Dr. Seiler: Ich denke, das ist nicht nötig, Herr Hof, zum Glück haben Sie keine so schweren Probleme und es ist kein Notfall, also nicht operieren! Wenn wir ein Bild machen würden, könnten wir Ihr Problem vielleicht gar nicht sehen. Und oft haben Patienten, bei denen wir in der Röntgenaufnahme Probleme sehen, gar keine Schmerzen, keine Probleme!

Herr Hof: Aso? Komisch!

Dr. Seiler: Genau. Nein, in Ihrem Fall gehen wir da mal ganz konservativ ran. Wenn Sie sehr starke Schmerzen haben, können Sie Ibuprofen einnehmen oder auch eine Salbe mit Diclofenac auftragen, ich schreib Ihnen da mal was auf.

Herr Hof: Muss ich zahlen?

Dr. Seiler: Naja, diese Medikamente sind nicht rezeptpflichtig, da müssen Sie leider selbst zahlen, aber das kostet nur die Rezeptgebühr, also 5 € pro Medikament. Und Sie sollen das auch nicht immer nehmen, nur wenn die Schmerzen wirklich zu stark werden. Sie können den schmerzenden Körperteil auch mit Wärme behandeln, nehmen Sie Ihre Wärmflasche zu Hause und legen Sie sie aufs Bein oder unter den Rücken, das hilft schon ganz viel.

Herr Hof: Was für Flasche?

Dr. Seiler: Naja, so eine Flasche aus Gummi, in die Sie heißes Wasser füllen.

Herr Hof: Ah ja, ok.

Dr. Seiler: Am wichtigsten ist aber, dass Sie in Bewegung bleiben, aktiv sind.

Herr Hof: Aber kann ich nicht in Fitnessstudio gehen so!

Dr. Seiler: Das sollten Sie auch gar nicht. Bitte nicht gleich wieder Gewichte heben, wenn die Schmerzen weniger werden! Ich möchte Ihnen ein paar Stunden Physiotherapie verschreiben, da werden Sie besser mobilisiert und bekommen noch eine Rückenschule.

Herr Hof: Ah, lustig, Schule für Rücken (lacht).

Dr. Seiler: Tja, man lernt nicht aus (lächelt). Aber ernsthaft, Herr Hof, nur wenn Sie Muskulatur und Faszien im Rücken aktiv halten, werden Sie die Schmerzen wieder los, da ist es gut, wenn Sie ein paar Übungen mit nach Hause bekommen, die Ihnen dabei helfen. Und das Dehnen bitte nicht vergessen, das kennen Sie ja sicher vom Sport.

Herr Hof: Meinen Sie so strecken?

Dr. Seiler: Ja, ganz genau, aber da zeigt Ihnen der Physiotherapeut, was Sie am besten machen sollen.

Herr Hof: Ok, gehe ich zu Apotheke, hole Medikament und liege wieder auf Sofa.

Dr. Seiler: Ja, aber versuchen Sie schon immer wieder mal, auch aufzustehen, wenn möglich. Sie können sich gleich vorn das Rezept abholen und Sie bekommen auch gleich eine Überweisung zur Physio, meine Kollegin am Tresen gibt Ihnen eine Adressliste. Und in zwei, drei Wochen kommen Sie bitte wieder her, dann schauen wir mal, wie es Ihnen dann geht. Sollten Sie doch noch andere Probleme haben, Sie wissen schon, die Lähmungen und die Toilette, dann kommen Sie aber bitte gleich.

Herr Hof: Gut vielen Dank, Herr Doktor.

Dr. Seiler: Gerne, gute Besserung für Sie!

Unsere Blogautor*innen: Jana Kirchberger und Markus Ammon

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