arrow-down arrow-to-left arrow-to-right arrow-up bc-left check delete download facebook google-plus home map menu print search smiling three-lines top-left twitter youtube
September 2017

Geschriebene Sprache: die größte Herausforderung

Arztbrief - ohne Grammatik geht es nicht

Die lange Phase, in der es in Deutschland genügte, zur Erlangung der Approbation allgemeinsprachliche Deutschkenntnisse auf der Niveaustufe B2 des Gemeinsamen europäischen Referenzrahmens (GER) nachzuweisen, endete mit dem Beschluss der 87. Gesundheitsministerkonferenz (GMK) im Juni 2014. Hier wurden die Voraussetzungen für eine ärztliche Tätigkeit konkretisiert: Ausländische Ärztinnen und Ärzte müssen allgemeinsprachliche Deutschkenntnisse mindestens auf dem GER-Niveau B2 sowie Fachsprachenkenntnisse mindestens auf Niveau C1 nachweisen und ihre Deutschkenntnisse durch das erfolgreiche Ablegen einer Fachsprachenprüfung unter Beweis stellen.

In der Fachsprachprüfung soll laut GMK-Beschluss ein sogenannter Kurz-Arztbrief verfasst werden, in dem die Erkenntnisse aus der vorher erhobenen Anamnese in einem Fließtext zusammengefasst werden. Die Kann-Beschreibungen dieser Kompetenzstufe sind folgendermaßen festgelegt:

  • Kommunikative Gestaltung: Eine gute Gliederung des Textes, die sich durch die Verwendung von Satz und Absatz verbindenden Elementen zeigt. Hier sind es vor allem Konnektoren aller Art und Mittel der Deixis, also vor- oder rückverweisende Wörter wie z.B. Pronomen, Pronominaladverbien u.a., die Kohäsion und Kohärenz herstellen.
  • Korrektheit: Orthographie, Wortbildung, Satzbau, wie z. B. Nomen-Verb-Verbindungen, sollen in hohem Maße korrekt sein. Fehler sind selten und fallen kaum auf.
  • Wortschatzbeherrschung: Hier steht natürlich die Kenntnis des Fachwortschatzes im Mittelpunkt. Aber auch für den Arztbrief typische Redewendungen, die festgelegt sind, müssen gut beherrscht werden.

Ein klinikinternes Anamnese- oder Untersuchungsformular ist leichter auszufüllen, als einen eigenen, wenn auch kurzen, Arztbrief zu verfassen, der sich an weiterbehandelnde Ärzte außerhalb der Klinik richtet bzw. bei später auftauchenden rechtlichen Problemen von Juristen herangezogen werden könnte. Können grammatische Fehler, die das Verständnis nicht behindern, intern bis zu einem gewissen Grad toleriert werden, ist die schlechte Außenwirkung eines fehlerhaften Arztbriefes sicher nicht akzeptabel.

Ein Arztbrief weist durch den präzisen und ökonomischen Stil viele grammatische Charakteristika deutscher Sprache auf. Häufig sind u. a.

  • Passivkonstruktionen (Der Verdacht auf … konnte ausgeschlossen werden.) Hier ist vor allem die Vielfalt der Verwendungsmöglichkeiten des Verbs werden ein Stolperstein, das sowohl als Vollverb als auch als Auxiliar im Futur und Passiv verwendet wird. Sie kennen sicher die Frage (worden oder geworden??)
  • Passiversatzformen (Im Blutbild ließen sich Antikörper nachweisen.),
  • Konjunktiv I zur Redewiedergabe, der durch die Homonymität vieler Pluralformen in den Konjunktiv II wechseln muss: KI bei Subjekt im Singular (Die Patientin berichtete, sie leide sehr unter ihren Arbeitsbedingungen /…sie habe eine starke Gewichtsveränderung während der letzten Wochen bemerkt.) und KII bei Subjekt im Plural (…die Schmerzen hätten wellenförmigen Charakter / …die Arrhythmien träten seit Medikamentengabe nicht mehr auf.)
  • Nominalstil (Nach Aufnahme von… erfolgte eine Flüssigkeitsgabe.)
  • Komposita (Aortenklappenersatz)
  • Präpositionalobjekte (Verdacht auf / unter Beobachtung / infolge einer Herzinsuffizienz)
  • komplexe Partizipialkonstruktionen (teilorientiert bei einem altersentsprechenden AZ)

Und hier setzen wir natürlich bereits ein solides Basiswissen über die Grundgrammatik wie beispielsweise Kasus, Tempus und Modus des Verbs wie auch ein sicheres Beherrschen der doch recht komplizierten Adjektivdeklination voraus. Von der, die, das ganz zu schweigen…

Aber keine Sorge, all das wiederholt sich immer wieder und mit einem gewissen Fundus an Redemitteln und Strukturen können Sie die Aufgabe Arztbrief meistern. Konsequentes Sprachtraining in zielgerichteten Kursen und ergänzendes Selbststudium helfen, diese Hürden zu nehmen. Viel Erfolg!

Unser Blogautor: Markus Ammon

Weiterempfehlen: