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April 2018

Anamnesegespräche – In der Abteilung Innere Medizin (Fortsetzung)

Aufklärungsgespräche zum Abschluss bringen.

Bei der 22-jährigen Patientin Maren Nuber liegt Verdacht auf Diabetes vor. Nach einer Ohnmacht hat sie die Nacht in der Klinik verbracht, am nächsten Morgen werden diverse Tests durchgeführt, im Anschluss bespricht der behandelnde Arzt, Dr. Sanchez, die Untersuchungsergebnisse mit der Patientin.

Dr. S.: Frau Nuber, uns liegen nun die Ergebnisse der Nüchternglukosewertmessung und vom Glukosetoleranztest vor. Der Nüchternglukosewert liegt bei 298 mg/dl und der HbA1c-Wert, also der Langzeitblutzuckerwert, beläuft sich auf 12 %.

Frau N.: Sind das hohe Werte?

Dr. S.: Ja, eindeutig. Außerdem haben wir Antikörper gegen Insulin im Blutbild gefunden. Das spricht sehr für einen Diabetes Typ 1.

Frau N.: Und was heißt das für mich?

Dr. S.: Früher hat man das Jugenddiabetes genannt, Frau Nuber. Die meisten Typ 1-Patienten erkranken vor ihrem 25. Lebensjahr, so wie Sie. Dabei handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung. Ihr eigenes Immunsystem zerstört die Inselzellen in der Bauchspeicheldrüse, die das Hormon Insulin herstellen. Es entsteht deshalb ein Insulinmangel.

Frau N.: Und wie kann das behandelt werden?

Dr. S.: Um die erhöhten Blutzuckerspiegel zu behandeln, müssen Sie Ihrem Köper von nun an täglich Insulin zuführen.

Frau N.: Mit Tabletten?

Dr. S.: Das ist leider nicht möglich. Insulin können Sie entweder spritzen oder mit einer Pumpe zuführen.

Frau N.: Und wie lange muss ich das machen? Wann bin ich wieder gesund?

Dr. S.: Tatsächlich ist Diabetes Typ 1 bislang unheilbar, aber durch eine gesunde Lebensweise mit der richtigen Ernährung und einer guten medikamentösen Einstellung ist ein normales Leben möglich.

Frau N.: Nicht heilbar? Heißt das, ich muss bis an mein Lebensende Insulin spritzen?

Dr. S: Frau Nuber, ich verstehe, dass Sie das erschreckt, aber ich bin sicher, Sie werden sich schnell an die neue Situation gewöhnen. Über 300.000 Menschen in Deutschland sind wie Sie davon betroffen.

Frau N.: Ein schwacher Trost …

Dr. S.: Wir haben zwei Möglichkeiten: Sie spritzen es mithilfe eines Pens, einem füllfederhalterähnlichen Injektionsgerät, oder Sie benutzen eine Insulinpumpe. Diese wird am Körper getragen und gibt laufend eine kleine Menge an Insulin ins Blut ab. Das zu den Mahlzeiten benötigte Insulin lässt sich zudem mittels Knopfdruck abgeben. Die Krankenkassen übernehmen die Kosten für dieses Therapiegerät in bestimmten Fällen.

Zusätzlich müssen Sie regelmäßig Ihren Blutzucker überprüfen und den Kohlenhydratgehalt Ihrer Mahlzeiten abschätzen, um die dadurch benötigte Insulinmenge berechnen zu können.

Frau N.: Und wie soll ich das machen? Das kann ich doch gar nicht!

Dr. S.: Machen Sie sich keine Sorgen, Frau Nuber. Sie lernen den Umgang mit Spritze oder Pumpe in einer speziellen Schulung hier bei uns in der Klinik. Sie werden sehen, das ist eigentlich keine große Sache.

Frau N.: Wann soll das sein?

Dr. S.: Gleich im Anschluss an unser Gespräch wird sich Schwester Gaby mit Ihnen zusammensetzen und Ihnen alles genau erklären und zeigen.

Frau N.: Ich muss Ihnen etwas gestehen, Herr Doktor: Seit meiner Kindheit habe ich panische Angst vor Spritzen.

Dr. S.: Dann ist die Behandlung mit einer Insulinpumpe wohl die bessere Option. Sie müssen nicht spritzen und die Pumpe kann unauffällig unter der Kleidung getragen und per Fernbedienung bedient werden. Sie hilft Ihnen, den Alltag freier zu gestalten, denn Sie können entscheiden, was, wann, wie häufig und wie viel Sie essen möchten, morgens ausschlafen und spontan Sport treiben.

Es gibt aber auch einige Nachteile: Die Pumpe muss kontinuierlich am Körper getragen werden und kann nur kurzzeitig abgekoppelt werden, wenn sie bei bestimmten Aktivitäten stört, wie zum Beispiel beim Baden. Sie müssen dazu bereit und in der Lage sein, sich selbstständig mit Ihrer Therapie im Alltag zu befassen und auseinanderzusetzen. Die Pumpentherapie ist relativ teuer. Da müssen wir bei Ihrer Kasse einen Antrag stellen und das kann leider dauern.

Frau N.: Alles ist besser als zu spritzen.

Dr. S.: Erst einmal kommen wir leider nicht darum herum, Frau Nuber. Lassen Sie sich alles in Ruhe von Schwester Gaby zeigen. Das klappt sicher.

Frau N.: Da bleibt mir wohl nichts anderes übrig, oder?

Dr. S.: Sie werden sehen, dass es Ihnen bald besser gehen wird. Die Symptome, die Sie mir gestern genannt haben, werden verschwinden und Sie werden wieder mehr Energie verspüren. Bitte vereinbaren Sie gleich einen Termin in zwei Wochen, dann sehen wir weiter.

Dr. S.: Gut, mache ich. Danke, Herr Doktor. Bis dann.

Unsere Blog-Autoren: Jana Kirchberger und Markus Ammon

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