Tipps für den Unterricht
Die Buchstabenprogression im Alphabetisierungsunterricht
In welcher Reihenfolge die Buchstaben im Alphabetisierungsunterricht mit nicht herkunftssprachlichen Erwachsenen eingeführt werden sollen, hängt von verschiedenen Kriterien ab. Die Frage der Buchstabenprogression ist dabei vor allem für Autor:innen der Alpha-Lehrwerke relevant, die unter Beachtung der folgenden Kriterien eine Entscheidung für die eine oder andere Reihenfolge zu treffen haben.
Die Vorkommenshäufigkeit des jeweiligen Buchstabens ist ein wesentliches Kriterium, wobei die Vorkommenshäufigkeit sich darauf bezieht, wie oft ein Buchstabe in unterschiedlichen Texten auftritt. Je nach Textsortenwahl ergeben sich daraus schließlich auch minimale Unterschiede in der Häufigkeitsrangliste (siehe Schubenz 1979; Hörmann 1977). Für den Alphabetisierungsunterricht mit nicht deutschsprachigen Lernenden sind letztendlich jene Textsorten relevant, die einen starken Lernendenbezug aufweisen. Das betrifft übrigens auch die Auswahl des Wortschatzes.
Die Vorkommenshäufigkeit ist aber bei Weitem nicht das einzige Kriterium. Auch akustische Aspekte spielen eine wichtige Rolle. Zuerst können also die Vokale und anschließend die dehnbaren Konsonanten, wie „m“, „n“ oder „s“, eingeführt werden, da diese in der Regel von den Lernenden auf akustischer Ebene leichter erkannt werden.
Auch die optische Einprägsamkeit gilt es zu bedenken. So sind „i“ und „o“ wesentlich leichter zu erlernen, als „k“ oder „ß“, wobei es an dieser Stelle gilt, über die Unverwechselbarkeit nachzudenken. Optisch ähnliche Buchstaben wie „d“ und „b“, „p“ oder „m“ und „n“ bergen die Gefahr der Interferenz. Werden diese Buchstaben zu nah beieinander oder gar gleichzeitig eingeführt, können die Lernenden Probleme bei der Differenzierung haben. Das betrifft übrigens auch die phonetische Ähnlichkeit, wie sie zum Beispiel bei „d“ und „t“ oder „m“ und „n“ auftritt. Die nur sehr minimalen phonetischen Unterschiede sind für Lernende oft eine große Hürde.
Letztendlich ist im Erwachsenunterricht die Relevanz für die Lernenden ein wesentlicher Aspekt, der dazu führt, das viele Lehrwerke beispielsweise den eher selten vorkommenden Buchstaben „w“ oder die Buchstabenkombination „ei“ recht früh einführen, sodass die unbestimmten Artikel wie auch die W-Fragen schon bald schriftlich vermittelt werden können.
Zum Schluss soll das Prinzip der Einfachheit nicht unerwähnt bleiben. Allerdings ist dieses Kriterium unter anderem in Bezug zu der jeweiligen Herkunftssprachen zu betrachten und wird durch Beobachtung der Lernenden entsprechend in den Unterricht eingebracht.