arrow-down arrow-to-left arrow-to-right arrow-up bc-left check delete download facebook google-plus home map menu print search smiling three-lines top-left twitter youtube
April 2020

Auf der Entbindungsstation

Mike und Tom Fischer bekommen ein Baby!

Auf der Entbindungsstation einer städtischen Klinik herrscht Tag und Nacht stetiger Betrieb. Die beiden Hebammen Anja und Besir sind mitten in ihrer Frühschicht, als ein sehr aufgeregtes junges Paar im Kreißsaal eintrifft.

Tom Fischer: Bei meiner Frau ist vor einer Stunde die Fruchtblase geplatzt. Aber der Geburtstermin sollte doch erst in zwei Wochen sein, ich..

Schwester Besir: Guten Morgen, Sie sind Familie…?

Mike Fischer: Fischer, ich bin Mike Fischer und das ist mein Mann Tom.

Schwester Anja: Guten Morgen. Haben wir Ihre Personalien schon, Frau Fischer, hatten Sie sich bereits angemeldet? Und, ist es das Erste?

Mike Fischer: Ja, habe ich, vor 2 Monaten schon. Hier in dem Umschlag sind alle Dokumente, meine Versichertenkarten und der Mutterpass. Und ja, das ist meine erste Geburt, deshalb hab ich ja auch so ‘nen Bammel..

Schwester Besir: Kein Grund zur Sorge, Frau Fischer. Sie haben ja an alles gedacht. Kommen Sie, setzen Sie sich erst mal hier in unser Vorwehenzimmer, da können wir in Ruhe sprechen. Sie können auch gerne mitkommen, Herr Fischer. Wie geht´s Ihnen jetzt, Frau Fischer? Sie sagten, Fruchtwasser sei bereits abgegangen?

Mike Fischer: Ja. Vor einer Stunde hatte ich zuerst das Gefühl, ich hätte mich eingenässt, aber dann kam ein ganzer Schwall raus, ich hab‘ jetzt echt Angst, dass etwas nicht stimmt, ich bin ja viel zu früh dran.

Schwester Besir: Frau Fischer, machen Sie sich keine Sorgen. Zwei Wochen vor Termin ist ganz im Rahmen. Sie hatten einen Blasensprung im unteren Bereich des Muttermundes, da fließt jede Menge Fruchtwasser ab, das ist ganz normal. Wie sieht es denn mit Wehen aus, haben Sie schon etwas gespürt?

Mike Fischer: Ja, so alle 20 Minuten. Das tut so weh, kaum auszuhalten.

Schwester Besir: Ja. Das glaub ich Ihnen gern. Ist auch schon der Schleimpfropf abgegangen?

Mike Fischer: Ja. Ich glaube schon. Da war etwas blutiger Schleim vor dem Blasensprung.

Schwester Besir: Das ist gut.

Tom Fischer: Wann ist es denn soweit? Sollte meine Frau nicht sofort in den Kreissaal kommen?

Schwester Besir: Immer mit der Ruhe, Herr Fischer, wir gehen das alles ganz langsam an. Ihre Frau ist jetzt in besten Händen, kein Grund zur Sorge. Gut, dass Sie so früh gekommen sind.

Mike: Ah, au, jetzt ist es wieder soweit. Das tut so weh. Vorhin im Auto hatte ich auch schon eine Wehe, aber die hier ist stärker.

Schwester Besir: Ich möchte Sie gleich mal untersuchen, Frau Fischer. Wir schauen mal, wie weit sich Ihr Muttermund schön eröffnet hat und wir machen auch ein CTG. Dann können wir die Wehentätigkeit durch den Druckmesser exakt verfolgen und die Herztöne von Ihrem Kind messen. Wissen Sie schon, was es wird, Junge oder Mädchen?

Tom Fischer: Es wird ein Mädchen (lächelt), eine kleine Sophie.

Schwester Besir: Wie schön! Das CTG läuft jetzt erst einmal so ‘ne halbe Stunde, danach können Sie baden und es sich im Kreißsaal einrichten.

Tom Fischer: Sind Sie jetzt die ganze Zeit bei uns?

Schwester Besir: Ich werde mich zusammen mit Schwester Anja gut um Ihre Frau kümmern, Herr Fischer. Wir haben gerade nur noch 2 weitere Geburtenbetreuung am Laufen und sind mit 4 Kreißsälen gut ausgestattet. Also werde ich viel Zeit für Sie haben.

Tom Fischer: Und was ist mit einem Arzt? Wird meine Frau nicht mehr richtig untersucht?

Schwester Besir: Bei einer normalen Geburt ist das erst einmal nicht notwendig. Aber jetzt lassen Sie uns erst einmal das CTG abwarten. Sorgen Sie jetzt mal dafür, dass Ihre Frau ruhig liegen und sich etwas entspannen kann.

Nach 30 Minuten.

Schwester Besir: Wie geht es Ihnen jetzt, Frau Fischer?

Mike Fischer: (Stöhnt) Bitte nennen Sie mich Mike. Ich habe das Gefühl, dass die Wehen immer stärker werden und die Abstände kürzer.

Schwester Besir: Ja. Das stimmt. Das sehe ich auf dem Ausdruck vom CTG. Aber hier sieht alles bestens aus. Ich kable Sie jetzt mal ab. Wie fühlen Sie sich, wollen Sie vielleicht ein Bad nehmen? Das tut Ihnen sicher gut und lindert den Wehenschmerz etwas.

