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Juli 2017

Tipps zur Prüfungsvorbereitung

Die Anamnese in der Fachsprachprüfung

Für alle Sprachprüfungsformate für internationale Ärztinnen und Ärzte gilt: Der erste Eindruck zählt. Deshalb sollten Einstieg, Verlauf und Abschluss des Anamnesegesprächs bestmöglich vorbereitet werden. Obwohl nicht medizinisches Fachwissen, sondern die sprachlichen Fertigkeiten im Vordergrund stehen und bewertet werden, muss dennoch ein vom medizinischen Sachverstand ausgehender roter Faden erkennbar sein, an den ein echter Arzt-Patient-Dialog anknüpft. Es geht also um ein Zusammenwirken fachlicher Kenntnisse, Sprecherkompetenz und Fähigkeit zur Empathie.

Für ein gelungenes Anamnesegespräch in der Prüfung ist es notwendig, sich ein Repertoire an gängigen Redemitteln zuzulegen, die auch muttersprachliche Ärztinnen und Ärzte standardmäßig verwenden. Diese sollten eingebettet werden in eine vorab festgelegte Rahmenstruktur, die je nach Verlauf des Gesprächs auch angepasst werden kann. Im Folgenden wollen wir Vorschläge für einen solchen Rahmen machen und auch auf die essentiellen außersprachlichen Kommunikationsmittel hinweisen.

Uns ist bewusst, dass die Realität in der Praxis oft ganz anders aussieht als die hier beschriebene Vorgehensweise – allein der zeitliche Umfang von 20 Minuten für eine Anamnese wird wohl nur selten im wirklichen Praxisalltag ausgeschöpft. Aber Ihr Patient in der Fachsprachprüfung ist ein Schauspieler, also spielen Sie einfach mit :-).

Begrüßen Sie Ihren Patienten mit einem Lächeln und Händeschütteln und kleben Sie im Verlauf des Gesprächs nicht an Ihren Aufzeichnungen, sondern suchen Sie immer wieder den Augenkontakt. Stellen Sie sich so klar, langsam und deutlich vor, dass der Patient eine Chance hat, Ihren Namen zu verstehen und selbst aussprechen zu können. Im Gegenzug sprechen Sie den Patienten Ihrerseits wiederholt mit seinem Namen an, das schafft Nähe.

Das deutliche, klare Sprechen in gemäßigtem Tempo und angemessener Intonation sollten Sie möglichst durchgehend beibehalten. Viele Kandidaten sprechen während der Prüfung viel zu schnell, leise oder monoton, was nicht selten zum Durchfallen führt! Also demonstrieren Sie durch eine ruhige, klare und verständliche Sprechweise Ihr Interesse an den Bedürfnissen des Patienten und damit Ihre ärztliche Kompetenz. Trainieren Sie Ihre Aussprache durch lautes Vorsprechen mit Muttersprachlern oder Kollegen und lassen Sie sich Rückmeldung über die Verständlichkeit geben. Stellen Sie während des gesamten Gesprächs sicher, dass der Patient Sie verstanden hat und vergewissern Sie sich ihrerseits durch das Zusammenfassen, Wiederholen und Paraphrasieren der Patientenaussagen, dass auch Sie wissen, worüber der Patient spricht.

20 Minuten wollen gut genutzt und ausgefüllt werden. Für Anfangs- und Endphase der Anamnese wollen wir Ihnen gern eine feste Vorgabe empfehlen, im mittleren Teil lassen Sie sich dann von Ihrer Verdachtsdiagnose leiten. Aber auch hier sind, auch dem ersten Anschein nach zusammenhanglose, Fragen erlaubt und richtig, immer gibt es Verdachtsmomente auszuschließen. Nichtsdestotrotz sollten Sie nicht wahllos zwischen den verschiedenen Anamneseschritten hin- und herspringen, allein schon, um nicht den Überblick zu verlieren oder wichtige Bereiche zu vergessen. Somit haben Sie mit Ihren Aufzeichnungen dann auch schon eine schön strukturierte Vorlage für Ihre schriftliche Dokumentation und die anschließende Patientenvorstellung.

Beginnen Sie mit einer klassischen Einstiegsfrage: „Was kann ich für Sie tun?“ Geben Sie dem Patienten hier ausreichend Zeit, über seine Beschwerden zu berichten und intervenieren Sie so wenig wie möglich. Haken Sie nach, wenn Bedarf besteht, aber Studien zufolge erfährt man in den ersten 90 Sekunden eines nicht unterbrochenen Patientenvortrags die wichtigsten Informationen. Sollte der Schauspielpatient im weiteren Verlauf nicht aufhören zu reden, müssen Sie allerdings die Initiative ergreifen, den Redefluss unterbrechen und mit dem Hinweis darauf, dass Sie jetzt wichtige Fragen zur Erkrankung stellen müssen, die Lenkung des Gesprächs wieder übernehmen.

In der anschließenden aktuellen Anamnese befragen Sie den Patienten ausführlich zu Zeitpunkt, Dauer, Lokalisation, Schweregrad und Qualität der Schmerzen. Nehmen Sie erst dann die Patientendaten wie Alter, Größe und Gewicht auf, damit der Patient sich mit seinem vorrangigen Anliegen ernst genommen fühlt. Im Anschluss empfehlen wir, zur weiteren Eingrenzung des Beschwerdebildes die vegetative Anamnese mit B-Symptomatik durchzuführen. Hier ergeben sich sehr häufig wertvolle Erkenntnisse, die wegweisend für den weiteren Verlauf des Gesprächs sein können.

Die Reihenfolge der folgenden Schritte wie Vorerkrankungen, Familienanamnese, Sozialanamnese, Allergien und Medikamente sowie Noxen und psychosomatische Fragestellungen ist relativ frei zu gestalten. Allerdings sollte jeder Schritt ausreichend Berücksichtigung finden. Auch wenn diese Informationen für Ihre Verdachtsdiagnose auf den ersten Blick nicht relevant erscheinen mögen, bilden sie doch die Grundlage für eine vollständige Dokumentation und Patientenvorstellung. Auch eine Angabe wie ohne Befund oder unauffällig hat Informationswert.  

Wie Sie sicher schon erwarten, werden Sie während der Prüfung unter Stress stehen. Ein sicheres Beherrschen eines ausreichend großen Fragekatalogs gibt Ihnen Halt und Sicherheit, um sich während des Zuhörens und Notierens schon auf die Inhalte der nächsten Frage konzentrieren zu können. Ausreichend bedeutet hier eine Größenordnung von ca. 100 Fragen, die Sie grammatikalisch und syntaktisch korrekt spontan äußern können sollten. Eine ausgezeichnete systematische Auswahl bietet hier beispielsweise das Rahmencurriculum telc Deutsch B2·C1 Medizin. Hier finden sich auch noch weitere praktische Hinweise zur konkreten Gestaltung aller prüfungsrelevanten Kommunikationssituationen.

Bei aller Effizienz und Strukturiertheit vergessen Sie bitte nicht, dass vor Ihnen ein Mensch sitzt, der von Ihnen Hilfe erwartet. Mit Zugewandtheit und Einfühlungsvermögen kommen Sie besser ans Ziel, die für Sie wichtigen Informationen zur Diagnose zu erhalten, den Heilungsprozess allein durch Ihre ärztliche Präsenz und Ihr Interesse am Patientenwohl in Gang zu setzen und nicht zuletzt die Compliance des Patienten zu fördern.

Reservieren Sie bei Ihrer Gesprächsplanung genug Zeit für den abschließenden Teil der Anamnese, in dem der Patient über das weitere Vorgehen aufgeklärt und ihm die Möglichkeit gegeben wird, weitere Fragen zu stellen. Sollten Sie bereits eine gute Verdachtsdiagnose stellen können, informieren Sie den Patienten auf Nachfrage ruhig, mit Hinweis auf die Vorläufigkeit, und punkten Sie mit sinnvollen anschließenden diagnostischen und therapeutischen Maßnahmen.

Beenden Sie die Anamnese mit der überleitenden Ankündigung einer körperlichen Untersuchung. Viel Erfolg!

Unsere Blog-Autoren: Markus Ammon und Jana Kirchberger

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