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März 2020

Adipositas I

Ist eine Operation sinnvoll für Frau Feuerbeck?

Frau Feuerbeck leidet schon seit Langem unter ihrem starken Übergewicht und ist von ihrem Hausarzt zu einem Beratungsgespräch in einem Adipositaszentrum überwiesen worden. Heute stellt sie sich der stationsleitenden Ärztin Frau Dr. Miller vor.

Dr. Miller: Guten Tag Frau Feuerbeck. Schön, dass Sie zu uns gefunden haben.

Fr. Feuerbeck: Ja, ich freue mich auch. Hätte ich gewusst, dass es so eine spezielle Klinik für Übergewichtige gibt, dann wäre ich schon längst bei Ihnen gewesen.

Dr. Miller: Sie haben eine Überweisung von Ihrem Hausarzt, richtig?

Fr. Feuerbeck: Ja. Dr. Berger hat Sie mir empfohlen. Ich will ja endlich eine Magen-OP und mein Arzt wollte, dass ich mich erst mal bei Ihnen schlau mache.

Dr. Miller: Tja, da sind Sie richtig hier. Bevor wir über eine eventuelle OP sprechen, Frau Feuerbeck, möchte ich Sie erst etwas besser kennenlernen und brauche ein paar Eckdaten. Ist das in Ordnung für Sie?

Fr. Feuerbeck: Natürlich. Dafür bin ich ja hier.

Dr. Miller: Ihre persönlichen Daten liegen mir ja hier schon vor. Wie ist denn ihr aktuelles Gewicht?

Fr. Feuerbeck: Momentan wiege ich 125 Kilo.

Dr. Miller: Gut. Und wie groß sind Sie?

Fr. Feuerbeck: Eins achtundsechzig.

Dr. Miller tippt in sein Handy…: Da wäre wir dann bei einem BMI von 44,3. Das entspricht einer Adipositas Grad drei. Seit wann sind Sie übergewichtig, Frau Feuerbeck, schon seit Ihrer Kindheit?

Fr. Feuerbeck: Also, wenn ich mir meine Kinderfotos ansehe, dann würde ich sagen, dass ich bereits als Kleinkind mollig war und auch später in der Schule war ich immer die Dickste in der Klasse.

Dr. Miller: Können Sie sich daran erinnern, wie viel Sie als Jugendliche, so mit sechzehn Jahren, gewogen haben?

Fr. Feuerbeck: Ja. Da war bereits immer meine Sorge, nicht die 100 Kilo zu überschreiten.

Dr. Miller: Seit wann wiegen Sie mehr als 100 Kilo?

Fr. Feuerbeck: Mit Anfang zwanzig war es schon so weit.

Dr. Miller: Sind die 125 Kilo Ihr bisheriges Höchstgewicht?

Fr. Feuerbeck: Ja. So viel wiege ich jetzt seit einem Jahr. Immerhin kann ich dieses Gewicht halten.

Dr. Miller: Sie haben sicher schon selbst Versuche unternommen, um abzunehmen?

Fr. Feuerbeck: Ja. Ich hab‘ schon alle Diäten durch, von Weight Watchers bis Kohlsuppe – nicht mal die Brigitte Diät hat bei mir geholfen.

Dr. Miller: Verstehe. Was machen Sie beruflich, Frau Feuerbeck?

Fr. Feuerbeck: Ich bin Kassenkraft in einem Supermarkt.

Dr. Miller: Da haben Sie nicht viel Bewegung, oder?

Fr. Feuerbeck: Nee, ich sitze den ganzen Tag. Aber ich muss sagen, ich könnte gar keinen Job machen, bei dem ich viel laufen oder stehen muss.

Dr. Miller: Ok. Haben Sie es früher schon mal mit Sport versucht?

Fr. Feuerbeck: Ja, aber das hat gar nichts gebracht.

Dr. Miller: Welche Sportarten waren das denn?

Fr. Feuerbeck: Schwimmen bin ich gegangen, jede Woche, aber außer Fußpilz hat sich da nichts getan.

