arrow-down arrow-to-left arrow-to-right arrow-up bc-left check delete download facebook google-plus home map menu print search smiling three-lines top-left twitter youtube
Mai 2020

Auf der Entbindungsstation II

Das Baby Sophie ist da...

Soeben ist Sophie, das Kind von Mike und Tom Fischer, auf der Entbindungsstation einer städtischen Klinik zur Welt gekommen. Die beiden Hebammen Anja und Besir haben die Geburt begleitet und Schwester Besir kümmert sich nun um die frischgebackenen Eltern und das Neugeborene.


Tom Fischer: Ich kanns noch gar nicht glauben, jetzt ist sie da!

Schwester Besir: Ja, alles glatt verlaufen, gratuliere Ihnen beiden nochmal!

Mike Fischer: Endlich bist du bei mir auf dem Arm, Sophie, da haben wir ganz schön lang drauf gewartet, was?

Tom: Wie geht’s denn jetzt weiter? Ich glaub, ich muss mich erst mal setzen…

Schwester Besir: Sie entspannen sich jetzt erst mal beide und genießen die ersten Momente mit Ihrer Tochter.
Wendet sich an den Vater: Im Anschluss können Sie mich gern begleiten bei der Erstuntersuchung von Sophie. Wir waschen die Kleine und nehmen einen Apgar-Test vor.

Mike: Ja, das ist gut, wir wollen ja gleich wissen, ob auch wirklich alles in Ordnung ist.

Schwester Besir: Na, dann kommen Sie mal, Herr Fischer, das wollen Sie sicher nicht verpassen.

Tom: Natürlich, ich trag Sophie. So, ganz vorsichtig, Hand hinter den Kopf, ok, …
geht mit Schwester Besir ins Nebenzimmer
Was machen Sie denn da jetzt genau?

Schwester Besir: Frau Apgar war Anästhesistin und sie hat den Standard der Erstuntersuchung geprägt. Tatsächlich nutzen wir ihren Namen weiter als Eselsbrücke:
Aussehen, Puls, Gesichtsbewegungen, Aktivität und Respiration. Na dann schauen wir doch mal: So, ganz rosig ist die Sophie, also gute Durchblutung. Und der Puls… prima über 100.
Das Gesichtchen ist ja schon die ganze Zeit ganz schön in Bewegung, und kräftig gebrüllt hat sie auch bei ihrem ersten Auftritt. Jetzt, wo wir sie mal ausgepackt haben, sehen Sie auch, wie viel sie strampelt. Und als letzter Checkpunkt wäre da noch die Atmung, wir horchen mal ab: Wunderbar, ganz regelmäßig und tief.

Tom: Also alles gut mit ihr?

Schwester Besir: Ja, ich kann Sie beruhigen, alles bestens.

Tom: Gott sei Dank, und Mike wird erleichtert sein. Diese Unsicherheit vorher war einfach schwer auszuhalten.

Schwester Besir: Das ist ganz normal, und in der Regel geht es den Kleinen ja auch gut. Dann gehen wir mal zurück zur Mutter, ja?

Mike: Und, wie geht’s unserem Kind?

Tom: Dem geht’s blendend, aber wie steht’s denn mit dir? 

Mike: Ich glaub, die ganzen Glückshormone halten mich erstmal noch auf Trab, eigentlich müsste ich total am Ende sein.

Schwester Besir: Tja, wenn der Motor erst mal in Schwung gekommen ist bei einer Geburt, braucht er erst eine Weile, um wieder auf Normal zurückzufahren. Haben Sie Schmerzen, Mike? Wir haben ja eine kleine Naht bei Ihrem Dammriss machen müssen.

Mike Fischer: Noch merk ich das kaum, aber das kommt bestimmt noch, oder?

Schwester Besir: So dramatisch wird’s nicht werden, ein wenig ziehen kann es. Geben Sie bitte Bescheid, wenn die Schmerzen stark werden sollten. Wollen wir die Kleine gleich mal anlegen?

Mike: Ja, unbedingt. Die muss ja einen Bärenhunger haben.

