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März 2018

Anamnesegespräche – In der Abteilung Innere Medizin

Aufklärungsgespräch Teil 1

Nachdem die 22-jährige Patientin, Maren Nuber, wegen einer Ohnmacht in der Klinik vorstellig geworden war, führte der diensthabende Arzt, Dr. Sanchez, ein umfassendes Anamnesegespräch durch und veranlasste zur Absicherung seiner Verdachtsdiagnose, Diabetes, ein großes Blutbild. 

Dr. S.: So, Frau Nuber jetzt liegen mir die Laborwerte vor.

Frau N.: Und, was ist jetzt mit mir los?

Dr. S.: Vorweg noch eine kurze Frage: Wann haben Sie denn das letzte Mal etwas gegessen?

Frau N.:  Hm, mir war ja heute Morgen so übel, da hab ich keinen Bissen runtergebracht… also das Abendbrot gestern, so gegen 8 Uhr.

Dr. S.: Gut, danke. Frau Nuber, wir haben bei Ihnen einen stark erhöhten Blutzuckerwert festgestellt.

Frau N.: Wirklich? Was heißt denn das?

Dr. S.: Ihr Wert liegt bei 220 mg/dl, weit über dem normalen Wert, der bei Nüchternmessung nicht über 100 liegen sollte. Im Prinzip kann so eine einmalige Messung immer einen Ausreißerwert darstellen, aber bei Ihnen sprechen viele Symptome für einen Insulinmangel.

Frau N.: Das hatten Sie mir ja schon angedeutet.

Dr. S.: Natürlich machen wir noch weitere Tests. Morgen früh messen wir nochmal den Nüchternglukosewert, dann machen wir einen Glukosetoleranztest und schauen uns den Langzeitblutzuckerwert an, also ob es einen erhöhten HbA1c-Wert gibt. Dieser Wert zeigt an, wie hoch der Blutzucker in den letzten zwei bis drei Monaten im Durchschnitt war.

Frau N.: Muss ich bis morgen in der Klinik bleiben?

Dr. S.: Tatsächlich würde ich Sie bis dahin gerne hierbehalten. 

Frau N.: Ist das echt notwendig?

Dr. S: Frau Nuber, Sie waren heute ohnmächtig und kamen in einem schlechten Zustand hier an. Falls sich meine Diagnose erhärtet, müssen wir so bald wie möglich mit einer Insulintherapie beginnen, deshalb halte ich es für besser, wenn Sie heute Nacht zur Beobachtung in der Klinik bleiben. Bis morgen Mittag haben wir dann alles erledigt und Klarheit.

Frau N.: Gut, ich bitte dann meine Schwester, mir ein paar Sachen zu bringen.

Dr. S.: Nach unserem Gespräch wird sich Schwester Karin um alles kümmern. Haben Sie noch Fragen, Frau Nuber?

Frau N.: Ja, sicher. Was heißt denn überhaupt Insulintherapie? Muss ich da etwa spritzen?

Dr. S.: Im Prinzip ist es zum jetzigen Zeitpunkt noch zu früh für Details, aber ich gebe Ihnen gerne Auskunft: Normalerweise produziert die Bauchspeicheldrüse das lebenswichtige Hormon Insulin und gibt es in das Blut ab. Dort sorgt es dafür, dass der durch Essen und Trinken aufgenommene Zucker in die Körperzellen transportiert und dort in Energie für den Körper umgewandelt wird. Ohne Insulin kann der Zucker im Blut nicht genutzt werden und sammelt sich dort an. Eine sehr hohe Zuckerkonzentration im Blut verursacht eine Reihe von Beschwerden, so wie Ihre Übelkeit, starken Durst und Müdigkeit.

Frau N.: Also muss ich jetzt Insulin spritzen – ja oder nein?

Dr. S.: Das kann ich jetzt noch nicht sicher sagen. Aber wenn die weiteren Untersuchungen Diabetes Typ 1 ergeben, müssen Sie Ihrem Körper täglich Insulin von außen zuführen. Aber keine Angst, da gibt es heute schon sehr praktische, alltagstaugliche Möglichkeiten.

Frau N.: Und wenn ich das nicht mache?

Dr. S.: Ohne Insulinzufuhr von außen kann es zu einer schweren Stoffwechselentgleisung, einer Ketoazidose kommen, Frau Nuber. Diese kann ohne Gegenmaßnahmen auch tödlich enden. Auf Dauer können erhöhte Blutzuckerwerte zudem die Blutgefäße, Nerven und zahlreiche Organe schädigen. Diabetes sollte man also nicht auf die leichte Schulter nehmen.

Frau N.: Das war mir nicht klar.

Dr. S.: So, Frau Nuber, jetzt rufe ich Schwester Karin und die zeigt Ihnen dann Ihr Zimmer. Bitte ruhen Sie sich gut aus und machen Sie sich keine zu großen Sorgen, bei uns sind Sie in guten Händen. 

Frau N.: Danke. Darf ich jetzt eigentlich etwas essen?

Dr. S.: Ein leichtes Abendbrot vor 19 Uhr ist für heute in Ordnung. Nur morgen dürfen Sie vor der Blutabnahme nichts zu sich nehmen. Bitte auch keinen Kaffee mit Milch oder Zucker. Bleiben Sie nüchtern.

Frau N.: Gut. Verstehe.

Dr. S.: Dann sehen wir uns morgen früh, Frau Nuber!


Unsere Blog-Autoren: Jana Kirchberger und Markus Ammon

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