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Lernen lernen

DaF/DaZ-Wissensportals "Einfach machen"

von Anke Kuhnecke

Lernen lernen

Was ist Micro-Scaffolding?

Scaffolding im Deutschunterricht mit Erwachsenen zielt auf allgemeine Unterstützungsstrategien zur Sprachförderung der Lernenden ab. Das Konzept des Mikro-Scaffolding umfasst dabei allgemein gesagt, die Interaktion im Unterricht, die auf das Makro-Scaffolding, also auf die Planung im Vorfeld, folgt.

Mikro-Scaffolding, oder auch Interactional Scaffolding, fokussiert demnach auf die Unterrichtsinteraktion innerhalb des Unterrichtgeschehens. Die vorab geplanten Hilfen und „Gerüste“ werden nun in der direkten Interaktion angewandt. Das heißt konkret, dass in dem Moment, in dem das sprachliche Repertoire der Lernenden in einer bestimmten Situation ausgeschöpft ist, eine Unterstützung angeboten wird, die die sprachliche Weiterentwicklung anregt. Diese Unterstützung kann vom Kursleitenden, aber auch von den Lernenden untereinander, ausgehen. (Hammond, Gibbons, 2005) Ein wesentliches Instrument ist dabei die Aktivierung von Vorwissen, um Vernetzungen im Gehirn zu nutzen und zu erzeugen.

Ebenso ist der gesamte Komplex vom Umgang mit Fehlern und der Fehlerkorrektur im Konzept des Mikro-Scaffolding enthalten. Allerdings geht es hier über die explizite Korrektur hinaus. Vielmehr sollen Lernende angeregt werden, ihr sprachliches Output durch Anpassung oder Überformung selbst zu verändern. Die Unterstützung kann auch durch gestische und verbale Handlungen erfolgen. Wichtig ist immer, dass lediglich ein Impuls an die Lernenden gegeben wird, ihre eigenen Äußerungen zu verändern oder zu erklären.

Die Interaktion zwischen den Lernenden ist eine ganz bedeutende Komponente im Micro-Scaffolding, da die Lernenden im Miteinander die sprachlichen Strukturen erproben und ausprobieren können. Und nicht zuletzt steht und fällt Micro-Scaffolding immer mit möglichst reichhaltigen Anwendungsmöglichkeiten während des Unterrichts.

Konkrete Methoden des Mikro-Scaffoldings sind das Sprechen über das Sprechen, die direkte Unterstützung durch Kursleitende durch passende Begriffe, Ermutigung der Lernenden zu längeren auch fachspezifischeren Äußerungen sowie das indirekte Bereitstellen von „Sprachmaterial“ durch Nachfragen. Allerdings gilt es hierbei darauf zu achten, über den sich fragend-entwickelnden Unterricht hinauszugehen. Das gelingt vor allem durch Verlangsamung der Interaktion, indem die Lernenden mehr Zeit für die Planung und individuelle Auseinandersetzung mit der jeweiligen Aufgabe erhalten. Nicht zuletzt braucht Scaffolding authentische Kommunikationssituationen im Kursraum, damit die Lernenden, bildlich gesprochen, möglichst viel in alltags- und fachrelevanten Gerüsten herumklettern können.