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Dezember 2017

Das schwierige Gespräch

Schlechte Nachrichten überbringen

Die Übermittlung schlechter Nachrichten gehört zu den am meisten belastenden Gesprächssituationen im Medizineralltag, denn nicht nur Patienten und Angehörige, auch Ärzte sind emotional betroffen und ringen hier um Worte.

Hierbei können unterschiedliche Lehrmodelle hilfreich sein. Heute stellen wir Ihnen eine der bekanntesten Methoden für eine patientengerechte Gesprächsführung vor: SPIKES.
Natürlich lässt sich dieses Modell nicht auf alle Situationen des klinischen Alltags übertragen. Eine Unterscheidung zwischen der Mitteilung einer chronischen Erkrankung (beispielsweise Diabetes) oder einer lebensbedrohlichen Krankheit ist sinnvoll.

1. Machen Sie sich vor einem schwierigen Gespräch Gedanken über das Setting:
Stellen Sie einen geeigneten Gesprächsrahmen her, vermeiden Sie Störungen und bestellen Sie ggf. Bezugspersonen mit ein.

2. Versuchen Sie im Vorfeld Wahrnehmung (Perception) und Informationsstand des Patienten einzuschätzen: „Was weiß der Patient über seine Erkrankung?“
Formulieren Sie offene Fragen zur Einschätzung der Patientenwahrnehmung:
„Was wissen Sie bisher über Ihre medizinische Situation?“
„Was denken Sie, warum wir diese Untersuchung durchführen wollen?“
Missverständnisse können so beseitigt werden.

3. Reflektieren Sie über Ihr Bild vom Patienten – bringt er die Bereitschaft mit, die „schlechte Nachricht“ aufzunehmen (Invitation)?
„Wie soll ich Ihnen die Testergebnisse vorstellen?“
„Soll ich Ihnen alle Ergebnisse ausführlich beschreiben, oder nur die wichtigsten Ergebnisse skizzieren und eher den Behandlungsplan ausführlich beschreiben?“

4. Informieren Sie den Patienten (Knowledge).
Warnen Sie ihn vor der Mitteilung der schlechten Prognose vor: „Unglücklicherweise habe ich schlechte Neuigkeiten für Sie ...“, „Es tut mir sehr leid, aber ich muss Ihnen sagen, dass ...“
Optimieren Sie Ihre Patientenkommunikation, indem Sie sich an das Patientenvokabular anpassen.
Vermeiden Sie technische Formulierungen (nutzen Sie z. B. „zurückbilden“ statt „rezidivieren“).
Auch zu starke Direktheit: „Sie haben eine sehr schlechte Prognose und wenn Sie nicht sofort mit einer Chemotherapie beginnen, werden Sie nicht mehr lange leben“, ist zu umgehen.
Teilen Sie Informationen in kleinen Dosen mit und versuchen Sie Phrasen wie „Es gibt nichts mehr, was wir für Sie tun können“, aus Ihrem Skript zu streichen.

5. Beachten Sie die Emotionen des Patienten, zeigen Sie Empathie (Empathy), denn empathische Äußerungen signalisieren Unterstützung.
Erfassen Sie die Emotionen (z. B. Trauer, Wut, Schock) und benennen Sie diese „Ich kann sehen, dass sie sehr traurig sind.“
Identifizieren Sie die Ursache für die Emotion: „Diese Prognose klingt für Sie jetzt sehr hoffnungslos.“
Geben Sie dem Patienten Raum, um seine Gefühle auszusprechen:
„Bitte sagen Sie mir, was gerade in Ihnen vorgeht.“

6. Fassen Sie den Gesprächsinhalt zusammen und besprechen Sie das weitere Vorgehen (Summary and Strategy).
Abhängig vom Befinden des Patienten wird das weitere Vorgehen ausführlich besprochen, so werden Ängste und Ungewissheit vermindert, Patientenwünsche berücksichtigt und Missverständnisse verhindert.
Besprechen Sie gemeinsam mit dem Patienten wie es weitergeht: „Als nächstes kommt jetzt die Operation. Abhängig vom Resultat werden wir dann entscheiden, wie es weitergeht.“
„Die Therapien, die ich Ihnen vorschlage, sind sehr eingreifend, aber unser Ziel ist es, Sie von der Krankheit zu heilen.“

Blogautoren: Jana Kirchberger und Markus Ammon

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