PERSPEKTIVWECHSEL Netzwerke aufgebaut, die für den Start und die erfolg reiche Durchführung der Projekte unerlässlich sind. Die Ein schät- zungen des Auswärtigen Amts und der Deutschen Botschaf- ten in den jeweiligen Ländern zu den Rahmenbe dingungen für die Realisierung unseres Vorhabens sind dabei ein wichtiger Wegweiser. Welche Sprache sprechen Sie in der Zusammenarbeit meistens – Deutsch, Englisch oder manchmal auch eine ganz andere Sprache? Die Gespräche finden hauptsächlich auf Deutsch statt. Es kommt jedoch auch darauf an, in welcher Konstellation ich mich befinde. Es gibt beispielsweise Situationen, in denen je nach Zusammensetzung der Teilnehmenden innerhalb einer Sitzung zwischen Deutsch und Englisch gewechselt wird oder ausschließlich Englisch gesprochen wird. Im Rahmen einer Dienstreise nach Tadschikistan habe ich zudem meine Mutter - sprache Farsi gesprochen. Beide Sprachen, Farsi und Tadschi- kisch, gehören zur persischen Sprachfamilie und können von den Nutzer:innen gut verstanden werden, auch wenn teil weise semantische und syntaktische Abweichungen auftreten. Das ist spannend! Wie sieht so eine Dienstreise typischer- weise aus? Dienstreisen sind in der Regel intensiv und eindrucksvoll. Man hat die Möglichkeit, innerhalb sehr kurzer Zeit viele unterschiedliche Perspektiven auf das Land sowie auf die Situation von Deutsch als Fremdsprache zu gewinnen. Selbst- verständlich ist der Zeitdruck dabei hoch und man geht oft von einem Termin zum nächsten. Positiv ist, dass man mit zahlreichen Ideen für die Fortsetzung der Zusammenarbeit nach Deutschland zurückkehrt und klarer weiß, wie man weiterverfahren sollte. Außerdem lernt man allmählich, dass es wichtig ist, der eigenen Stereotypisierung des Gastlandes und seiner Bewohner:innen entgegenzuwirken. Dazu gehört etwa, sich bewusst mit unter- schiedlichen Perspektiven auseinanderzusetzen, vielfältige Informationsquellen zu nutzen und eigene Vorannahmen kritisch zu hinterfragen. Offenheit für neue Erfahrungen hilft zusätzlich dabei, ein differenzierteres Bild zu entwickeln. Muss man für solche Projekte unbedingt vor Ort sein – oder können bestimmte Teile, etwa Fortbildungen für Lehrkräfte, auch digital stattfinden? Die persönliche Präsenz unserer Referent:innen im Zielland hat zwar große Vorteile, kann jedoch in vielen Fällen effizient durch digitale Lösungen ergänzt oder teilweise ersetzt werden. „Ich bin davon überzeugt, dass sich ein Großteil der Lehrkräfte fortbildung auch online umsetzen lässt – vorausgesetzt, Aspekte wie Interaktion und zwischenmenschliche Beziehungen werden dabei nicht vernachlässigt.“ Auf der anderen Seite darf man nicht vergessen, dass es ge- rade für internationale Lehrkräfte wichtig ist, die Möglichkeit zu haben, nach Deut schland zu kommen, um Kultur und Landes- kunde unmittelbar zu erleben. Diese Aspekte halte ich für besonders wichtig. Sie arbeiten mit Partnern in ganz unterschiedlichen Regionen der Welt. Wie stark unterscheiden sich die Projekte – und die Bedingungen für Deutschlehrkräfte – von Land zu Land? Auffällige Faktoren sind natürlich die Lerngewohnheiten und die unterschiedlichen Ressourcen, von denen die jeweiligen Lehrkräfte – je nach Umfeld – geprägt sind. Ich würde die Unter schiede jedoch nicht primär von Land zu Land kategori- sieren, sondern eher vom Erfahrungshintergrund, den die Lehrkräfte mitbringen. Betrachtet man die Situation auf diese Weise, lässt sich feststellen, dass die verschiedenen Gruppen von Lehrkräften viele Gemeinsamkeiten aufweisen. Somit bleibt das Thema Heterogenität in jeder Konstellation beste- hen, auch wenn ihr Ausmaß variiert. Wenn es um die Qualifizierung von Deutschlehrkräften geht: Für welche Themen interessieren sich Institutionen und Lehrkräfte derzeit besonders? Deutschland ist mittlerweile ein attraktives Einwanderungs- land für Fachkräfte geworden. Daher ist es für Bildungsinstitu- tionen im Ausland besonders relevant, ihre Deutschlehrkräfte didaktisch und methodisch so weiterzubilden, dass sie quali- tativ hochwertigen Deutschunterricht vermitteln können, damit internationale Fachkräfte möglichst schnell in ihren Beruf in Deutschland einsteigen können. Gleichzeitig besteht ein großer Bedarf, mit der Dynamik unserer modernen Welt Schritt zu halten. Das bedeutet, dass sich Lehr- kräfte möglichst effizient neue Inhalte aneignen und diese an ge messen anwenden möchten. In diesem Zusammenhang gewinnt auch der kompetente Umgang mit KI zunehmend an Bedeutung. Wenn Sie auf Ihre bisherigen Projekte und Reisen zurück blicken: Was war für Sie persönlich das spannendste Erlebnis? Im Rahmen einer Dienstreise nach Duschanbe, die Hauptstadt von Tadschikistan, habe ich bei einem Empfang der Deutschen Botschaft eine Gruppe kompetenter und engagierter tadschi- kischer Deutschlehrkräfte kennengelernt. Iraner:innen und Tad schiker:innen verstehen sich sprachlich in der Regel prob- lemlos. In diesem besonderen Kontext haben wir jedoch mehrfach ins Deutsche gewechselt, sobald wir über Unter- richtssituationen sprechen wollten. Es war für mich sehr spannend zu beobachten, wie stark Deutsch uns als Nicht- Erstsprachler:innen im Bereich der didaktischen und metho- dischen Terminologie geprägt hat, sodass wir lieber auf unsere Erstsprachen verzichtet haben. Vielen Dank für das Gespräch! 53