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Schritt für Schritt: Deutschlernen in Entwicklungsstufen

Die Fremdspracherwerbsforschung hat in den letzten Jahrzehnten aufschlussreiche Erkenntnisse gewonnen, die auch den Deutschunterricht mit Erwachsenen prägen. Grundsätzlich hat man herausgefunden, dass die Prinzipien eines erfolgreichen Fremdsprachenerwerbs weitgehend denen des Erwerbs der Herkunftssprache entsprechen. Der kindliche Spracherwerb verläuft über das Sammeln von Erfahrungen, das Bilden von Hypothesen und das Ausprobieren sprachlicher Strukturen.

Beim Aufbau von Wortschatz im kindlichen Spracherwerb werden Begriffe zunächst fast ausschließlich anhand charakteristischer Merkmale gruppiert. Erst mit zunehmendem Situationsverständnis, also durch das Sammeln von Erfahrungen, entwickelt sich ein abstraktes Begriffswissen.

Für den Deutschunterricht mit Erwachsenen bedeutet dies ganz praktisch, dass neuer Wortschatz erfahrbar gemacht und kontextualisiert werden sollte. Wortschatz wird nicht durch das isolierte Lernen einzelner Wörter aufgebaut, sondern vielmehr gebrauchsbezogen erworben. Am besten geschieht dies in sinnvollen Sätzen, die an nachvollziehbare Situationen geknüpft sind und idealerweise einen Bezug zur Lebenswelt der Lernenden haben.

Auch der Grammatikerwerb in einer Fremdsprache unterliegt einer gewissen Eigendynamik. Heute geht man davon aus, dass Spracherwerb in einer festen Reihenfolge von Entwicklungsstufen verläuft, die nicht beliebig übersprungen werden können. Der Unterricht kann diesen Erwerbsprozess zwar unterstützen, einzelne Entwicklungsstufen jedoch nicht erzwingen. Grammatik-Input ist daher nur dann erfolgreich, wenn die Lernenden die jeweils vorausgehende Entwicklungsstufe bereits erreicht haben. So muss beispielsweise die Struktur einfacher Aussagesätze sicher beherrscht werden, bevor Inversionsstrukturen erworben werden können. Dieses Phänomen wird in der Forschung als „Pienemannsche Teachability Hypothesis“ beschrieben.

Wie der Übergang vom deklarativen zum prozeduralen Wissen bei den einzelnen Lernenden letztlich verläuft, lässt sich jedoch nicht eindeutig bestimmen. Die persönliche und individuelle Auseinandersetzung mit sprachlichen Strukturen spielt dabei eine entscheidende Rolle. Sprachliche Muster müssen individuell erarbeitet und verarbeitet werden. Dazu gehören ganz wesentlich Phasen des Fehlermachens, Experimentierens und Ausprobierens.

Findet der Grammatik-Input allerdings „gegen den Strich“ statt, also zu einem Zeitpunkt, an dem die Lernenden für die jeweilige Struktur noch nicht bereit sind, kann ein gehäuftes Auftreten von Fehlern über einen längeren Zeitraum ein Zeichen von Überforderung sein. Auch Vermeidungsstrategien oder Fossilierungen können darauf hindeuten, dass Lernende im Erwerb grammatischer Strukturen noch auf einer früheren Entwicklungsstufe stehen und für weiterführende Strukturen noch nicht bereit sind.