Schwester Besir: Dann probieren wir es mal. 

Mike: So, komm mal her, …. legt das Kind an die Brust, wechselt die Position und dann die Seite …hm, so richtig klappt das noch nicht, es kommt so wenig Milch.

Schwester Besir: Naja, alles Premiere gerade, was? Haben Sie etwas Geduld mit sich und dem Kind, das muss sich erstmal einspielen. Wir probieren das in regelmäßigen Abständen, machen Sie sich keine Sorgen, das kriegen wir schon hin.

Tom: Und wenn nicht, dann kannst du doch auch abpumpen, oder?

Schwester Besir: Sicher. Aber besser ist es direkt an der Quelle. Wir schaffen das schon. Wie haben Sie den weiteren Verlauf für sich jetzt eigentlich geplant, haben Sie unser Elternzimmer gebucht? Oder wollen Sie bald nach Hause?

Mike: Nein, Sophie kann ja hier bei mir bleiben, nach dem Rooming-In hatten wir uns ja schon erkundigt.

Tom: Genau, und für mich als Vater, ich muss mich ja nicht an die Besuchszeiten halten, oder?

Schwester Besir: Das stimmt, sie haben immer Zugang hier. Die nächsten 24 Stunden werden wir Mutter und Kind sowieso hierbehalten, um sicherzustellen, dass es nicht zu Komplikationen kommt.

Tom: Du wolltest doch sowieso ein paar Tage bleiben, oder Mike? Was kann uns denn da bevorstehen?

Schwester Besir: Natürlich schauen wir regelmäßig nach den Vitalfunktionen der kleinen Sophie. Aber auch Sie, Mike, müssen sich erstmal von den Strapazen erholen. Sie werden es die nächsten Wochen mit Nachblutungen zu tun haben, dem sogenannten Wochenfluss. Zu Beginn und für einige Tage wird es relativ stark bluten, und Sie werden auch Klümpchen bemerken. Das ist ganz normal. Eine Komplikation wäre, wenn der Wochenfluss stockt oder gar aussetzt. Dann kann es zu Infektionen kommen, dem Kindbettfieber.

Mike: Ja, davon hab‘ ich natürlich schon gehört. Wie lange sollten denn die Blutungen dauern?

Schwester Besir: So nach sechs Wochen versiegt der Blutfluss, dann ist die Plazenta vollständig von der Gebärmutter abgelöst und ausgeschieden. Wenn das deutlich früher aufhört oder das Sekret anders aussieht und stark riecht, sollten Sie unbedingt gleich zu Ihrer Frauenärztin gehen, ein Wochenflussstau ist nicht ungefährlich.

Mike: Ich geh auf jeden Fall zur Rückbildungsgymnastik.

Schwester Besir: Das ist sehr gut, da beugen Sie vielen Problemen vor. Und allein schon immer wieder auf den Bauch legen, regt die Gebärmutter zur Rückbildung an. Aber kommen Sie erst mal zur Ruhe, für die Gymnastik ist noch in drei, vier Wochen genug Zeit.

Mike: Können wir mal ein Fenster aufmachen, ich schwitze wie in der Sauna!

Schwester Besir: Und auch das wird Sie die nächste Zeit noch begleiten - bedingt durch die hormonelle Umstellung werden Sie Hitzewallungen ähnlich wie in den Wechseljahren haben.

Tom: Ist doch super, dann kannst du mal die Wärmflasche weglassen.

Mike: Vielen Dank für’s Mitgefühl, lacht.

Schwester Besir: lacht. Na, ich seh‘ schon, Ihnen geht’s gut, ich lass Sie jetzt mal in Ruhe und schau später wieder vorbei. Die nächsten drei, vier Tage können Sie dann mit unserer Unterstützung hier in der Klinik rechnen.

Mike: Das ist so beruhigend, vielen Dank. Und für die erste Zeit zu Hause kommt ja unsere Hebamme Johanna. Jetzt freu ich mich einfach auf unsere Zeit zu dritt!

 

Unsere Blogautoren: Markus Ammon und Jana Kirchberger

Weiterempfehlen: