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{02} 2018

Anamnesegespräche

In der Abteilung Innere Medizin

Dr. Carlos Sanchez ist vor fünf Jahren aus Chile nach Deutschland gekommen, nachdem er in seiner Heimat bereits als Allgemeinmediziner Berufserfahrung gesammelt hatte. In Deutschland angekommen, brachte er seine Sprachkenntnisse in Kursen auf ein C1-Niveau und legte im Anschluss erfolgreich die Fachsprachprüfung ab. So war der Weg frei, eine Anstellung in einem großen Klinikum zu erhalten und seine Facharztausbildung zum Internisten zu beginnen. Heute sitzt ihm eine junge, neu aufgenommene Patientin, Frau Nuber, gegenüber.

Dr. Sanchez: Guten Tag, Frau Nuber. Mein Name ist Sanchez. Ich bin der diensthabende Arzt hier auf Station und würde jetzt gerne mit Ihnen das Aufnahmegespräch durchführen. Ihre persönlichen Daten liegen mir schon vor, mir fehlen nur noch Angaben zu Gewicht und Körpergröße.

Frau Nuber: Guten Tag, Herr Doktor. Ich bin 1,68 groß und wiege 55 kg.

Dr. S.: Was führt Sie heute zu uns?

Frau N.: Ich bin heute Morgen während der Arbeit umgekippt und musste mich dann übergeben.

Dr. S.: Haben Sie das Bewusstsein verloren? 

Frau N.: Ja, ich war wohl kurz weg, haben die Kollegen gesagt. Und dann war mir so schlecht.

Dr. S.: Hat Sie jemand zu uns gebracht oder sind Sie allein gekommen?

Frau N.: Meine Chefin hat mich gefahren, mir war ja ganz schwarz vor Augen.

Dr. S.: Und geht es Ihnen jetzt besser?

Frau N.: Ja. Jetzt geht’s schon wieder. Ich zittere bloß so.

Dr. S.: Ist Ihnen das früher schon einmal passiert, dass Sie ohnmächtig geworden sind?

Frau N.: Mir war in letzter Zeit schon mal schwindlig, aber so schlimm wars noch nie.

Dr. S.: Gab es außer Ohnmacht und Schwindel noch andere Beschwerden?

Frau N.: Heute morgen nicht. Aber ich fühle mich seit einiger Zeit nicht so richtig fit. Ich bin immer müde und kann mich zu nichts aufraffen. 

Dr. S: Seit wann ist das so?

Frau N.: Seit ungefähr zwei Monaten, glaub ich.

Dr. S.: Ok. Wie steht es mit Ihrem Gewicht? Haben Sie in letzter Zeit merklich zu- oder abgenommen?

Frau N.: Also, ich würd sagen, ich habe eher abgenommen, so 3 bis 4 Kilo.

Dr. S.: In welchem Zeitraum?

Frau N.: Na ja, in den letzten 6 Wochen oder so.

Dr. S.: Gut. Wie sieht es denn mit Ihrer Ernährung aus? Essen und trinken Sie wie immer?

Frau N.: Nein. Ich hab einfach keinen richtigen Appetit mehr. Vielleicht liegt es daran, dass ich so viel trinke.

Dr. S.: Ach so. Wie viele Liter trinken Sie denn pro Tag?

Frau N.: Keine Ahnung. Aber viel mehr als früher. Vielleicht 4 Liter?

Dr. S.: Das ist wirklich viel. Schlafen Sie ausreichend?

Frau N.: Das kann ich nicht gerade behaupten. Jede Nacht muss ich mindestens drei Mal zur Toilette.

Dr. S.: Verstehe. Ist Ihnen da sonst noch was aufgefallen? Sieht der Urin anders aus als früher?

Frau N.: Aussehen nicht. Aber riechen tut er intensiver. Das kann ich gar nicht beschreiben.

Dr. S.: Gut, Frau Nuber. Bevor ich noch weitere Fragen zu Ihrer Krankengeschichte stelle, nehmen wir erst mal eine Blutprobe und machen einen Urintest.

Bitte gehen Sie gleich ins Labor zu Schwester Karin. Wir sehen uns dann später wieder, wenn mir der Befund vorliegt. Haben Sie jetzt noch Fragen?

Frau N.: Wie lange dauert das denn? Kann ich heute noch zurück zur Arbeit?

Dr. S.: Heute wird das nichts mehr mit der Arbeit. Lassen Sie uns erst abklären, was Ihnen fehlt.

Frau N.: Gut. Dann weiß ich Bescheid. Bis nachher.

Wie das Gespräch weitergeht, welche Diagnose Dr. Sanchez stellt und wie er den Fall dem Chefarzt vorstellt, erfahren Sie im nächsten Blogartikel, bis dahin!

Unser Blogautor: Markus Ammon

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