Mike: Ja, ein Bad klingt jetzt gut.

Tom Fischer: Wie lange wird das denn jetzt dauern bis zur Geburt?

Schwester Besir: Das kann ich Ihnen nicht genau sagen, Tom. So eine Geburt läuft in vier Phasen ab: die sogenannte Eröffnungsperiode, die Übergangsphase, die Austreibungsperiode und die Nachgeburtsperiode. Ihre Frau befindet sich jetzt in der Eröffnungsphase und kann beim ersten Kind bis zu 12 Stunden dauern, der Muttermund muss sich ja auf 10 cm öffnen, das kann dauern.

Tom Fischer: 12 Stunden? Aber hält sie doch nicht durch. Diese schrecklichen Schmerzen. Wäre ein Kaiserschnitt nicht doch besser oder wenigstens eine Betäubung oder ein Schmerzmittel.

Schwester Besir: Jetzt warten wir erst einmal ab, es kann ja auch viel schneller gehen. Wenn wir erst in der Austreibungsphase sind, dauert es nur noch eine Stunde bis das Kind da ist und dann noch etwa eine halbe Stunde bis die Plazenta geboren wird.

Tom Fischer: Aber wenn es nicht mehr geht, bekommt Mike schon ein Schmerzmittel, oder?

Schwester Besir: Sicher. Bei starken Geburtsschmerzen gibt es selbstverständlich eine Schmerztherapie. Wir haben hier auch Alternativen zur Schulmedizin. Schwester Anja hat viel Erfahrung mit Akupunktur. Wenn das nicht wirkt, gibt´s die klassische Schmerztherapie mittels Pudendus- oder Periduralanästhesie. Aber wir haben auch gute Erfolge mit Lachgas.

Mike: Bis jetzt halt ich es auch ohne was aus. Aber eine Massage wäre jetzt toll, Tom.

Schwester Besir: Massage ist eine gute Idee. Ich lass Sie jetzt hier mal kurz alleine im Kreißsaal. Sie können sich frei bewegen. Probieren Sie aus, welche Position Ihnen guttut. Die Wehen sind ein gutes Zeichen. Ihr Baby arbeitet jetzt daran, seinen Weg nach draußen zu finden.

Nach 3 Stunden und 2 weiteren CTGs.

Mike: Ich halt es nicht mehr aus, die Wehen sind so heftig, ich kann nicht mehr.

Schwester Anja: Ja. Jetzt wird’s nochmal ein bisschen stärker, aber das heißt, wir sind jetzt in der Übergangsphase und ich sehe, dass sich jetzt was tut. Der Muttermund öffnet sich langsam. Wenn Sie möchten, mach ich eine kleine Akupunktur, das wird helfen.

Mike: Egal was. Ich halt es nicht mehr aus.

Schwester Anja während der Akupunktur: Besser? Konzentrieren Sie sich jetzt nur noch auf das Atmen, Mike. Einatmen, ausatmen, einatmen, ausatmen. Sehen Sie, Ihr Mann macht mit. Atmen Sie zusammen.

Mike: Aua, jetzt hört es gar nicht mehr auf mit den Wehen.

Schwester Anja: Das sind jetzt die Presswehen, das heißt die Kleine ist jetzt schon an den Beckeneingang gerutscht. Verspüren Sie den Drang zum Pressen?

Mike: Ja. Ich hab‘ das Gefühl ich muss was anschieben.

Schwester Anja: Sehr gut. Jetzt geht´s richtig los. Wollen Sie vielleicht aufstehen oder in den Vierfüßlerstand? Da können Sie besser pressen.

Mike: Ich glaube, ich setze mich am liebsten auf den Gebärhocker, das haben wir schon geübt im Vorbereitungskurs, manno - tut das weh.

Schwester Anja: Geht es noch, oder wollen Sie eine Betäubung?

Mike: Noch nicht.

Schwester Anja: Ich sehe den Kopf. Jetzt pressen Sie bitte auf mein Kommando. Schön langsam und gleichmäßig, ja?

Tom: Wahnsinn. Ich sehe schon den Kopf!

Schwester Anja: Gleich geschafft, noch einmal Pressen, jetzt - hier haben wir die kleine Sophie. Herzlichen Glückwunsch. Ich leg Ihnen Ihr Kind kurz auf den Bauch, dann können Sie sich begrüßen.

Tom: Unglaublich!

Mike: Wahnsinn!

Schwester Anja: So, jetzt können Sie die Nabelschnur durchtrennen, wenn Sie möchten Tom. Dann guckt unsere Ärztin kurz Sophie an und sie kriegt ihre erste Wäsche. In ein paar Minuten sind sie wieder vereint.

Mike: Aber ich hab‘ immer noch so wehenartige Schmerzen, ist das normal?

Schwester Besir: Auch von mir herzlichen Glückwunsch! Ja, die Nachwehen sind normal. Jetzt muss sich noch die Plazenta von der Gebärmutterwand lösen. Wenn Sie Ihr Baby gleich an die Brust anlegen, geht es schneller.

Schwester Anja: So bitteschön, hier kommt Ihr Baby!

 

Unsere Blogautoren: Jana Kirchberger und Markus Ammon

Weiterempfehlen: