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Dezember 2017

Aufklärungsgespräche

So führen Sie Aufklärungsgespräche professionell durch

Walid Abdallah (Name redaktionell verändert) ist Anästhesist in einer Klinik in NRW. Seine Hauptaufgaben sind Patientengespräche und die Durchführung verschiedener Narkosen.

Für ein Aufklärungsgespräch muss Herr Abdallah eine Reihe von Tätigkeiten durchführen:

  1. Zuerst stellt er im internen Computerprogramm fest, welche Patienten und Patientinnen in seiner aktuellen Schicht aufgeklärt werden sollen und wo sich diese befinden.
  2. Er bittet beim Pflegepersonal um die Patientenakten und verschafft sich kurz einen Überblick über die Inhalte.
  3. Er sucht die Patienten und Patientinnen auf. (Ambulante Patienten bittet Herr Abdallah in den für Aufklärungsgespräche vorgesehenen Raum. Stationäre Patienten sucht er in ihrem Krankenzimmer auf.)
  4. Er führt ca. 15-minütige Aufklärungsgespräche mit all ihren Komponenten durch. Dabei können sieben Gesprächskomponenten unterschieden werden: Gesprächseröffnung, Information erfragen, Zuhören, Orientierung geben, Information geben, Planung und Entscheidung, Gesprächsabschluss.
  5. Er dokumentiert die Gespräche in den dafür vorgesehenen Bogen, bringt die Akten zurück und macht Eintragungen im internen Computerprogramm.

Bei Aufklärungsgesprächen ist Herr Abdallah (wie alle Anästhesisten) in einer herausfordernden Situation: Er hat die Verpflichtung, die Patienten und Patientinnen umfassend aufzuklären und ihre schriftliche Einwilligung einzuholen. Einige Patienten sind allerdings mit den Informationen und der Entscheidung überfordert, sei es infolge ihrer Angst vor Narkosen und Operationen, sei es aufgrund der vorangegangenen Diagnose einer schweren Krankheit. Eine weitere Herausforderung für Herrn Abdallah ist es, wenn Patienten ihre Angehörigen mitbringen und diese sich ebenfalls am Gespräch beteiligen. Darüber hinaus wird von Herrn Abdallah erwartet, dass er auch im Laufe von Gesprächen kurze Telefongespräche auf seinem dienstlichen Telefon entgegennimmt.

Herr Abdallah führt sowohl mit Patienten und Patientinnen Gespräche, die einfache Eingriffe vor sich haben, als auch mit Schwerkranken sowie Angehörigen. Angepasst an die jeweiligen Gesprächspartner muss er das passende alltagssprachliche Register wählen. Einige, hauptsächlich chronisch kranke Patienten, haben sich punktuell Expertenwissen über ihre Krankheit angeeignet und verwenden Fachtermini. Im Zusammenhang mit den Aufklärungsgesprächen kommuniziert Herr Abdallah ggf. mit Kollegen und Kolleginnen sowohl im Krankenhaus also auch außerhalb des Krankenhauses. Das Sprachregister zeichnet sich hier durch Fachtermini und knappe Äußerungen aus, die der Arbeitsroutine angepasst sind.

Für die Aufklärungsgespräche muss Herr Abdallah zunächst mit den in der Klinik verwendeten Aufklärungsbögen gut vertraut sein. Einige für die Narkose relevante Informationen muss er den Patientenakten und anderen Unterlagen entnehmen. Dabei kann es sich beispielsweise um Überweisungsbriefe handeln, um Untersuchungsergebnisse oder um Medikamentenlisten (zum Teil auch handschriftliche Auflistungen). Hierfür muss Herr Abdallah unterschiedliche medizinische Texte selektiv lesen können. Zusätzlich muss er Einträge im internen Computerprogramm lesen und verfassen können. Darüber hinaus muss er nach den Gesprächen Dokumentationen der Aufklärung schreiben.

Vor seinem ersten Aufklärungsgespräch hat Herr Abdallah sich ausführlich mit den Aufklärungsbögen des Krankenhauses auseinandergesetzt und bei mehreren Kollegen und Kolleginnen hospitiert. Ein Kollege hat mit ihm einige Aufklärungsgespräche simuliert und ihn bei seinen ersten eigenen Gesprächen begleitet. Zu Beginn seiner Aufklärungsgespräche erwähnt Herr Abdallah mit einem Schmunzeln, dass er zwar Medizin, aber nicht die deutsche Sprache studiert habe. Er bittet die Patienten um ihre Unterstützung, z. B. durch langsames und deutliches Sprechen. Gegebenenfalls bittet er die Patienten im Laufe des Gesprächs um Wiederholungen oder Umformulierungen.

Es kommt vor, dass Herr Abdallah Patienten dennoch nicht versteht. Beispielsweise konnte er einer älteren Dame nicht folgen, die ihm erklärte, wie häufig sie die Tabletten auf der mitgebrachten Liste einnahm. Im Anschluss an das Gespräch rief er den Hausarzt der Dame an und ließ sich von ihm die Informationen geben. Ein anderes Mal erklärte ein Patient, dass er Speed konsumiere. Herr Abdallah kannte diese Bezeichnung für Amphetamin nicht, konnte sie aber im Anschluss an das Gespräch ohne Schwierigkeiten im Internet recherchieren. Wenn er befürchtet, dass diese Strategien nicht funktionieren, ruft er einen Kollegen zur Hilfe.

Inzwischen hat Herr Abdallah schon viele Aufklärungsgespräche erfolgreich durchgeführt. Gelegentlich kommt es noch vor, dass er spezielle Gespräche mit Kollegen im Vorfeld bespricht. Beispielsweise hat er das Aufklärungsgespräch mit einem Zeugen Jehovas im Vorfeld mit einem Kollegen durchgesprochen, weil spezielle medizinische Zusammenhänge zu Bluttransfusionen mit dem Patienten thematisiert werden mussten.

Blogautoren: Jana Kirchberger und Markus Ammon

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