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März 2020

Adipositas II

Aufklärung über mögliche Operationen

Die an Adipositas leidende Patientin Frau Feuerbeck hofft darauf, durch eine operative Magenverkleinerung ihr Übergewicht endlich in den Griff zu bekommen. In einem vor einer Woche stattgefundenen Anamnesegespräch wurde ihr von der stationsleitenden Ärztin des Adipositaszentrums, Frau Dr. Miller, geraten, andere therapeutische Behandlungsmöglichkeiten auszuschöpfen, bevor möglicherweise ein Eingriff durchgeführt werden würde. Heute findet sich Frau Feuerbeck zu einem erneuten Gespräch in der Adipositassprechstunde ein.

Dr. Miller: Guten Tag Frau Feuerbeck. Wie geht es Ihnen denn heute?

Frau Feuerbeck: Nicht so gut. Mir war heute Morgen nach dem Aufstehen sehr schwindlig und ich war auch etwas kurzatmig.

Dr. Miller:  Ja, dann messen wir gleich mal den Blutdruck…
Frau Miller misst den Blutdruck mit einem Messgerät.
140 zu 90. Der ist noch im Normalbereich.

Frau Feuerbeck: Na ja. Aber so kann das mit mir nicht weitergehen.

Dr. Miller: Richtig, Frau Feuerbeck. Ich habe vorhin Ihren Fall mit der Ernährungsberaterin Frau Vogel besprochen. Sie waren ja letzte Woche bei ihr und waren jetzt eine Woche lang täglich über die Ernährungs-App mit ihr in Kontakt.

Frau Feuerbeck: Ja. Das fand ich gut. Ich habe einfach alles, was ich gegessen habe, eingetragen.

Dr. Miller: Das haben Sie gut gemacht. Und wir können sehen, dass sich Ihre tägliche Kalorienaufnahme laut Ihren Angaben durchschnittlich auf 2000 Kalorien beläuft. Das entspricht Ihrem Grundumsatz gemäß Ihrem Alter und anderen Parametern wie Geschlecht und Körpergröße.

Frau Feuerbeck: Ja. Ich esse sicher nicht mehr als andere. Aber ich lege trotzdem nur vom Ansehen des Essens zu.

Dr. Miller: Sie haben hier auch Ihre Bewegung und tägliche Aktivitäten eingetragen. Da steht nichts außer dem Weg zur Arbeit und zurück.

Frau Feuerbeck: Mehr geht beim besten Willen nicht. Ich laufe insgesamt einen Kilometer pro Tag. Zu mehr habe ich nicht die Kraft. Deshalb will ich ja auch endlich die Operation, damit ich fitter werde und mehr Sport machen kann. Ich möchte jetzt wirklich nicht mehr länger warten!

Dr. Miller: Ich verstehe Ihren Wunsch, Frau Feuerbeck und deshalb wollten wir ja heute nochmal sprechen, welche operativen Möglichkeiten einer Magenoperation bestehen.

Frau Feuerbeck: Gut. Was gibt es denn noch außer einer Magenverkleinerung?

Dr. Miller: Da gibt es erst mal die Magenband-OP. Dabei wird der Magen mit einem elastischen Band eingeschnürt und künstlich verkleinert. Das Magenband besteht aus Silikon und wird ringförmig um den Mageneingang gelegt. Der dadurch entstehende Vormagen kann dann nicht mehr so viel Nahrung aufnehmen und man ist schneller satt.  Der Vorteil ist, dass dieser Eingriff rückgängig gemacht werden kann. Durch das Magenband ist eine Gewichtsreduktion von 10 bis 25% im ersten Jahr zu erwarten, im zweiten und dritten Jahr geht das Gewicht nochmal etwas zurück.

Frau Feuerbeck: Also höchstens ein Viertel weniger. Da wäre ich ja immer noch bei über 90 Kilo. Das reicht mir nicht.

Dr. Miller: Wenn die Gewichtreduktion nicht ausreicht, kann dann immer noch eine Magenverkleinerung erwogen werden. Aber auch eine Magenband-OP hat Nebenwirkungen wie Sodbrennen und Erbrechen. Außerdem kann das Magenband verrutschen, einwachsen oder einreißen.

