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Juni 2017

Patientengerechte Aufklärung

Ein Leitfaden für Ärztinnen und Ärzte

Die deutsche Rechtsprechung hat der Ärztin/dem Arzt (im Folgenden nur Arzt) auferlegt, Patientinnen und Patienten vor Diagnose, Medikation, Therapie sowie zur Prophylaxe – vor allem auch vor jedem invasiven Eingriff – umfassend, zeitgerecht und verständlich aufzuklären. Vor allem im Arbeitsalltag von Kliniken wird großer Wert auf eine juristisch „wasserdichte“ Dokumentation gelegt. Aber wie sollte eine patientengerechte Aufklärung ablaufen? Folgende Schritte können Ihnen hierzu als Leitfaden dienen:

Wie bereitet man sich vor?

Klären Sie, wer neben dem Patienten/der Patientin (im Folgenden nur Patient) beim Gespräch anwesend sein soll (etwa Angehörige) und halten Sie notwendige Labor- und Untersuchungsbefunde bereit. Finden Sie einen geeigneten Ort, einen möglichst ruhigen Raum mit ausreichend Sitzgelegenheit und ohne Barrieren zwischen Arzt und Patient (am Schreibtisch sitzt man am besten über Eck).

Zudem sollte Störungen vorgebeugt werden. Begrüßen Sie Ihren Patienten schon im Stehen, dabei können Sie gleich herausfinden, in welcher Beziehung mitgebrachte Verwandte oder Bekannte zum Patienten stehen.

Von großer Wichtigkeit ist auch die Entscheidung über den Zeitpunkt des Aufklärungsgesprächs. Die Aufklärung muss so frühzeitig erfolgen, dass der Patient noch im Vollbesitz der Erkenntnis- und Entscheidungsfähigkeit ist und er über ausreichend Zeit verfügt, seine Entscheidung zu überlegen und ggf. mit Dritten zu besprechen. Bei größeren Eingriffen ohne Dringlichkeit bzw. mit längerer Vorbereitungsphase muss die Aufklärung Tage oder Wochen vorher (im zeitlichen Zusammenhang zum Diagnosezeitpunkt bzw. zur Operationsempfehlung) erfolgen. Es muss zu diesem Zeitpunkt bereits über den vollen Umfang des Eingriffes und aller möglichen Komplikationen einschließlich des Risikos einer Nachoperation aufgeklärt und die Einwilligung des Patienten eingeholt werden.

In jedem Fall muss der Arzt dem Patienten zu einer solchen Entscheidung ausreichend Zeit zur Überlegung geben.

Die in der Regel von der Klinik bereitgestellten Merkblätter dienen der Vorbereitung des Aufklärungsgespräches und seiner notwendigen Dokumentation. Jedes Merkblatt sollte unbedingt durch handschriftliche Eintragungen individualisiert werden. Dies kann durch handschriftliche Ergänzungen im Text oder durch das Wegstreichen nicht zutreffender Informationen geschehen.

Über welches Vorwissen verfügt der Patienten?

Finden Sie heraus, was dem Patienten bisher gesagt wurde, wie er seine momentane Situation wahrnimmt, was er darüber denkt und für wie ernst er die Erkrankung hält. Knüpfen Sie an die Antworten des Patienten an und nehmen Sie diese als Ausgangspunkt für die unter Umständen schlechten Nachrichten.

Was und wie viel möchte der Patient wissen?

Erfragen Sie, wie detailliert der Patient informiert werden will oder ob er lieber über die möglichen Konsequenzen reden möchte. Sollte der Patient zu diesem Zeitpunkt keine detaillierte Aufklärung wünschen, sollte gleich über die Therapie gesprochen werden, aber es sollten weitere Gespräche zu einem späteren Zeitpunkt angeboten werden.

Wie vermittelt man die Informationen?

Warnen Sie vor, falls eine schlechte Nachricht mitgeteilt werden soll, etwa durch das Wort "leider". Knüpfen Sie auch hier am Wissen des Patienten an und nutzen Sie möglichst seine eigenen Worte.

Wie geht man mit Emotionen um?

Geben Sie Raum, Emotionen wie Trauer, Wut oder Schock auszudrücken, Reaktionen wahrzunehmen und empathisch darauf einzugehen – zum Beispiel durch offene Fragen. Ganz wichtig sind Pausen. Hören Sie zu, was der Patient besprechen möchte und ermuntern Sie ihn zu Fragen. Haken Sie nach, was der Patient verstanden hat. Gegebenenfalls helfen hierbei Zeichnungen, schriftliche Stichpunkte, Infobroschüren.

Wie plant man das weitere Vorgehen?

Fassen Sie die Informationen zusammen und nennen Sie weitere Hilfsangebote (etwa Psychologe, sozialer Dienst, Selbsthilfegruppe, Physiotherapeut oder ärztliche Kollegen). Bieten Sie ein gemeinsames Gespräch mit weiteren Angehörigen oder Freunden an und planen Sie gemeinsam das weitere Prozedere und die nächsten Termine.

Stehen mehrere Behandlungsmethoden zur Auswahl, dann muss der Patient auch über die Möglichkeiten von Alternativeingriffen und deren spezifische Vor- und Nachteile aufgeklärt werden.

Blogautor: Markus Ammon

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