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{03} 2018

Anamnesegespräche: In der Abteilung Innere Medizin – Teil 2

Von der Anamnese zur Diagnose

Die 22-jährige Patientin Maren Nuber war am Arbeitsplatz ohnmächtig geworden und wurde von ihrer Chefin in die Notaufnahme der örtlichen Klinik begleitet. Der diensthabende Arzt, Dr. Sanchez, führte das Aufnahmegespräch durch (siehe vorheriger Blog) und veranlasste eine Laboruntersuchung. Während sie auf die Laborwerte warten, stellt Dr. Sanchez Frau Nuber weitere Fragen.

Dr. Sanchez: Gut, Frau Nuber, jetzt müssen wir erst mal die Ergebnisse der Blutuntersuchung abwarten. Ich würde Ihnen gerne noch ein paar weitere Fragen stellen, in Ordnung?

Frau Nuber: Ja, sicher, Dr. Sanchez.

Dr. S.: Frau Nuber, leiden Sie unter irgendwelchen chronischen Erkrankungen, z. B. Herz-Kreislauf- Beschwerden, Bluthochdruck oder Asthma?

Frau N.: Nicht dass ich wüsste. Mir geht’s eigentlich gar nicht so schlecht.

Dr. S.: Sind Sie schon mal operiert worden?

Frau N.: Mein Blinddarm wurde mir mit 16 rausgenommen und Mandeln hab ich auch keine mehr.

Dr. S.: Wann fand die Mandel-OP statt?

Frau N.: Da war ich noch klein, so genau weiß ich das nicht mehr.

Dr. S.: Gut. Hatten Sie schon einmal einen Unfall, durch den Sie medizinisch behandelt werden mussten?

Frau N.: Einmal bin ich vom Pferd gefallen und hab mir den linken Arm gebrochen. Der ist dann aber gleich in der Arztpraxis eingegipst worden.

Dr. S.: Nehmen Sie regelmäßig Medikamente ein?

Frau N.: Nee, nur die Pille. Und manchmal eine Kopfschmerztablette.

Dr. S.: Rauchen Sie?

Frau N.: Ja, aber nicht so viel.

Dr. S: Was heißt denn das? Wie viele Zigaretten pro Tag konsumieren Sie denn?

Frau N.: Och, ich rauche gar nicht täglich, nur am Wochenende, wenn ich ausgehe.

Dr. S.: Verstehe. Ich möchte Sie dennoch darauf hinweisen, dass das Rauchen in Verbindung mit der Antibabypille sehr riskant ist. So entstehen schnell Blutgerinnsel und Thrombosen können sehr gefährlich werden.

Frau N.: Ja, das weiß ich schon.

Dr. S.: Trinken Sie Alkohol?

Frau N.: Na ja, eigentlich auch nur am Wochenende, ein bis zwei Cocktails.

Dr. S.: Konsumieren Sie Drogen?

Frau N.: Nee. Das ist nichts für mich. Hat denn das alles jetzt irgendwas damit zu tun, dass ich heute umgekippt bin?

Dr. S.: Das kann ich jetzt noch nicht wissen, Frau Nuber. Haben Sie Allergien oder Unverträglichkeiten?

Frau N.: Nüsse vertrage ich nicht, da bekomme ich einen schlimmen Ausschlag und ich habe Heuschnupfen.

Dr. S.: Und wie ist es mit dem Sehen? Haben Sie bemerkt, dass sich das verschlechtert hat in letzter Zeit?

Frau N.: Jetzt, wo Sie’s sagen … Tatsächlich sehe ich seit einiger Zeit manchmal ein bisschen verschwommen und bekomme dann auch Kopfschmerzen. Dann nehme ich die Aspirin, von denen ich gesprochen habe.

Dr. S.: Und Konzentrationsschwierigkeiten?

Frau N.: Ja. Die Arbeit will mir nicht mehr so leicht von der Hand gehen. Und wenn mehrere Dinge auf einmal kommen, fühle ich mich schon mal überfordert.

Dr. S.: Gut, Frau Nuber. Eine letzte Frage noch: Haben andere Sie schon mal darauf angesprochen, dass Sie einen ungewöhnlichen Mundgeruch haben?

Frau N.: Stimmt, meine Schwester hat mich kürzlich gefragt, ob ich versehentlich Nagellackentferner getrunken habe, so was Verrücktes! Aber woher wissen Sie das?

Dr. S.: Frau Nuber, viel von dem, was wir jetzt wissen, deutet darauf hin, dass Sie einen Diabetes entwickelt haben. Wenn die Blutwerte vorliegen, kann ich Ihnen Genaueres sagen.

Frau N.: Aber kriegen das nicht nur alte Leute?

Dr. S.: Im Prinzip haben Sie Recht. Aber es gibt auch den Diabetes Typ 1 und den bekommen gerade oft jüngere Menschen. Jetzt warten wir das Labor ab und dann sehen wir weiter.

Frau N.: Das muss ich jetzt erst einmal verdauen!

Unsere Blogautoren: Markus Ammon und Jana Kirchberger

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