Frau Feuerbeck: Puh. Und was gibt es sonst noch?

Dr. Miller: Die Schlauchmagen-Operation, sprich die Magenverkleinerung: Dabei wird der Magen operativ verkleinert. Etwa drei Viertel des Magens werden abgetrennt und entfernt. Da die Form des Magens danach einem Schlauch ähnelt, wird der Eingriff manchmal Schlauchmagen-Operation genannt.

Frau Feuerbeck: Und wie viel nehme ich damit ab?

Dr. Miller: Im ersten Jahr so um die 25-30% des Körpergewichts und in den Folgejahren ungefähr 15-20%.

Frau Feuerbeck: Das klingt schon besser. Eine Freundin von mir hat durch die Magen-OP richtig viel abgenommen. Aber jetzt verliert sie ihre Haare.

Dr. Miller: Ja, das ist leider eine der Nebenwirkungen, mit denen Sie nach einer Magenverkleinerung rechnen müssen. Beispielsweise könnten auch die Operationsnähte am Magen undicht werden und einen weiteren Eingriff erforderlich machen. Und eine Magenverkleinerung kann nicht rückgängig gemacht werden.

Frau Feuerbeck: Sie sprachen noch von einer dritten Option?

Dr. Miller: Der Magenbypass. Hierbei wird zusätzlich zur Magenverkleinerung der Verdauungsweg verkürzt, sodass der Körper weniger Nährstoffe und Kalorien aus dem Essen aufnehmen kann. Aber das wird nur gemacht, wenn Patienten nach einer Schlauchmagen-OP nicht genug abgenommen haben. Diese OP ist etwas aufwendiger und komplizierter, weil die Nahrung dann zum größten Teil am Magen vorbei geleitet wird. Aber langfristig ist diese OP am effektivsten. Aber natürlich birgt auch dieser Eingriff Komplikationen, wie beispielsweise das Dumping-Syndrom.

Frau Feuerbeck: Oh, das möchte ich gar nicht so genau wissen ... Ich bin mir gar nicht mehr so sicher mit einer Operation.

Dr. Miller: Nur noch eins, Frau Feuerbeck: Eine Operation führt zwar zu einer deutlichen Gewichtsabnahme, aber auch nach einem Eingriff müssen Sie in jedem Fall mit Verdauungsproblemen und Mangelerscheinungen rechnen, eben zum Beispiel den Haarausfall. So kann etwa auch die Bildung von Gallensteinen nicht ausgeschlossen werden. Sie werden Ihre Ernährung komplett umstellen und regelmäßige Kontrolluntersuchungen wahrnehmen müssen. Und es kann auch sein, dass Sie nach einer Weile wieder zunehmen.

Frau Feuerbeck: Ok. Das war mir alles nicht so klar.

Dr. Miller: Frau Feuerbeck, Sie sind zwar mit einem BMI von 44,3 stark übergewichtig, aber mit 28 Jahren noch jung und Ihre Begleiterscheinungen sind noch im Rahmen. Sie leiden weder an Diabetes noch an anderen Vorerkrankungen. Ihre Schilddrüse hat sich bei der Diagnostik als unauffällig erwiesen und Ihr Blutdruck liegt noch im Normalbereich. Ich an Ihrer Stelle würde es wirklich noch einmal mit einer langfristigen Diät unter ärztlicher Aufsicht probieren. Sie sind doch bei der gesetzlichen Krankenkasse versichert, oder? Die bieten Patient*innen bei einem BMI ab 40 eine Kur von 3 Wochen an. Das könnte doch eine Chance sein, es nochmal auf konservativem Weg zu probieren. Was meinen Sie?

Frau Feuerbeck:  Eine Kur? Das habe ich noch nicht ausprobiert.

Dr. Miller: Sehen Sie! Wollen wir gemeinsam den Antrag stellen? Und wenn das nicht klappt, dann finden wir eine operative Lösung, einverstanden?

Frau Feuerbeck: Gut. Wann geht die Kur los?


Unsere Blogautoren: Jana Kirchberger und Markus Ammon



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