Dr. Miller: Na gut. Haben Sie momentan konkrete gesundheitliche Beschwerden? Etwa Schmerzen beim Laufen oder Probleme beim Luftholen? Und wie ist es mit dem Schlaf?

Fr. Feuerbeck: Also, das Laufen fällt mir immer schwerer und ich werde schnell kurzatmig, besonders beim Treppensteigen. Schlafen tue ich schlecht. Das geht nur noch auf dem Rücken und morgens fühle ich mich oft total zerschlagen.

Dr. Miller: Ja, das sind normale Begleiterscheinungen Ihres Übergewichts. Von Diabetes hat Dr. Berger nichts geschrieben. Das ist schon mal gut, dass Sie noch nicht an Diabetes erkrankt sind. Auffällig hohen Blutdruck haben Sie auch nicht. Das sind schon gute Voraussetzungen. Haben Sie irgendwelche Vorerkrankungen? Hatten Sie schon mal eine Operation?

Fr. Feuerbeck: Nee, nur der Blinddarm wurde mir als Kind entfernt, sonst nichts.

Dr. Miller: Und wie sieht es mit der Schilddrüse aus? Wurde die schon untersucht?

Fr. Feuerbeck: Nicht, dass ich wüsste.

Dr. Miller: Ja, die müssten wir uns auf jeden Fall noch mal ansehen. Sind Ihre Eltern auch übergewichtig?

Fr. Feuerbeck: Die ganze Familie ist gut beieinander. Allerdings bin ich die Schwerste unter uns Geschwistern.

Dr. Miller: Wie viele Geschwister haben Sie?

Fr. Feuerbeck: Einen älteren Bruder, der ist kräftig, aber durch seine Arbeit auf dem Bau kann er sein Gewicht ganz gut halten. Meine jüngere Schwester wiegt so um die 100 Kilo, die kommt wohl nach mir.

Dr. Miller: Ok, vielen Dank erst einmal für die Angaben, Frau Feuerbeck. Ich habe jetzt ein besseres Bild.

Fr. Feuerbeck: Ja und was ist jetzt mit meiner OP?

Dr. Miller: Ich verstehe Ihren Leidensdruck und ich sehe eine OP auch als letzte Möglichkeit, Ihnen zu einem Normalgewicht zu verhelfen. Allerdings ist das kein kleiner Eingriff und das erlaubt keine leichtfertige Entscheidung. Es gibt unterschiedliche Arten von Eingriffen, vom Magenband über den Schlauchmagen bis hin zum Magenbypass. Bevor wir uns für eine Operation entscheiden, müssen wir sicher gehen, dass alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft sind. Sonst bezahlt das Ihre Krankenkasse auch gar nicht.

Fr. Feuerbeck: Aber ich hab doch schon alles probiert.

Dr. Miller: Das glaube ich Ihnen. Aber eine Operation muss gut überlegt sein und davor genauso wie danach ist der Erfolg von Ihrer ganz aktiven Mitarbeit abhängig. Ich würde Sie jetzt gerne erst einmal untersuchen. Im Anschluss wartet unser Ernährungsberaterin, Frau Vogel schon auf Sie. Von ihr erhalten Sie ein sogenanntes Ernährungstagebuch, in dem Sie bitte über die nächste Woche alles notieren, was Sie zu sich nehmen. Wir sehen uns dann in einer Woche wieder und besprechen das dann. Und was ich Ihnen auch noch ans Herz legen möchte, ist der Besuch eine unserer Selbsthilfegruppen.

Fr. Feuerbeck: Was, ich bin doch nicht verrückt!

Dr. Miller: Natürlich nicht. Aber in der Selbsthilfegruppe lernen Sie Menschen kennen, die wie Sie schon länger unter Adipositas leiden oder bereits eine OP hinter sich haben. Das bietet Ihnen viele wertvolle Informationen. Nur Mut!


Unsere Blogautoren: Jana Kirchberger und Markus Ammon



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