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August 2017

Vom Monolog zum Dialog

Ärztliche Gesprächsführung

telc Deutsch Blog Medizin ärztliche Gesprächsführung

In der Vorbereitung auf Ihre ärztliche Tätigkeit in Deutschland konzentrieren Sie sich in der Regel auf die Bewältigung sprachlicher und bürokratischer Hürden. Fachsprach- und evtl. Kenntnisprüfung sind zu meistern, hier stehen Grammatik und Wortschatz im Vordergrund sowie die angemessene Strukturierung von Anamnesegespräch, Patientenvorstellung und schriftlicher Dokumentation. All Ihr fachliches Können mittels einer Fremdsprache anzuwenden, ist schon eine große Herausforderung. Da konzentriert man sich im Aufnahmegespräch mit dem Patienten auf die Formulierung der eigenen Fragen, das schnelle Anfertigen von, später hoffentlich noch lesbaren, Notizen und ist in Gedanken schon auf der fieberhaften Suche nach der weiterführenden Anschlussfrage und deren korrekter Form.

Bei all diesem Multitasking gerät mitunter das eigentliche Ziel aus den Augen, nämlich einem leidenden Menschen Hilfe zu leisten. Sie lernen ganze Fragebatterien zu den einzelnen Anamneseschritten auswendig und sind bemüht, nichts zu vergessen (schauen Sie sich zu diesem Thema doch noch mal unseren letzten Blogartikel zur Anamnese in der Fachsprachprüfung an).

Dieser ganze Stress führt aber bei vielen Prüfungskandidaten dazu, dass sie sich vor lauter Konzentration auf die Anwendung gelernter Inhalte ganz nach innen wenden, wobei der Patient als Gesprächspartner „auf der Strecke bleibt“ und nur noch die Rolle eines Stichwortgebers einnimmt. Viel wichtiger wäre es aber, dem Patienten gegenüber eine offene, interessierte und empathische Haltung einzunehmen. Dies fördert nachweislich Heilungsprozess wie auch Compliance und verschafft Ihnen darüber hinaus in der Prüfungssituation wichtige Bonuspunkte.

Das rein paternalistische Modell des „Gott in Weiß“ hat in Deutschland zunehmend einem partnerschaftlichen bzw. patientenorientierten Modell der Gesprächsführung Platz gemacht, in dem durch bestimmte Fragetechniken auch bessere Erfolge erzielt werden können. Auf die grundlegenden Unterschiede dieser Modelle werden wir an anderer Stelle noch gesondert eingehen.

Welche kommunikativen Mittel helfen also, ein gelungenes ärztliches Gespräch zu führen? Mit den sprachlichen Mitteln, die in erster Linie Emotion transportieren, den Modalpartikeln, haben wir uns schon im Blogartikel Wie geht’s Ihnen denn heute? im Mai beschäftigt.

Jetzt wollen wir gerne auf einige Techniken des aktiven Zuhörens eingehen:

  • Lassen Sie den Patienten ausreden. Wie schon im Artikel zur Anamnesegestaltung beschrieben, ist es sinnvoll, den Patienten zusammenhängend berichten zu lassen ohne zu unterbrechen. Ärztliche Ängste, dadurch zu passiv und damit unsicher zu erscheinen, sind unbegründet. In der Regel endet der Patientenmonolog nach spätestens zwei Minuten, wir haben die Gelegenheit, wichtige Informationen zu sammeln und das Gegenüber fühlt sich wahrgenommen, respektiert und baut Vertrauen auf.
  • Die Frage „Wie würden sie den Schmerz beschreiben?“ führt meist zu relevanteren Erkenntnissen als die Frage „Ist es ein bohrender oder ein stechender Schmerz?“. Nur wenn der Patient nicht recht weiß, wie er antworten soll, kann man auf diese Art ein Beispiel geben. Offene Fragen laden dazu ein, alles, was relevant sein könnte, zu berichten. So wird man womöglich deutlich weiterführende Informationen auf die Frage „Wie unterstützend empfinden Sie Ihre Partnerschaft?“ erhalten, als auf die Frage „Unterstützt Ihr Partner Sie?“
  • Haben Sie Mut zur Pause! Allein zum Nachdenken über die nächste Frage brauchen Sie ein paar Sekunden. Wenn Sie hier Sicherheit in der Formulierung gewonnen haben, können Sie die Zeit jetzt nutzen, um dem Patienten einen Freiraum zu geben, über Dinge zu berichten, die er vielleicht nicht so spontan preisgeben würde. Das können unangenehme Gedanken sein oder vermeintliche Peinlichkeiten wie z.B. in den Bereichen Sexualanamnese oder Noxen. Drei Sekunden werden hier als Goldstandard gehandelt, schauen Sie doch mal auf die Uhr.
  • Geben Sie den Inhalt des Gesagten auch in eigenen Worten wieder. Dies verschafft dem Patienten die Möglichkeit, seine Aussagen quasi von außen zu betrachten und aus einem anderen Blickwinkel zu sehen. Dieses Paraphrasieren hat noch einen „kleinen Bruder“, das Echoing. Hier werden nur einzelne zentrale Teile der Patientenaussage wiederholt, was wiederum zum weiteren Ausführen des Gedankens führen kann.
  • Das Nachfragen ist eine Technik, die Sie sicher schon aktiv nutzen, vor allem, wenn Sie Patientenaussagen rein sprachlich nicht genau verstehen. Aber auch wenn der Patient vage bleibt oder Sie vermuten, dass „da noch mehr dahintersteckt“, ermöglicht Ihnen die gezielte Nachfrage das Sicherstellen von womöglich wichtigen Informationen.

Versuchen Sie doch mal, gelegentlich eine dieser Fragetechniken in Ihr Training für das Anamnesegespräch einzubauen, Sie werden überrascht sein, wie lebendig es sich gestalten kann.

Unser Blogautor: Markus Ammon

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