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Der Einsatz mit Sprachbiografien im DaZ-/DaF-Unterricht

Deutschunterricht mit Erwachsenen lebt von den Erfahrungen und Interessen, die die Lernenden mitbringen. Eine der wichtigsten Ressourcen ist dabei die eigene Sprachbiografie.

Jeder Mensch bringt seine eigene Sprachgeschichte mit in den Unterricht. Manche Lernende sind mit mehreren Sprachen aufgewachsen, sprechen Dialekte, haben bereits andere Fremdsprachen erlernt oder nutzen unterschiedliche Sprachen in Familie und Alltag.

Um die Ressource Mehrsprachigkeit aktiv in den Unterricht einzubeziehen, bietet sich die Arbeit mit Sprachbiografien an. Eine Sprachbiografie beschreibt den individuellen Weg eines Menschen im Umgang mit Sprachen. Welche Sprachen spreche ich? Wo habe ich sie gelernt? In welchen Situationen nutze ich sie? Es geht dabei weniger um das Niveau der Sprachkenntnisse als um persönliche Erfahrungen, Identität und den individuellen Umgang mit Mehrsprachigkeit.

Der Einsatz von Sprachbiografien im Deutschunterricht mit Erwachsenen eignet sich besonders gut zu Beginn eines Kurses, sollte jedoch auf keinen Fall auf eine einmalige Kennenlernaktivität reduziert werden. Sprachbiografien können im Laufe des Kurses immer wieder aufgegriffen und erweitert werden. Schließlich ist Sprachenlernen ein lebenslanger Prozess, und jede neu erworbene Kompetenz wird Teil der persönlichen Sprachgeschichte.

Für den Unterricht bieten sich verschiedene Möglichkeiten an. So können beispielsweise Sprachlandkarten gestaltet werden, in die alle Sprachen eingetragen werden, die in der Lerngruppe vorkommen. Noch individueller wird dies mit einem Sprachenporträt. Hierbei werden in die Umrisse eines menschlichen Körpers sämtliche zur Verfügung stehenden Sprachen symbolisch verschiedenen Körperbereichen zugeordnet. So entsteht schnell ein Austausch darüber, welche Sprache man im Herzen trägt und welche eher im Kopf oder im Bauch verortet ist.

Auch Diskussionen über Sprachlernstrategien gehören dazu. Welche Erfahrungen haben die Lernenden beim Erlernen anderer Sprachen gemacht? Was hat ihnen geholfen, und welche Schwierigkeiten kennen sie? Solche Reflexionen fördern das Bewusstsein für den eigenen Lernprozess.

Sprachbiografien sind viel mehr als persönliche Geschichten. Sie machen die Bedeutung von Mehrsprachigkeit sichtbar, stärken die Identität der Lernenden und schaffen darüber hinaus weitere Anknüpfungspunkte für den Unterricht. Denn wenn man die sprachlichen Erfahrungen der Lernenden kennt, kennt man auch wesentliche Kompetenzen, die sie für den Lernprozess mitbringen. Und genau darin liegt das Geheimnis erfolgreichen DaZ- und DaF-Unterrichts.