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Oktober 2017

Möglichkeiten und Grenzen sinnvoller Teilnehmerberatung

Kursleitende als Ansprechpartner und Berater

Die Lebensumstände der Kursteilnehmenden in den Integrationskursen sind oft von aufenthaltsrechtlichen Fragen, Fragen der Arbeitsaufnahme oder beruflichen Anerkennung, dem Schulbesuch der Kinder oder der Selbstorganisation geprägt. Mitunter spielen finanzielle Schwierigkeiten eine Rolle oder auch psychische und gesundheitliche Folgen der Auswanderung, Flucht und des Neubeginns. Diese Realität der Teilnehmenden ist vom Deutschlernprozess nicht abzukoppeln.

Kursleitende sind also nicht nur Vermittler der deutschen Sprache, sondern oftmals der erste Ansprechpartner und Berater bei vielen dieser Probleme. Auch wenn Teilnehmende im Unterricht nicht mehr konzentriert mitarbeiten oder aufgrund von Problemen der alltäglichen Lebensregelung häufig den Unterricht versäumen, bis dahin, dass ein Kursabbruch droht, stehen Beratungsgespräche an, um herauszufinden, an welcher Stelle es hakt.

Allerdings sollte man sich hier seiner Grenzen bewusst sein. In Beratungssituationen kann man auf sensible Problembereiche der Teilnehmenden stoßen, mit denen man nicht umgehen kann (fehlende therapeutische Kompetenz). Eine wirklich sinnvolle Hilfe liegt in der Vermittlerposition. Man kann durchaus Ansprechpartner, Vereine und Institutionen empfehlen oder sogar im Unterricht recherchieren lassen (Stichwort teilnehmerorientierter Unterricht).

Ein weiteres sehr wichtiges Gebiet für beratende Gespräche sind alle lernrelevanten  Themen. In diesen Gesprächen sollten Motivationen und Ziele angesprochen werden. Aber wie geht man am besten vor?

Empfehlenswert ist es, einen zeitlichen und räumlichen Rahmen zu schaffen. Nachhaltig sind persönliche Gespräche, in denen der Teilnehmende merkt, es geht wirklich um ihn. Das gelingt u.a dadurch, dass man Fragen stellt: zur Lebenssituation, zur Lernbiografie, Gesundheit oder zum Alltag, um sich so ein möglichst komplexes Bild zu schaffen.

Eine positive, auf Ressourcen und Potentiale fokussierte Grundhaltung kann auch in verfahrenen Situationen Perspektiven öffnen. Im Mittelpunkt sollte das, was geht, stehen und nicht das, was nicht funktioniert.

Auch wenn Kursleitende die Experten für das Deutschlernen sind, die Teilnehmenden sind immer die Experten ihrer eigenen Situation. Dies ist ein besonders sensibler Punkt, denn gut gemeinter Rat wird oftmals als Bevormundung erlebt und nicht akzeptiert. Außerdem: Was bei dem einen klappt, muss noch lange nicht bei jedem anderen funktionieren.

In einer Beratung kann man nur Impulse oder Ideen vermitteln. Eventuell kann man zur Umsetzung neuer Wege animieren oder sogar erste Schritte gemeinsam erarbeiten. Aber niemals dürfen fertige Lösungen angeboten werden – Hilfe zur Selbsthilfe lautet die große Überschrift.

Unsere Blogautorin: Anke Kuhnecke

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